ORF-Sendung thematisiert fehlende Herpes-Zoster-Impfstoffe, Kürzungsängste in der Pflege und Digitalisierungshürden
Die ORF-Sendung Bürgeranwalt widmet sich am 27. Dezember brisanten Themen: Impfstoff-Mangel trotz Gratis-Impfung, Sorgen im Pflegebereich und Probleme mit der ID Austria.
Die ORF-Sendung „Bürgeranwalt" mit Peter Resetarits greift am Samstag, dem 27. Dezember 2025, um 18.00 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON mehrere gesellschaftlich relevante Themen auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die mangelnde Verfügbarkeit von Herpes-Zoster-Impfstoffen trotz neu eingeführter Gratis-Impfung, die Sorgen von pflegebedürftigen Menschen vor Kürzungen im Sozialbereich sowie die Herausforderungen der Digitalisierung für ältere Bürgerinnen und Bürger.
Eine der zentralen Geschichten der Sendung dreht sich um ein paradoxes Problem im österreichischen Gesundheitswesen: Seit dem 1. November 2025 ist die Impfung gegen Herpes Zoster, besser bekannt als Gürtelrose, für Personen über 60 Jahren sowie bestimmte Risikogruppen kostenfrei erhältlich. Was eigentlich als großer Fortschritt in der Gesundheitsvorsorge gefeiert wurde, entpuppt sich nun als Quelle der Frustration für viele Betroffene.
Herpes Zoster ist eine Nervenerkrankung, die durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus ausgelöst wird – desselben Virus, das auch Windpocken verursacht. Die Erkrankung geht häufig mit äußerst schmerzhaften Komplikationen einher, die das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigen können. Besonders gefürchtet ist die postherpetische Neuralgie, bei der die Nervenschmerzen noch Monate oder sogar Jahre nach dem Abklingen des Hautausschlags anhalten können.
Der Impfstoff Shingrix, der einen wirksamen Schutz gegen die Erkrankung bietet, war bisher mit rund 500 Euro pro vollständiger Impfserie für viele Menschen schlicht nicht leistbar. Volksanwalt Bernhard Achitz hatte sich daher intensiv für eine kostengünstige beziehungsweise kostenfreie Lösung eingesetzt – mit Erfolg. Doch nun, da die finanzielle Hürde gefallen ist, tritt ein neues Problem zutage: In vielen Arztpraxen ist der begehrte Impfstoff schlichtweg nicht mehr verfügbar.
Die Sendung „Bürgeranwalt" geht den Ursachen für diesen Engpass auf den Grund. Als Gesprächspartnerin wird Katharina Reich, Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit im Sozialministerium, zu Wort kommen. Sie wird erläutern, warum es zu den Lieferschwierigkeiten gekommen ist und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern.
Die Problematik ist nicht nur ärgerlich für jene, die sich nun schützen lassen wollten, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen zur Planung und Organisation von Impfprogrammen in Österreich auf. Wenn eine Gratis-Impfung eingeführt wird, ist mit einem entsprechend höheren Andrang zu rechnen – eine Tatsache, die bei der Beschaffung des Impfstoffs offenbar nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Ein weiterer emotionaler Schwerpunkt der Sendung liegt auf den Sorgen von Menschen, die nach schweren Schicksalsschlägen auf intensive Betreuung angewiesen sind. Ob 24-Stunden-Intensivpflege oder Persönliche Assistenz – für Betroffene und ihre Angehörigen sind angekündigte oder befürchtete Kürzungen im Sozialbereich ein ständiger Begleiter der Unsicherheit.
Besonders problematisch ist dabei die nach wie vor bestehende Ungleichheit zwischen den österreichischen Bundesländern. Je nachdem, wo man lebt, kann es einen erheblichen Unterschied machen, ob die notwendige Hilfe zu Hause finanziert wird oder ob den Betroffenen nur die Option der Heimpflege bleibt. Diese föderale Zersplitterung führt zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Pflege, die mit dem Grundsatz der Gleichbehandlung nur schwer vereinbar ist.
Eine bundesweite Harmonisierung der Richtlinien wurde zwar wiederholt angekündigt, doch die praktische Umsetzung lässt weiterhin auf sich warten. Für Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, bedeutet das anhaltende Ungewissheit und oft auch einen zermürbenden Kampf mit der Bürokratie.
