Expertinnen und Experten diskutieren am 24. Februar 2026 in Wien über Stoffwechsel, Zivilisationskrankheiten und die Zukunft unserer Ernährung
Die Christian Doppler Forschungsgesellschaft lädt zum Zukunftstalk über Ernährungswissenschaft: Von Adipositas bis Eisenmangel – was die Forschung für unsere Gesundheit leisten kann.
Essen gehört zum Menschsein wie das Atmen – und doch wissen wir erstaunlich wenig darüber, was in unserem Körper passiert, wenn wir Nahrung zu uns nehmen. Die Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) nimmt sich dieses Themas nun in einem hochkarätig besetzten Zukunftstalk an. Am 24. Februar 2026 diskutieren führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Wiener APA-Pressezentrum darüber, warum Ernährung mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme – und welche Erkenntnisse die moderne Forschung für unsere Gesundheit bereithält.
Die zentrale Frage des Abends klingt zunächst provokant: Warum sollte man aus etwas, das die Menschheit seit Jahrtausenden praktiziert, plötzlich eine Wissenschaft machen? Die Antwort liegt in den enormen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Mangelerscheinungen betreffen immer mehr Menschen – nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Ein tieferes Verständnis von Stoffwechselprozessen und Nahrungsinhaltsstoffen könnte der Schlüssel sein, um diese Entwicklung umzukehren.
Die Veranstaltung verspricht Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse und konkrete Handlungsoptionen. Dabei geht es nicht nur um individuelle Ernährungsentscheidungen, sondern auch um die Verantwortung von Unternehmen und der Gesellschaft als Ganzes. Sind Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich eine Lösung – oder lenken sie nur von grundlegenderen Problemen ab?
Die CDG hat für diesen Zukunftstalk ein Podium zusammengestellt, das unterschiedliche Perspektiven auf das komplexe Thema Ernährung vereint. Die Diskutierenden bringen jahrelange Forschungserfahrung aus verschiedenen Bereichen mit und können sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Aspekte beleuchten.
Professorin Veronika Somoza leitete bis 2018 das Christian Doppler Labor für Bioaktive Aromastoffe an der Universität Wien. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie Aromastoffe in Lebensmitteln nicht nur den Geschmack beeinflussen, sondern auch biologische Prozesse im Körper auslösen können. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant, wenn es darum geht, Lebensmittel so zu gestalten, dass sie nicht nur schmecken, sondern auch gesundheitsfördernde Eigenschaften haben.
Professor Heinz Zoller von der Medizinischen Universität Innsbruck leitet das bis August 2026 laufende CD-Labor für Eisen- und Phosphatbiologie. Eisenmangel ist eine der häufigsten Mangelerscheinungen weltweit und betrifft besonders Frauen und Kinder. Zollers Forschung liefert wichtige Grundlagen, um zu verstehen, wie der Körper diese essentiellen Mineralstoffe aufnimmt, verarbeitet und speichert. Seine Expertise wird besonders wertvoll sein, wenn es um die Frage geht, wie Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll eingesetzt werden können.
Eva Maria Binder, MSc, bringt als stellvertretende Vorsitzende des CDG-Senats und Managing Director von DSM Austria sowie der Biomin Holding GmbH die wirtschaftliche Perspektive in die Diskussion ein. Als Unternehmenspartnerin mehrerer CD-Labors kennt sie beide Seiten – die Anforderungen der Forschung und die Realitäten des Marktes. Welche Herausforderungen stellen sich für Unternehmen, die gesunde Ernährung fördern wollen? Und wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse in Produkte umsetzen, die tatsächlich beim Konsumenten ankommen?
Professor Julian Weghuber von der FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH rundet das Podium ab. Er leitete bis 2024 das Josef Ressel Zentrum für Phytogene Wirkstoffforschung und wurde mit dem CDG-Preis 2025 ausgezeichnet. Seine Forschung konzentriert sich auf pflanzliche Wirkstoffe – ein Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, da immer mehr Menschen nach natürlichen Alternativen zu synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln suchen.
Der Zukunftstalk wird sich mit einer Reihe von Fragen beschäftigen, die für das tägliche Leben vieler Österreicherinnen und Österreicher unmittelbar relevant sind. Die Zunahme von Übergewicht und Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern erhöht das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes Typ 2 und bestimmte Krebsarten erheblich. Gleichzeitig leiden viele Menschen trotz eines scheinbar üppigen Nahrungsangebots an Mangelerscheinungen – ein Paradoxon, das nach wissenschaftlicher Erklärung verlangt.
