Am 15. Dezember 2025 haben die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) ihre strategischen Schwerpunkte für die Bankenaufsicht im Jahr 2026 bekanntgegeben. Diese Ankündigung ist von großer Bedeutung für Österreichs Finanzsektor, der sich in einem dynamischen Umf
Am 15. Dezember 2025 haben die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) ihre strategischen Schwerpunkte für die Bankenaufsicht im Jahr 2026 bekanntgegeben. Diese Ankündigung ist von großer Bedeutung für Österreichs Finanzsektor, der sich in einem dynamischen Umfeld von geopolitischen Unsicherheiten und technologischen Umbrüchen befindet. Die Festlegung dieser Prioritäten zielt darauf ab, die Stabilität und Sicherheit des Bankensystems zu gewährleisten und gleichzeitig neue Herausforderungen proaktiv anzugehen.
Die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Bankensektors, ist ein zentrales Thema. In den letzten Jahren wurde viel unternommen, um die Kapitalausstattung der Banken zu verbessern und die Quoten notleidender Kredite (NPL-Quoten) zu reduzieren. Notleidende Kredite sind solche, bei denen der Schuldner Schwierigkeiten hat, die vereinbarten Zahlungen zu leisten. Eine hohe NPL-Quote kann die Stabilität eines Finanzinstituts gefährden, weshalb die OeNB und FMA verstärkt auf Monitoring und Vor-Ort-Prüfungen setzen.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz verfolgt Österreich einen ähnlichen Ansatz, wobei die spezifischen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Während Deutschland sich ebenfalls auf die Reduzierung von NPLs konzentriert, legt die Schweiz einen stärkeren Fokus auf die Kapitalreserven der Banken.
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind das Rückgrat moderner Bankensysteme. Die zunehmende Digitalisierung bringt jedoch auch Risiken mit sich, insbesondere in Form von Cyberangriffen. Um die IKT-Sicherheit zu stärken, planen die OeNB und FMA kontrollierte Simulationen von Cyberattacken. Diese Tests sollen Schwachstellen aufdecken und die Reaktionsfähigkeit der Banken verbessern. Ein strukturiertes Dialogformat mit nationalen Stakeholdern wird entwickelt, um den Austausch über Best Practices zu fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bankensektor. KI kann Prozesse automatisieren und effizienter gestalten, birgt jedoch auch Risiken, etwa durch fehlerhafte Algorithmen. Die Aufsichtsbehörden werden mit den Banken in den Dialog treten, um einen sicheren und effektiven Einsatz von KI zu gewährleisten.
Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, kurz ESG, sind entscheidende Faktoren im modernen Risikomanagement. Die European Banking Authority (EBA) hat Leitlinien entwickelt, um ESG-Risiken systematisch zu integrieren. In Österreich werden diese Leitlinien in den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess für weniger bedeutende Institute (LSI-SREP) eingebunden. Dies soll sicherstellen, dass Nachhaltigkeitsrisiken in Managementgesprächen adäquat adressiert werden.
Die Effizienz der Aufsichtsprozesse ist ein weiterer Schwerpunkt. Durch den Einsatz neuer Technologien, insbesondere AI-Anwendungen, sollen die Prozesse optimiert werden. Dies umfasst auch die Vereinfachung des nationalen Meldewesens. Österreich beteiligt sich aktiv an europäischen Initiativen zur Verbesserung der Regulierungsprozesse und prüft deren Umsetzung auf nationaler Ebene.
Die strategischen Schwerpunkte der OeNB und FMA für 2026 spiegeln die Herausforderungen und Chancen wider, die der österreichische Bankensektor in den kommenden Jahren erleben wird. Die Kombination aus erhöhter Resilienz, verbesserter IKT-Sicherheit und der Integration von ESG-Risiken stellt einen umfassenden Ansatz dar, um ein stabiles und zukunftsfähiges Finanzsystem zu gewährleisten. Die kontinuierliche Anpassung an europäische Standards und die Nutzung neuer Technologien werden entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs im internationalen Finanzumfeld zu sichern.
Die OeNB und FMA haben mit ihrer Ankündigung einen klaren Fahrplan für 2026 vorgelegt. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv diese Maßnahmen umgesetzt werden und welche weiteren Herausforderungen der Bankensektor in den kommenden Jahren meistern muss. Interessierte Leser können sich auf der offiziellen Webseite der OeNB weiter informieren.