In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer mehr an Bedeutung gewinnen, setzt die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) ein beeindruckendes Zeichen. Mit ihrem neuesten Projekt, KRAISBAU, stellt sich die BOKU der Herausforderung, Bauabfälle nicht nur zu recyceln, sondern sie direkt
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer mehr an Bedeutung gewinnen, setzt die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) ein beeindruckendes Zeichen. Mit ihrem neuesten Projekt, KRAISBAU, stellt sich die BOKU der Herausforderung, Bauabfälle nicht nur zu recyceln, sondern sie direkt wiederzuverwenden. Ein ambitioniertes Vorhaben, das die Bauindustrie revolutionieren könnte.
Jährlich fallen weltweit Millionen Tonnen von Bauabfällen an. Diese Abfälle entstehen durch den Abriss alter Gebäude und die Errichtung neuer Strukturen. Traditionell landen diese Materialien auf Deponien oder werden in Recyclinganlagen verarbeitet. Doch was wäre, wenn diese Materialien direkt wiederverwendet werden könnten? Genau dieser Frage widmet sich das BOKU-Forschungsteam unter der Leitung von Benjamin Kromoser.
„Wiederverwendung wird sich nur dann flächendeckend durchsetzen, wenn sie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig ist“, erklärt Kromoser. Das Ziel ist es, ein Framework zu entwickeln, das präzise erfasst, welche Bauteile sich für eine Wiederverwendung eignen – und unter welchen Bedingungen dies sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.
Das Projekt KRAISBAU zielt darauf ab, die Grundlagen für eine Standardisierung des Wiederverwendungsprozesses zu erarbeiten. Dies bedeutet, dass Bauteilen ein zweites Leben ermöglicht wird, was den ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen deutlich reduzieren könnte. Ein besonderes Augenmerk legen die Forscher auf die Tragstruktur von Gebäuden, die einen der größten Materialanteile ausmacht und somit ein enormes Potenzial für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft bietet.
Künstliche Intelligenz (KI) soll eine zentrale Rolle im Projekt spielen. Sie wird eingesetzt, um unvollständige Datensätze zu ergänzen und die Analyse weiter zu präzisieren. Dies ist entscheidend, um den Zustand bestehender Bauwerke genau zu erfassen und die Wiederverwendbarkeit der Materialien zu bewerten.
Das Forschungsteam widmet sich drei zentralen Fragen: Welche Bauteile und Materialien eignen sich für die Wiederverwendung? Wie verändert sich ihr Zustand im Laufe der Zeit? Und wann stehen sie in ausreichend guter Qualität erneut zur Verfügung? Um diese Fragen zu beantworten, entwickelt das Team ein automatisiertes Verfahren zur Gebäudeaufnahme, das neben Geometrie und Materialeigenschaften insbesondere den Zustand bestehender Bauwerke erfasst.
Die erfassten Daten werden anschließend in einem mehrstufigen digitalen Analyseprozess ausgewertet. Ziel ist der Aufbau einer strukturierten Datenbankarchitektur auf Basis des IFC-Standards, die Bauteile systematisch und in mehreren Dimensionen erfassbar macht.
Im Labor des Instituts werden Techniken und Methoden, die zur Wiederverwendung von Bauteilen beitragen können, praxisnah erprobt. Von der Druckprüfung alter Vollziegel bis hin zur Integration dieser Materialien in neue, kreislauffähige Bauteile. Parallel dazu arbeitet das Forschungsteam daran, Planungsgrundsätze für die Kreislauffähigkeit von Gebäudebauteilen zu quantifizieren. Ziel ist es, künftig fundierte Entscheidungen zwischen Wiederverwendung, Recycling und Sanierung treffen zu können.
Die gewonnenen Erkenntnisse zu Materialwerten, Aufbereitungsaufwand und Wiederverwendungspotenzial fließen in eine eigens entwickelte „Matrix zur Wiederverwendbarkeit“ ein. Damit schafft das Team eine methodische Grundlage für eine neue Baupraxis, die ressourcenschonend, zukunftsorientiert und digital anschlussfähig ist.
Die BOKU ist überzeugt, dass die Wiederverwendung von Bauteilen in der Bauindustrie eine zentrale Rolle in der Zukunft spielen wird. „Wir wissen heute sehr genau, was es braucht, damit Wiederverwendung gelingen kann. Was noch fehlt, ist der Weg in die breite Umsetzung“, betont Kromoser.
Das Projekt KRAISBAU wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) gefördert. Diese Unterstützung zeigt, wie wichtig der österreichischen Regierung nachhaltige Baupraktiken sind.
Für den normalen Bürger bedeutet dies, dass zukünftige Bauprojekte umweltfreundlicher und nachhaltiger werden könnten. Die Wiederverwendung von Bauteilen könnte dazu führen, dass Baukosten gesenkt und die Umweltbelastung reduziert werden. Dies könnte auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Bauindustrie führen, da neue Techniken und Verfahren entwickelt und angewendet werden müssen.
In anderen Bundesländern und Ländern könnte das Projekt KRAISBAU als Vorbild dienen. Wenn die BOKU erfolgreich ist, könnten ähnliche Projekte weltweit umgesetzt werden, was zu einer globalen Reduzierung von Bauabfällen führen könnte.
Die Universität für Bodenkultur Wien setzt mit ihrem Projekt KRAISBAU ein starkes Zeichen für die Zukunft der Bauindustrie. Durch die Wiederverwendung von Bauabfällen könnten nicht nur Umweltauswirkungen reduziert, sondern auch wirtschaftliche Vorteile erzielt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Projekt entwickelt und welche Auswirkungen es auf die Bauindustrie und die Gesellschaft als Ganzes haben wird.
Weitere Informationen zum Projekt KRAISBAU und anderen nachhaltigen Bauprojekten der BOKU finden Sie auf der Website „Grüne Zukunft bauen“: Grüne Zukunft bauen.