Die Frage nach Nahrungsergänzungsmitteln ist dabei besonders kontrovers. Der Markt boomt, doch die wissenschaftliche Evidenz für den Nutzen vieler Produkte ist dünn. Wann sind Supplemente tatsächlich sinnvoll? Und wann handelt es sich um teuren Urin, wie Kritiker oft spotten? Die anwesenden Expertinnen und Experten können hier differenzierte Antworten liefern, die über einfache Pauschalurteile hinausgehen.
Die Christian Doppler Forschungsgesellschaft hat sich seit ihrer Gründung der anwendungsorientierten Grundlagenforschung verschrieben. Die sogenannten CD-Labors und Josef Ressel Zentren bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen – ein Modell, das sich gerade im Ernährungsbereich als besonders fruchtbar erwiesen hat. Denn hier sind die Wege von der Laborbank zum Supermarktregal oft kürzer als in anderen Forschungsbereichen.
Die am Podium vertretenen Labors decken dabei ein breites Spektrum ab: von der Grundlagenforschung zu Stoffwechselprozessen über die Untersuchung bioaktiver Substanzen bis hin zur Entwicklung konkreter Anwendungen. Diese Vielfalt macht den Reiz der Veranstaltung aus und verspricht eine Diskussion, die sowohl in die Tiefe geht als auch praktisch relevant ist.
Ernährung ist längst kein rein privates Thema mehr. Die gesellschaftlichen Kosten von Fehlernährung sind enorm – von den direkten Gesundheitsausgaben über Produktivitätsverluste bis hin zu den psychischen Belastungen, die mit ernährungsbedingten Erkrankungen einhergehen. Gleichzeitig stehen Fragen der Nachhaltigkeit und der globalen Gerechtigkeit im Raum: Wie können wir uns so ernähren, dass es nicht nur uns selbst, sondern auch dem Planeten gut tut?
Der Zukunftstalk wird auch diese größeren Zusammenhänge in den Blick nehmen. Martin Gerzabek, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, wird die Veranstaltung eröffnen und abschließen – und dabei die Bedeutung der Ernährungsforschung für die Zukunft unserer Gesellschaft herausstreichen.
Die Veranstaltung findet am 24. Februar 2026 um 18:30 Uhr im APA-Pressezentrum in der Laimgrubengasse 8-10 im sechsten Wiener Bezirk statt. Die Moderation übernimmt der erfahrene Wissenschaftsjournalist Martin Kugler, der für seine Fähigkeit bekannt ist, komplexe wissenschaftliche Themen verständlich aufzubereiten und kritische Fragen zu stellen.
Wer vor Ort dabei sein möchte, muss sich vorab über die Website der Christian Doppler Forschungsgesellschaft anmelden. Die Plätze sind begrenzt, eine frühzeitige Registrierung wird daher empfohlen. Für alle, die nicht persönlich teilnehmen können, bietet die CDG einen Live-Stream an, der ohne Anmeldung zugänglich ist.
Die CDG ist eine gemeinnützige Einrichtung, die seit Jahrzehnten die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Österreich fördert. In den CD-Labors arbeiten Forscherinnen und Forscher an Universitäten gemeinsam mit Unternehmenspartnern an konkreten Fragestellungen. Die Josef Ressel Zentren bringen dieses erfolgreiche Modell an die Fachhochschulen. Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft sowie durch die beteiligten Unternehmen.
Die Zukunftstalks der CDG haben sich als Format etabliert, das wissenschaftliche Themen für ein breites Publikum zugänglich macht. Die Kombination aus kurzen Inputs und offener Diskussion ermöglicht es, verschiedene Perspektiven zu hören und Fragen direkt an die Expertinnen und Experten zu richten. Der Ernährungs-Talk reiht sich damit in eine Tradition ein, die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm holt und in den gesellschaftlichen Diskurs einbringt.
Für Rückfragen steht Mag. Christiana Griesbeck von der Christian Doppler Forschungsgesellschaft unter der Telefonnummer +43 1 5042205-24 oder per E-Mail zur Verfügung.