In einer wegweisenden Ankündigung hat das Landwirtschaftsministerium unter der Leitung von Minister Norbert Totschnig beschlossen, den Anteil von Bio-Lebensmitteln in den Kantinen der Bundesministerien erheblich zu erhöhen. Diese Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf die österreichische
In einer wegweisenden Ankündigung hat das Landwirtschaftsministerium unter der Leitung von Minister Norbert Totschnig beschlossen, den Anteil von Bio-Lebensmitteln in den Kantinen der Bundesministerien erheblich zu erhöhen. Diese Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft und die öffentliche Versorgung haben. BIO AUSTRIA, der größte Bio-Verband Europas, begrüßt diesen Schritt und fordert eine flächendeckende Umsetzung des Aktionsplans „Nachhaltige Beschaffung“.
Bio-Lebensmittel sind Produkte, die ohne den Einsatz von synthetischen Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und genetisch veränderten Organismen angebaut werden. Sie stehen für eine nachhaltige Landwirtschaft, die den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der biologischen Vielfalt fördert. Der Vorstoß des Landwirtschaftsministeriums könnte ein bedeutender Schritt hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft sein.
Der Aktionsplan „Nachhaltige Beschaffung“ (naBe) wurde ins Leben gerufen, um den Anteil an Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen zu erhöhen. Seit 2023 sollen mindestens 25 Prozent der eingekauften Lebensmittel in Bio-Qualität sein. Bis 2025 soll dieser Anteil auf 30 Prozent steigen und bis 2030 auf 55 Prozent ansteigen.
Barbara Riegler, Obfrau von BIO AUSTRIA, betont: „Die Realität zeigt leider, dass die im Aktionsplan festgelegten Bio-Quoten in den allermeisten Bundeseinrichtungen noch nicht erreicht werden.“ Sie fordert eine verbindliche und überprüfbare Umsetzung in allen öffentlichen Einrichtungen des Bundes.
Österreichs Biobäuerinnen und Biobauern benötigen verlässliche Absatzmärkte, um ihre nachhaltigen Produkte erfolgreich abzusetzen. Die Umsetzung der Bio-Quoten im naBe-Aktionsplan bietet ihnen diese Planungssicherheit. Die öffentliche Verpflegung ist ein bedeutender Hebel, um die heimische Bio-Landwirtschaft zu stärken und die bio-regionalen Wertschöpfungsketten zu fördern.
Ein Blick nach Dänemark zeigt, dass eine verpflichtende Bio-Zertifizierung in öffentlichen Küchen erfolgreich sein kann. Dort liegt der Bio-Anteil in öffentlichen Küchen bei durchschnittlich 85 Prozent, teilweise sogar über 90 Prozent. Diese verpflichtende Zertifizierung hat den entscheidenden Unterschied gemacht, wie Barbara Holzer vom Verband Enkeltaugliches Österreich erklärt.
„Eine verpflichtende Zertifizierung hat den entscheidenden Unterschied gemacht. Wir setzen uns dafür ein, denn so sichern wir nicht nur gesundes, bioregionales Essen in Österreichs öffentlichen Einrichtungen, sondern stärken unsere biologische Landwirtschaft und sparen gleichzeitig enorme Folgekosten für die Steuerzahler“, erklärt Holzer.
In Österreich werden täglich über 2 Millionen Mahlzeiten in der Außer-Haus-Verpflegung ausgegeben. Die öffentliche Beschaffung ist somit eine zentrale Stellschraube für den Ausbau der heimischen Bio-Landwirtschaft. Riegler betont: „Unsere heimischen Biobäuerinnen und Biobauern brauchen verlässliche Absatzmöglichkeiten. Die im Aktionsplan festgelegten Bio-Quoten bieten genau diese Planungssicherheit: aber nur, wenn sie auch tatsächlich eingehalten werden.“
„Das 55-Prozent-Ziel für Bio in der Gemeinschaftsverpflegung bis 2030 ist nicht nur ein politisches Versprechen, sondern ein notwendiger Schritt für Klimaschutz, Tierwohl und die Förderung der regionalen Landwirtschaft“, fasst Riegler zusammen.
Die Umsetzung dieser Maßnahmen könnte Österreich zum Vorreiter in Sachen nachhaltiger öffentlicher Beschaffung machen. Die Vorteile sind vielfältig: Verbesserung der Umweltbilanz, Förderung der heimischen Landwirtschaft und Sicherstellung gesunder Ernährung in öffentlichen Einrichtungen.
Die Herausforderung besteht darin, die politischen Entscheidungsträger davon zu überzeugen, die notwendigen Schritte zur Erreichung dieses Ziels konsequent zu setzen. Die Erfahrungen aus Dänemark und anderen Ländern zeigen, dass es möglich ist, hohe Bio-Quoten in der öffentlichen Verpflegung zu erreichen, wenn der politische Wille vorhanden ist.
„Wir appellieren an alle politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die Bedeutung von Bio in der Gemeinschaftsverpflegung anzuerkennen und die notwendigen Schritte zur Erreichung dieses Ziels konsequent zu setzen“, so Riegler abschließend.
Der Vorstoß des BMLUK, den Bezug von Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Kantinen flächendeckend umzusetzen, könnte ein Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft sein. Die Umsetzung der Bio-Quoten des naBe-Aktionsplans ist von entscheidender Bedeutung, um die heimische Bio-Landwirtschaft zu stärken und die Umweltbelastung zu reduzieren. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Österreich diese Herausforderung erfolgreich meistern kann.