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Wirtschaft

Deloitte-Umfrage: Österreichs CFOs im Krisenmodus

19. November 2025 um 07:44
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Am 19. November 2025 veröffentlichte Deloitte Österreich die Ergebnisse der aktuellen CFO-Umfrage, die ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage in Österreich zeichnet. Die anhaltend hohe Inflation und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit zwingen Unternehmen, ihre Strategie zu überden

Am 19. November 2025 veröffentlichte Deloitte Österreich die Ergebnisse der aktuellen CFO-Umfrage, die ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage in Österreich zeichnet. Die anhaltend hohe Inflation und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit zwingen Unternehmen, ihre Strategie zu überdenken. Die Finanzvorstände der wichtigsten österreichischen Unternehmen sehen sich gezwungen, den Rotstift anzusetzen, um in diesen unsicheren Zeiten zu bestehen.

Ökonomische Unsicherheit und Inflationsdruck

Der Deloitte CFO Survey, der halbjährlich die Stimmung unter den Finanzvorständen erhebt, zeigt, dass 65 % der befragten CFOs von einer hohen wirtschaftlichen Unsicherheit ausgehen. Die Inflation, die in Österreich auf 3,1 % geschätzt wird, stellt ein enormes Risiko dar. Im Vergleich dazu liegt die erwartete Inflation in der Eurozone bei 2,2 %. Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen österreichische Unternehmen konfrontiert sind.

Inflation ist ein wirtschaftlicher Begriff, der die allgemeine Preissteigerung von Waren und Dienstleistungen beschreibt. Sie verringert die Kaufkraft des Geldes, was bedeutet, dass Verbraucher für das gleiche Produkt mehr zahlen müssen als zuvor. Eine anhaltend hohe Inflation kann zu einer wirtschaftlichen Abkühlung führen, da Unternehmen und Verbraucher ihre Ausgaben reduzieren.

Sparmaßnahmen und strategische Anpassungen

Angesichts dieser Herausforderungen setzen österreichische Unternehmen vermehrt auf Kostensenkungen. Laut der Umfrage bewerten 58 % der Finanzvorstände die Reduktion von Kosten als strategisch sehr wichtig. Diese Maßnahmen sind notwendig, um in einem rauen Investitionsklima bestehen zu können, in dem 53 % der CFOs eine Verschlechterung erwarten.

Die Anpassung der Kostenstruktur kann kurzfristig helfen, die finanzielle Stabilität zu sichern. Allerdings warnen Experten davor, dass ein zu starker Fokus auf Kostensenkungen langfristige Wachstumschancen beeinträchtigen könnte. Ein Vergleich mit Deutschland und der Schweiz zeigt, dass auch dort ähnliche Maßnahmen ergriffen werden, allerdings mit einem stärkeren Fokus auf Innovation und Digitalisierung, um neue Marktchancen zu erschließen.

Einfluss auf den Arbeitsmarkt

Die Sparmaßnahmen haben auch direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Rund 44 % der CFOs rechnen in naher Zukunft mit einem Personalabbau. Dies könnte kurzfristig Kosten senken, birgt jedoch langfristig das Risiko, dass qualifiziertes Personal verloren geht, das nach einer Erholung der Wirtschaft schwer zu ersetzen sein könnte.

Ein Beispiel für die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist die Automobilindustrie in Österreich, die aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und des technologischen Wandels ebenfalls vor großen Herausforderungen steht. Unternehmen in dieser Branche müssen nicht nur Kosten senken, sondern auch in die Umschulung ihrer Mitarbeiter investieren, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Risiken und Herausforderungen

Neben der Inflation sehen sich Unternehmen auch mit anderen Risiken konfrontiert, darunter AI-gestützte Cyber-Angriffe, die für 88 % der CFOs ein großes Risiko darstellen. Die zunehmende Regulierung und schwache Konjunkturaussichten verschärfen die Unsicherheiten weiter. Die Risikobereitschaft stagniert, und zwei Drittel der Befragten sehen derzeit keinen guten Zeitpunkt, um Risikopositionen in die Bilanz aufzunehmen.

Die Rolle der Nachhaltigkeit

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen bleibt die Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Allerdings wird die grüne Transformation durch die unzureichende Nachfrage und die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Verbraucher gebremst. 74 % der CFOs sehen die strategische und regulatorische Unsicherheit als größten Hemmschuh.

Die Dekarbonisierung, ein Prozess zur Reduzierung von CO2-Emissionen, wird von vielen als notwendiger Schritt angesehen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die EU-Pläne zur Dekarbonisierung erfordern von Unternehmen Investitionen in neue Technologien und Prozesse, was in der aktuellen wirtschaftlichen Lage eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Ausblick und Prognosen

Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben unsicher. Experten prognostizieren, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter steigen könnte, was zusätzliche Herausforderungen für Unternehmen mit sich bringt. Um in diesem Umfeld erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen flexibel bleiben und ihre Strategien kontinuierlich anpassen.

Langfristig wird erwartet, dass die Unternehmen, die jetzt in Nachhaltigkeit und Digitalisierung investieren, besser aufgestellt sein werden, um von einer wirtschaftlichen Erholung zu profitieren. Die Fähigkeit, sich schnell an veränderte Marktbedingungen anzupassen, wird entscheidend sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Deloitte-Umfrage zeigt deutlich, dass die österreichischen CFOs in einer schwierigen Zeit agieren müssen. Die Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, Inflationsdruck und regulatorischen Herausforderungen erfordert eine sorgfältige Planung und strategische Anpassungen. Unternehmen müssen jetzt die richtigen Weichen stellen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Schlagworte

#CFO Survey#Deloitte#Finanzvorstände#Inflation#Kostensenkung#Österreich#Wirtschaftsklima

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