Am 2. Februar 2026 hat SOS Mitmensch, eine renommierte Menschenrechtsorganisation in Österreich, eine formelle Beschwerde beim Presserat gegen die Kronenzeitung eingereicht. Der Vorwurf: Der Artikel der Krone sei manipulativ und hetzerisch gegenüber Spitalspatienten ohne österreichische Staatsbürger
Am 2. Februar 2026 hat SOS Mitmensch, eine renommierte Menschenrechtsorganisation in Österreich, eine formelle Beschwerde beim Presserat gegen die Kronenzeitung eingereicht. Der Vorwurf: Der Artikel der Krone sei manipulativ und hetzerisch gegenüber Spitalspatienten ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Diese Entwicklung wirft ein scharfes Licht auf die Rolle der Medien in der politischen Landschaft Österreichs und die Verantwortung, die sie gegenüber der Gesellschaft tragen.
Der Stein des Anstoßes war ein Artikel der Kronenzeitung vom 25. Jänner 2026, der auf eine parlamentarische Anfrage der FPÖ Bezug nahm. Laut dieser Anfrage gab es innerhalb von zehn Jahren knapp 22 Millionen Spitalsleistungen für Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Die Kronenzeitung und die FPÖ verschwiegen jedoch, dass diese Leistungen nur 2,75 Prozent der insgesamt über 800 Millionen erbrachten Spitalsleistungen ausmachten. Dies ist im Vergleich zur Bevölkerungszahl von 4,8 Prozent dieser Personengruppe ein unterdurchschnittlicher Wert.
Der Begriff Manipulation beschreibt in der Medienwelt die gezielte Beeinflussung von Informationen, um eine bestimmte Meinung zu fördern. In diesem Fall wird der Kronenzeitung vorgeworfen, durch selektive Darstellung von Fakten eine negative Stimmung gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu erzeugen. Hetze hingegen bezeichnet die Aufstachelung zu Hass oder Gewalt gegen Personen oder Gruppen, oft durch irreführende oder falsche Informationen.
Die Beziehung zwischen Medien und politischen Parteien in Österreich ist historisch komplex. Zeitungen wie die Kronenzeitung haben traditionell großen Einfluss auf die öffentliche Meinung. In den letzten Jahren ist jedoch eine zunehmende Politisierung und Radikalisierung in der Berichterstattung zu beobachten, insbesondere in Bezug auf Migrationsthemen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Berichterstattung über das Gesundheitssystem wider, wo oft ausländische Patienten als Belastung dargestellt werden, obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen.
In Deutschland und der Schweiz gibt es ähnliche Debatten über die Rolle der Medien und ihre Verantwortung. Während in Deutschland der Presserat regelmäßig Beschwerden über unsachliche Berichterstattung behandelt, ist in der Schweiz die Medienlandschaft stärker durch die Vielfalt der Kantone geprägt, was zu einer breiteren Berichterstattung führt. Österreich steht hier vor der Herausforderung, die Balance zwischen Meinungsfreiheit und verantwortungsvoller Berichterstattung zu finden.
Die Berichterstattung der Kronenzeitung hat konkrete Auswirkungen auf das gesellschaftliche Klima in Österreich. Durch die Etablierung von Vorurteilen gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen wird das gesellschaftliche Zusammenleben belastet. Ein Beispiel hierfür ist die Stigmatisierung von Patienten ohne österreichische Staatsbürgerschaft, die in der öffentlichen Wahrnehmung fälschlicherweise als Hauptverursacher von Engpässen im Gesundheitssystem dargestellt werden. Tatsächlich zeigen Studien, dass diese Gruppe das System weniger in Anspruch nimmt als ihr Bevölkerungsanteil vermuten lässt.
Die Langzeitbeobachtung des Complexity Science Hubs zeigt, dass der Anteil der Spitalsleistungen für nichtösterreichische Staatsbürger bei nur 2,75 Prozent liegt, während ihr Bevölkerungsanteil 4,8 Prozent beträgt. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass die Vorwürfe der Überlastung durch ausländische Patienten unbegründet sind. Solche Tatsachen werden jedoch in der öffentlichen Diskussion oft ignoriert oder verzerrt dargestellt.
Die Beschwerde von SOS Mitmensch könnte ein Wendepunkt im Umgang mit manipulativer Berichterstattung in Österreich sein. Der Presserat steht vor der Aufgabe, klare Standards zu setzen und die Medien an ihre Verantwortung zu erinnern. Langfristig könnte dies zu einer differenzierteren Berichterstattung führen, die auf Fakten basiert und Vorurteile abbaut. Für die Bürger bedeutet dies eine informiertere und ausgewogenere öffentliche Debatte.
Die Beschwerde von SOS Mitmensch gegen die Kronenzeitung ist ein wichtiger Schritt, um die Medienverantwortung in Österreich zu stärken. Es bleibt abzuwarten, wie der Presserat reagiert und welche Auswirkungen dies auf die Medienlandschaft haben wird. Für die Leser ist es entscheidend, kritisch mit Informationen umzugehen und sich aus verschiedenen Quellen zu informieren. Nur so kann eine fundierte Meinungsbildung stattfinden.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website von SOS Mitmensch.