Die Universität für Bodenkultur Wien hat eine Studie veröffentlicht, die die Welt der Baumaterialien in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Eine Welt, in der Beton und Kupfer nicht nur Baustoffe, sondern auch Indikatoren für Wohlstand und Krisenresistenz sind. Was bedeutet das für uns, die wi
Die Universität für Bodenkultur Wien hat eine Studie veröffentlicht, die die Welt der Baumaterialien in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Eine Welt, in der Beton und Kupfer nicht nur Baustoffe, sondern auch Indikatoren für Wohlstand und Krisenresistenz sind. Was bedeutet das für uns, die wir in einer zunehmend instabilen Welt leben?
Die Forschung, die im renommierten Journal of Industrial Ecology veröffentlicht wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verteilung von Baumaterialien weltweit zu kartieren. Dabei wurden Gebäude auf der ganzen Welt untersucht, um herauszufinden, wo diese Materialien konzentriert sind und wie sie verteilt sind. Die Ergebnisse sind verblüffend: Während in reichen Ländern über 300 Tonnen Material pro Kopf in Gebäuden stecken, sind es in den ärmsten Ländern weniger als 10 Tonnen. Diese Ungleichheit zeigt, wie unterschiedlich die Welt auf Krisen reagieren kann.
Baumaterialien sind die physischen Stoffe, die zum Bau von Gebäuden verwendet werden. Dazu gehören Beton, Stahl, Holz, Glas und viele andere. Diese Materialien sind nicht nur für die Struktur eines Gebäudes wichtig, sondern auch für dessen Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit.
Globale Krisen wie Kriege, Pandemien und der Klimawandel stören zunehmend internationale Lieferketten. Dies hat massive Auswirkungen auf die Energieversorgung, Ernährung und das Wohnen. Das Forschungsprojekt REMASS (Resilienz und Formbarkeit des sozialen Stoffwechsels) der BOKU untersucht, wie widerstandsfähig Gesellschaften gegenüber solchen Störungen sind. Die Ergebnisse sollen helfen, Wohnen und Ressourcennutzung nachhaltiger und gerechter zu gestalten.
REMASS steht für die Resilienz und Formbarkeit des sozialen Stoffwechsels. Es ist ein Forschungsprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie widerstandsfähig Gesellschaften gegenüber globalen Krisen sind. Das Ziel ist es, Wege zu finden, um den Umgang mit Ressourcen nachhaltiger zu gestalten.
Die Studie zeigt, dass weltweit rund 547 Gigatonnen Material in Gebäuden verbaut sind. Das entspricht etwa der Hälfte aller menschengemachten Materialvorräte. Im Durchschnitt sind das 72 Tonnen pro Person. Diese Zahlen verdeutlichen die massive Menge an Ressourcen, die in der gebauten Umwelt steckt.
Die globale Karte unterscheidet 18 Materialtypen, von Beton bis Kupfer, in fünf Gebäudekategorien. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die unterschiedlichen Eigenschaften und Verwendungen der Materialien zu verstehen. Beton zum Beispiel ist ein sehr energieintensives Material, das jedoch durch seine Stabilität und Langlebigkeit besticht.
Länder mit hohem Einkommen verfügen pro Kopf über mehr als das Sechsfache an Baumaterialien wie einkommensschwache Länder. Diese Ungleichheit ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie weit wir von gleichwertigen Lebensbedingungen entfernt sind. Diese Disparitäten haben weitreichende Konsequenzen für die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften gegenüber Krisen.
Die ungleiche Verteilung von Baumaterialien hat direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen. In Ländern mit geringer Materialverfügbarkeit sind Gebäude oft weniger stabil und sicher, was sie anfälliger für Naturkatastrophen und andere Krisen macht. Dies wiederum kann zu einem Teufelskreis der Armut führen.
Im Rahmen von REMASS werden verschiedene Fallstudien zum nachhaltigen Wohnen und zur Ressourcennutzung durchgeführt. Diese Studien sollen herausfinden, welche Wohnformen widerstandsfähiger gegenüber Krisen sind und wie sich energieintensive Baustoffe durch erneuerbare Rohstoffe ersetzen lassen.
Die Forschungsergebnisse der BOKU zeigen, dass es dringend notwendig ist, die Art und Weise, wie wir Baumaterialien nutzen, zu überdenken. Die Zukunft der Baumaterialien liegt in der Nutzung erneuerbarer Ressourcen und der Entwicklung neuer Technologien, die weniger ressourcenintensiv sind.
Experten sind sich einig, dass die Zukunft der Baumaterialien in der Nachhaltigkeit liegt. Die Entwicklung neuer Materialien, die weniger Energie verbrauchen und umweltfreundlicher sind, ist entscheidend für die Schaffung einer nachhaltigeren Welt.
Die Studie der Universität für Bodenkultur Wien hat gezeigt, dass Baumaterialien mehr als nur physische Stoffe sind. Sie sind Indikatoren für Wohlstand, Resilienz und soziale Gerechtigkeit. Die Herausforderung besteht darin, diese Ressourcen so zu nutzen, dass sie zur Schaffung einer gerechteren und nachhaltigeren Welt beitragen.
Weitere Informationen und Grafiken zum Projekt REMASS sowie zu über 30 weiteren Projekten von BOKU-Forschern rund ums nachhaltige Bauen finden Sie auf der Website Grüne Zukunft bauen.