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BDO Austria setzt neue Maßstäbe: Netto-Null bis 2050 trotz Regulierungswandel

25. März 2026 um 13:31
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Während viele österreichische Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die Bremse treten, geht BDO Austria den umgekehrten Weg. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen mit über 1.200...

Während viele österreichische Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die Bremse treten, geht BDO Austria den umgekehrten Weg. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen mit über 1.200 Beschäftigten hält bewusst an den strengen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) fest – obwohl es dazu gar nicht mehr verpflichtet wäre. Mit dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2024/25 demonstriert das Unternehmen, wie freiwillige Transparenz zum Wettbewerbsvorteil werden kann.

Wissenschaftsbasierte Klimaziele als Goldstandard

Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist eine internationale Organisation, die Unternehmen dabei unterstützt, wissenschaftlich fundierte Klimaziele zu setzen. Diese Initiative wurde 2015 als Kooperation zwischen CDP, dem UN Global Compact, dem World Resources Institute und dem WWF gegründet. SBTi-validierte Ziele gelten als Goldstandard in der Klimaschutzstrategie, da sie sicherstellen, dass Unternehmensemissionen im Einklang mit dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Klimaabkommens reduziert werden. Für Unternehmen bedeutet eine SBTi-Validierung nicht nur externe Glaubwürdigkeit, sondern auch konkrete Vorgaben für Emissionsreduktionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

BDO Austria hat 2025 genau diese prestigeträchtige Validierung erhalten. Das Unternehmen verpflichtet sich damit, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Bereits bis zum Geschäftsjahr 2029/30 sollen die absoluten Emissionen in allen drei Scope-Kategorien jeweils um 42 Prozent sinken. Scope 1 umfasst dabei direkte Emissionen aus eigenen Quellen wie Heizung und Firmenfahrzeuge, Scope 2 bezieht sich auf eingekaufte Energie, während Scope 3 alle indirekten Emissionen entlang der Lieferkette und durch Geschäftstätigkeiten erfasst.

Dekarbonisierung statt Kompensation

Besonders bemerkenswert ist BDOs Ansatz bei den verbleibenden Emissionen. Anstatt diese durch Zertifikatekäufe zu kompensieren – eine Praxis, die zunehmend kritisch hinterfragt wird – setzt das Unternehmen auf echte Reduktion. "Bis 2050 ist eine Reduktion um 90 Prozent geplant", heißt es im Nachhaltigkeitsbericht. Diese Strategie entspricht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach Kompensation nur als letztes Mittel für unvermeidbare Restemissionen eingesetzt werden sollte.

Österreichs Nachhaltigkeitslandschaft im Wandel

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) wurden als Teil der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union entwickelt und gelten seit 2024 für große kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen. Diese Standards revolutionieren die Nachhaltigkeitsberichterstattung, indem sie detaillierte Offenlegungspflichten zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) vorschreiben. Unternehmen müssen nicht nur über ihre Nachhaltigkeitsleistung berichten, sondern auch doppelte Wesentlichkeit berücksichtigen – sowohl die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Risiken und Chancen durch Nachhaltigkeitsthemen.

In Österreich sind derzeit rund 2.000 Unternehmen von der CSRD-Berichtspflicht betroffen. BDO Austria gehört aufgrund seiner Größe und Rechtsform nicht zu den unmittelbar verpflichteten Unternehmen, berichtet aber dennoch freiwillig nach ESRS. "Wir haben uns bewusst entschieden, unseren Nachhaltigkeitsbericht weiterhin freiwillig am ESRS-Rahmenwerk auszurichten", erklärt Peter Bartos, Partner und Geschäftsführer bei BDO. Diese Entscheidung ist strategisch klug: Während andere Unternehmen die regulatorische Unsicherheit als Ausrede nutzen, positioniert sich BDO als Vorreiter.

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

Im deutschsprachigen Raum zeigt sich ein gemischtes Bild bei der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung. In Deutschland setzen vor allem börsennotierte Unternehmen und Großkonzerne auf umfassende ESG-Berichterstattung, während mittelständische Beratungsunternehmen oft zurückhaltender agieren. Die Schweiz hingegen hat mit ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie bereits früh Anreize für freiwillige Berichterstattung geschaffen. BDO Austria bewegt sich damit auf dem Niveau der ambitioniertesten Unternehmen der DACH-Region.

Arbeitsplatzqualität in der Beratungsbranche

Mit über 1.200 Beschäftigten zählt BDO Austria zu den größeren Arbeitgebern in der österreichischen Beratungs- und Prüfungsbranche. Die Mitarbeiterbefragung 2024/25 offenbart typische Herausforderungen der Branche: Zeitdruck und hohe Arbeitsbelastung prägen den Alltag vieler Beschäftigter. Diese Problematik ist nicht BDO-spezifisch, sondern charakteristisch für die gesamte Prüfungs- und Beratungsbranche, in der projektbasierte Arbeit und strenge Deadlines den Rhythmus bestimmen.

Gleichzeitig zeigt die Befragung hohe Zufriedenheit mit der Teamarbeit und der direkten Führung. BDO leitet aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen ab: bessere Planbarkeit von Spitzenzeiten, erweiterte Gesundheits- und Präventionsangebote sowie flexible Arbeitsmodelle. Für österreichische Arbeitnehmer in der Beratungsbranche könnte dies wegweisend sein, da viele Unternehmen ähnliche Herausforderungen haben, aber nicht alle so systematisch damit umgehen.