Die Sendung „Bürgeranwalt" wird in diesem Zusammenhang vier besonders berührende Fälle vorstellen. Diese Geschichten zeigen nicht nur die menschlichen Schicksale hinter den Zahlen und Statistiken, sondern auch, welche Wirkung das Öffentlich-Machen von Missständen haben kann. In drei der vier vorgestellten Fälle führte das Engagement der Volksanwaltschaft und die mediale Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einer Lösung – wenn auch teilweise nur zu einer temporären.
Diese Erfolgsgeschichten unterstreichen die wichtige Funktion, die Institutionen wie die Volksanwaltschaft und journalistische Formate wie „Bürgeranwalt" im demokratischen Gefüge Österreichs einnehmen. Sie geben jenen eine Stimme, die sonst nicht gehört würden, und üben öffentlichen Druck auf Behörden und politische Entscheidungsträger aus.
Das dritte große Thema der Sendung widmet sich den Schattenseiten der fortschreitenden Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Das Digitale Amt und die ID Austria, die elektronische Identität für österreichische Bürgerinnen und Bürger, bringen zweifellos viele Verbesserungen mit sich: Behördenwege können von zu Hause aus erledigt werden, Wartezeiten entfallen, und viele Prozesse wurden vereinfacht und beschleunigt.
Doch nicht alle profitieren gleichermaßen von diesen Neuerungen. Besonders ältere Personen sind mit den digitalen Anwendungen häufig überfordert. Was für technikaffine jüngere Generationen selbstverständlich erscheint, stellt für viele Seniorinnen und Senioren eine kaum überwindbare Hürde dar. Die Bedienung von Smartphones und Apps, das Merken von Passwörtern, die Navigation durch komplexe Online-Formulare – all das kann zur echten Herausforderung werden.
Die Folge ist eine schleichende digitale Ausgrenzung eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung. Wenn immer mehr staatliche Dienstleistungen primär oder sogar ausschließlich digital angeboten werden, drohen jene Menschen abgehängt zu werden, die diese Technologien nicht oder nur eingeschränkt nutzen können. Dies betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern auch Personen mit bestimmten Behinderungen oder Menschen in prekären Lebenssituationen ohne Zugang zu entsprechenden Geräten oder stabilem Internet.
„Bürgeranwalt" wird die Schwierigkeiten und Probleme aufzeigen, mit denen Betroffene zu kämpfen haben. Als Verantwortlicher wird Wolfgang Ebner, Sektionschef für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, mit diesen Kritikpunkten konfrontiert. Es wird interessant sein zu hören, welche Maßnahmen geplant sind, um auch weniger technikaffinen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen zu gewährleisten.
Zum Abschluss der Sendung werden alle drei Mitglieder der Volksanwaltschaft gemeinsam im Studio zu Gast sein. Volksanwältin Gaby Schwarz sowie die Volksanwälte Bernhard Achitz und Christoph Luisser werden die wichtigsten Beschwerdefälle des Jahres besprechen und Bilanz ziehen.
Die Volksanwaltschaft ist eine verfassungsmäßig verankerte Einrichtung, die Bürgerinnen und Bürger bei Beschwerden gegen die öffentliche Verwaltung unterstützt. Sie prüft Missstände, vermittelt zwischen Betroffenen und Behörden und kann Empfehlungen aussprechen. Darüber hinaus hat sie eine wichtige präventive Funktion, indem sie den Schutz und die Förderung der Menschenrechte überwacht.
Der gemeinsame Auftritt aller drei Volksanwälte zum Jahresende bietet die Gelegenheit, nicht nur einzelne Fälle zu besprechen, sondern auch systemische Probleme zu identifizieren und Verbesserungsvorschläge für die Zukunft zu formulieren.
Die Sendung „Bürgeranwalt" wird am Samstag, dem 27. Dezember 2025, um 18.00 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt. Zusätzlich ist sie auch über die Streaming-Plattform ORF ON verfügbar, sodass Interessierte sie auch zeitversetzt ansehen können.
Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die selbst von ähnlichen Problemen betroffen sind oder Beschwerden einbringen möchten, bietet die Volksanwaltschaft verschiedene Kontaktmöglichkeiten. Die Sendung „Bürgeranwalt" erfüllt damit nicht nur eine informative Funktion, sondern fungiert auch als Brücke zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und den zuständigen Stellen.