Vizekanzler will Rückführungen, Deutschförderung ab Tag eins und Fußfesseln für Gefährder
SPÖ-Chef Andreas Babler schlägt in der Migrationspolitik eine deutlich härtere Gangart ein und kündigt weitreichende Reformen für den Parteitag an.
Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler hat in einem exklusiven Interview mit den RegionalMedien Austria eine deutliche Neuausrichtung der sozialdemokratischen Migrationspolitik angekündigt. Am Rande einer Diskussionsveranstaltung in Salzburg stellte er seine Pläne für den kommenden Parteitag am 7. März vor.
Die größte Überraschung der Ankündigungen: Die SPÖ will in Sachen Migration eine deutlich härtere Gangart einschlagen. "Wir wollen dieses Thema nicht den Rechtsextremen überlassen, die mit diesem Thema nur das Land spalten", erklärte Babler gegenüber MeinBezirk. Diese Positionierung markiert einen bemerkenswerten Kurswechsel für eine Partei, die traditionell für eine liberale Migrationspolitik stand.
Der SPÖ-Chef spricht sich dabei deutlich für Rückführungen von Migranten in ihre Heimatländer aus. Allerdings betont er, dass diese Maßnahmen "geordnet und den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit folgend" umgesetzt werden müssten. Diese Betonung der rechtsstaatlichen Verfahren soll die sozialdemokratische Position von populistischen Forderungen unterscheiden.
Neben den Rückführungen setzt Babler auf eine Kombination aus Förderung und Forderung. Ein zentraler Baustein seiner neuen Migrationspolitik ist die Deutschförderung in Schulen ab dem ersten Tag. Diese Maßnahme zielt darauf ab, Integrationshemmnisse bereits im Bildungsbereich abzubauen und Chancengleichheit zu schaffen.
Gleichzeitig fordert der Vizekanzler einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge. Diese scheinbar widersprüchliche Kombination aus härteren Maßnahmen einerseits und erleichterten Zugängen andererseits spiegelt den Versuch wider, eine differenzierte Migrationspolitik zu entwickeln, die sowohl Sicherheitsbedenken als auch humanitäre Aspekte berücksichtigt.
Bablers Reformpläne gehen über die Migrationspolitik hinaus. Im Bereich der Inneren Sicherheit fordert er die Einführung der elektronischen Fußfessel für Gefährder. Diese Maßnahme würde es den Behörden ermöglichen, potentielle Straftäter besser zu überwachen und gleichzeitig deren Bewegungsfreiheit einzuschränken.
Zusätzlich spricht sich der SPÖ-Chef für ein schärferes Waffengesetz aus. Angesichts steigender Gewaltdelikte und terroristischer Bedrohungen will die SPÖ offenbar auch in diesem Bereich eine härtere Linie fahren. Die konkreten Inhalte dieser Verschärfungen wurden allerdings noch nicht im Detail präsentiert.
Im steuerpolitischen Bereich setzt Babler auf Umverteilung durch höhere Stiftungssteuern. Diese Forderung reiht sich in die traditionelle sozialdemokratische Linie ein, Vermögende stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens heranzuziehen. Stiftungen gelten oft als Instrument zur Steuervermeidung, weshalb deren höhere Besteuerung ein klassisches SPÖ-Thema darstellt.
Bablers neue Positionierung ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Landschaft in Österreich zu sehen. Die SPÖ steht unter Druck, da migrationskritische Parteien wie die FPÖ in Umfragen stark abschneiden. Mit seiner härteren Gangart versucht der Vizekanzler offenbar, Wähler zurückzugewinnen, die sich von der traditionellen SPÖ-Linie abgewandt haben.
Gleichzeitig birgt diese Strategie Risiken für die Partei. Die SPÖ-Basis und traditionelle Wählerschaft könnten sich von einer zu restriktiven Migrationspolitik abgestoßen fühlen. Babler muss daher einen schwierigen Spagat zwischen verschiedenen Wählergruppen schaffen.
Der angekündigte Parteitag am 7. März wird zeigen, inwieweit Bablers neue Linie innerhalb der SPÖ auf Zustimmung stößt. Parteitage sind traditionell Momente, in denen programmatische Weichenstellungen diskutiert und beschlossen werden. Die Delegierten werden über die vorgeschlagenen Änderungen abstimmen müssen.
Besonders spannend wird dabei die Reaktion der Parteilinken sein, die einer restriktiveren Migrationspolitik skeptisch gegenüberstehen dürfte. Babler wird seine Vorschläge gut begründen müssen, um eine Spaltung der Partei zu vermeiden.
Als Vizekanzler muss Babler seine neuen Positionen auch mit dem Koalitionspartner abstimmen. Eine zu drastische Kehrtwende in der Migrationspolitik könnte zu Spannungen innerhalb der Regierung führen. Die Umsetzung seiner Vorschläge wird daher nicht nur von der SPÖ-internen Zustimmung abhängen, sondern auch von der Bereitschaft des Koalitionspartners zur Zusammenarbeit.
Bablers Ankündigungen markieren möglicherweise einen Wendepunkt in der österreichischen Sozialdemokratie. Die SPÖ versucht offenbar, sich als kompetente Kraft in der Migrationspolitik zu positionieren, ohne dabei ihre Grundwerte aufzugeben. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Die Reaktionen der politischen Konkurrenz lassen nicht lange auf sich warten. Während rechte Parteien möglicherweise kritisieren werden, dass die SPÖ zu spät auf migrationskritische Stimmungen reagiert, könnten linke Kräfte der Sozialdemokratie Prinzipienlosigkeit vorwerfen.
Für die österreichische Innenpolitik bedeuten Bablers Ankündigungen eine weitere Verschiebung der Debatte. Migration bleibt ein dominierendes Thema, und alle Parteien müssen ihre Positionen entsprechend justieren. Die SPÖ versucht mit ihrer neuen Linie, die politische Mitte zu erobern und sich als regierungsfähige Alternative zu etablieren.