Gesellschaftliches Engagement als Unternehmensstrategie

5.000 Stunden bezahlter Arbeitszeit für Freiwilligenprojekte – diese Zahl verdeutlicht BDOs Ansatz, gesellschaftliche Verantwortung nicht nur zu predigen, sondern zu leben. Die Kooperation mit dem peppa Zentrum für Mädchen und junge Frauen der Caritas Wien sowie Bildungsprojekte mit Acker Österreich zeigen die Bandbreite des Engagements. Acker Österreich ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 2017 Bildungsprogramme für nachhaltige Ernährung und Umweltbewusstsein entwickelt. Das Programm "GemüseAckerdemie" bringt Kindern und Jugendlichen den Anbau von Gemüse näher und schafft Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung.

Diversität als Wirtschaftsfaktor

Das Netzwerk Women@BDO adressiert eine zentrale Herausforderung der Beratungsbranche: den geringen Frauenanteil in Führungspositionen. In Österreichs Beratungs- und Prüfungsunternehmen sind Frauen in den oberen Hierarchieebenen nach wie vor unterrepräsentiert. Das liegt teilweise an den traditionell männlich geprägten Strukturen der Branche, aber auch an fehlenden Karriereentwicklungsmöglichkeiten und Work-Life-Balance-Angeboten.

Women@BDO bietet eine Plattform für Austausch, Vernetzung und Karriereentwicklung über alle Hierarchieebenen und Bereiche hinweg. Ziel ist es, strukturelle Hürden abzubauen und Frauen auf allen Karrierestufen sichtbarer zu machen. Für die österreichische Wirtschaft ist dies relevant, da Studien zeigen, dass diverse Teams bessere Geschäftsergebnisse erzielen und innovativer sind.

Auswirkungen auf Kunden und Marktpositionierung

BDOs Nachhaltigkeitsstrategie hat direkte Auswirkungen auf die Kundenbeziehungen. Immer mehr österreichische Unternehmen suchen Beratungspartner, die selbst glaubwürdige Nachhaltigkeitserfahrungen vorweisen können. Wer als Berater ESG-Strategien entwickeln oder Nachhaltigkeitsberichte erstellen soll, muss diese Kompetenz auch im eigenen Unternehmen demonstrieren können.

Für österreichische Unternehmen, die vor der Einführung eigener Nachhaltigkeitsstrategien stehen, bietet BDO damit einen authentischen Partner. Die SBTi-Validierung und die ESRS-konforme Berichterstattung schaffen Vertrauen und Expertise, die in Beratungsprojekten direkt nutzbar sind. Dies könnte BDO Austria einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten verschaffen, die Nachhaltigkeit nur oberflächlich behandeln.

Regulatorische Entwicklungen und Markttrends

Die österreichische Nachhaltigkeitslandschaft verändert sich rasant. Mit der schrittweisen Einführung der CSRD werden bis 2028 auch deutlich kleinere Unternehmen berichtspflichtig. Gleichzeitig entwickelt die EU-Taxonomie-Verordnung klare Kriterien für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Unternehmen wie BDO, die bereits jetzt hohe Standards setzen, werden von diesen Entwicklungen profitieren, weil sie die nötige Expertise und Erfahrung haben.

Herausforderungen und kritische Betrachtung

Trotz aller positiven Aspekte bleiben Herausforderungen bestehen. Die Beratungsbranche ist per se emissionsintensiv – Geschäftsreisen, intensive Reisetätigkeit zu Kunden und der hohe Energieverbrauch in Bürogebäuden machen die 42-prozentige Emissionsreduktion bis 2029/30 zu einem ambitionierten Ziel. BDO wird beweisen müssen, dass sich diese Ziele mit dem Geschäftsmodell einer wachsenden Beratungsgesellschaft vereinbaren lassen.

Auch die Work-Life-Balance bleibt eine Dauerbaustelle. Die Mitarbeiterbefragung zeigt zwar hohe Zufriedenheit, aber auch anhaltende Probleme mit Zeitdruck und Arbeitsbelastung. Hier wird sich zeigen müssen, ob die angekündigten Maßnahmen greifen oder ob strukturelle Probleme der Branche schwerer wiegen als individuelle Unternehmensanstrengungen.

Zukunftsperspektiven für österreichische Unternehmen

BDOs Strategie könnte Signalwirkung für andere österreichische Dienstleistungsunternehmen haben. Wer heute freiwillig hohe Standards setzt, positioniert sich für eine Zukunft, in der Nachhaltigkeit zum Pflichtprogramm wird. Die Erfahrung mit ESRS-Berichterstattung, wissenschaftsbasierten Klimazielen und systematischem ESG-Management wird in den kommenden Jahren zu einem Wettbewerbsvorteil werden.

Gleichzeitig zeigt BDO, dass Nachhaltigkeit nicht nur Kostenfaktor ist, sondern auch Chancen schafft: für Mitarbeitermotivation, Kundenbindung und Marktpositionierung. Die 5.000 Stunden für gesellschaftliches Engagement stärken nicht nur das Unternehmensimage, sondern auch die Mitarbeiterbindung und die Attraktivität als Arbeitgeber.

Für Österreichs Wirtschaftsstandort bedeutet dies, dass sich nachhaltige Geschäftspraktiken nicht nur aus ethischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen durchsetzen werden. Unternehmen wie BDO Austria zeigen den Weg vor – andere werden folgen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Frage ist nicht mehr, ob Nachhaltigkeit kommt, sondern wer die Entwicklung aktiv mitgestaltet und wer nur reagiert.

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