Es ist ein Thema, das viele Eltern in Wien beunruhigt: Die Zahl der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Volksschulen der Stadt bleibt auch im Schuljahr 2025/26 auf einem alarmierend hohen Niveau. Diese Entwicklung wirft nicht nur Fragen über die Effektivität der derzeitige
Es ist ein Thema, das viele Eltern in Wien beunruhigt: Die Zahl der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Volksschulen der Stadt bleibt auch im Schuljahr 2025/26 auf einem alarmierend hohen Niveau. Diese Entwicklung wirft nicht nur Fragen über die Effektivität der derzeitigen Bildungspolitik auf, sondern auch über die Zukunftschancen der betroffenen Kinder.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Während im Jahr 2020 noch 9.707 Kinder als außerordentliche Schüler in den Wiener Volksschulen geführt wurden, ist diese Zahl bis 2025 auf 15.650 gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 61 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren. Diese Entwicklung ist alarmierend und wirft die Frage auf, wie es zu diesem dramatischen Anstieg kommen konnte.
Der Begriff 'außerordentlicher Schüler' bezieht sich auf Kinder, die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht dem regulären Unterricht folgen können. Sie nehmen am Schulalltag teil, erhalten jedoch spezielle Fördermaßnahmen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Diese Einstufung soll ihnen helfen, so schnell wie möglich in den regulären Unterricht integriert zu werden.
Laut dem Bildungssprecher der Wiener Volkspartei, Harald Zierfuß, zeigt sich hier die Wirkung des von der Bundesregierung durchgesetzten Stopps der Familienzusammenführung. Doch dies allein erklärt nicht die gesamte Situation. Vielmehr gibt es in Wien eine massive Baustelle im Bereich der Deutschförderung in Kindergärten.
Die rot-pinke Stadtregierung, bestehend aus SPÖ und Neos, steht in der Kritik, weil sie es in den vergangenen fünf Jahren nicht geschafft hat, effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Deutschförderung in den Kindergärten zu ergreifen. Ein fehlender Stufenplan zur Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels und die stagnierende Zahl der Sprachförderkräfte sind nur einige der Versäumnisse, die Zierfuß anprangert.
Ein Blick über die Grenzen Wiens hinaus zeigt, dass andere Bundesländer wie Niederösterreich oder Oberösterreich bereits frühzeitig auf verpflichtende Sprachstandserhebungen und gezielte Förderprogramme gesetzt haben. Diese Maßnahmen haben dort zu einer stabileren Entwicklung der Schülerzahlen geführt.
Die steigende Zahl außerordentlicher Schüler hat weitreichende Konsequenzen, nicht nur für die betroffenen Kinder und ihre Familien, sondern auch für das gesamte Bildungssystem und die Gesellschaft. Kinder, die nicht ausreichend gefördert werden, haben schlechtere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg und damit auch auf eine spätere berufliche Karriere. Langfristig könnte dies zu einer höheren Abhängigkeit von sozialen Sicherungssystemen führen.
Ein Bildungsexperte erklärt: "Die frühe Förderung von Sprachkenntnissen ist entscheidend für den späteren Bildungserfolg. Wenn hier nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, drohen langfristige Nachteile für die betroffenen Kinder und die Gesellschaft insgesamt."
Die Wiener Volkspartei hat klare Forderungen aufgestellt, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören eine verpflichtende Sprachstandserhebung für alle dreijährigen Kinder und ein verpflichtender Kindergartenbesuch mit intensiver Deutschförderung für Kinder mit Förderbedarf. Zudem soll das gesamte Kindergartenpersonal ein Sprachniveau von C1 vorweisen können, um eine qualitativ hochwertige Förderung sicherzustellen.
Ein weiterer Vorschlag ist die Kopplung der Kindergartenförderung an die Qualität der Deutschförderung. Dies könnte Anreize schaffen, die Förderung zu verbessern und so die Zahl der außerordentlichen Schüler langfristig zu senken.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Stadtregierung die Herausforderungen im Bildungsbereich ernst nimmt und die notwendigen Maßnahmen ergreift. Ohne tiefgreifende Reformen droht Wien, weiter hinter anderen Bundesländern zurückzufallen.
Die Diskussion um die Bildungspolitik in Wien wird sicherlich weitergehen. Für viele Eltern ist klar: Die Zukunft ihrer Kinder darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkennen und handeln, bevor es zu spät ist.