Am 21. Mai 2026 wurden an der Technischen Universität Wien die Siegerprojekte der proHolz Student Trophy 26 präsentiert – ein Wettbewerb, der die Bedeutung der Aufstockung mit Holz für die urbane N...
Am 21. Mai 2026 wurden an der Technischen Universität Wien die Siegerprojekte der proHolz Student Trophy 26 präsentiert – ein Wettbewerb, der die Bedeutung der Aufstockung mit Holz für die urbane Nachverdichtung in den Mittelpunkt rückt. Für Österreichs Städte, die wie Wien vor der Herausforderung stehen, Wohn- und Sozialraum klimapositiv und bodenschonend zu schaffen, ist das Thema unmittelbar relevant. Die internationale Ausschreibung zog 119 Einreichungen aus acht Ländern an und zeigt, wie groß Interesse und Innovationspotenzial in jungen Planergenerationen sind. Diese Berichterstattung fasst die Ergebnisse zusammen, erklärt zentrale Fachbegriffe, ordnet den Wettbewerb historisch ein, vergleicht die Strategien in anderen Ländern und skizziert die konkreten Auswirkungen auf Bewohnerinnen und Bewohner – inklusive fundierter Zahlenanalyse und Ausblick.
Die proHolz Student Trophy 26 thematisierte Aufstockung mit Holz – die gezielte Erweiterung bestehender Gebäude um zusätzliche Geschosse mit Holzbauweise. Auf dem Prüfstand standen drei reale Bauaufgaben: ein Studierenden-Wohnheim in Ljubljana (Laibach), ein Ärztehaus und Bürogebäude in München sowie eine Obdachlosen-Heimstätte in Wien. Aus 119 Projekten aus Österreich, Deutschland, Kroatien, Italien, der Slowakei, Russland, Polen und Slowenien nominierte die Fachjury drei Siegerprojekte und fünf Anerkennungen. Die Preisverleihung am 21. Mai 2026 war zugleich ein Signal: Holz kann in der Nachverdichtung helfen, Flächen zu schonen und CO2 langfristig zu binden.
Nachverdichtung
Nachverdichtung bezeichnet das gezielte Verdichten bereits bebauter städtischer Flächen durch Umbau, Aufstockung oder den Ausbau von Innenbereichen. Ziel ist es, zusätzliche Nutzungen auf bestehenden Grundstücken zu schaffen, ohne neue Bodenflächen zu versiegeln. Für Laien bedeutet das: Statt neue Wohngebiete am Stadtrand anzulegen, werden bestehende Gebäude effizienter genutzt – etwa durch weitere Wohnungen über einem Geschäftslokal. Die Nachverdichtung reduziert Verkehr und Flächenverbrauch, kann jedoch komplexe rechtliche, statische und städtebauliche Prüfungen erfordern, weil Bestandsgebäude verändert werden.
Aufstockung
Eine Aufstockung ist eine bauliche Maßnahme, bei der auf einem bestehenden Gebäude zusätzliche Geschosse errichtet werden. Dies ist eine Form der Nachverdichtung, die besonders in dicht bebauten Stadtbereichen sinnvoll ist. Technisch stellt eine Aufstockung besondere Anforderungen an die Tragstruktur und die Lastabtragung: Das bestehende Fundament und die bestehenden Wände müssen prüfen lassen, ob sie die zusätzlichen Lasten tragen können. Aufstockungen mit Holz sind wegen des geringen Eigengewichts vorteilhaft, weil sie die Belastung des Bestands minimieren und kürzere Bauzeiten ermöglichen.
CO2-Bindung
CO2-Bindung im Holzbau bedeutet, dass während des Wachstums eines Baumes Kohlenstoff in der Zellstruktur des Holzes gespeichert wird. Wird dieses Holz in Gebäuden verbaut, bleibt der Kohlenstoff über Jahrzehnte gebunden, solange das Material nicht verbrannt oder stark zersetzt wird. Das ist kein Freibrief für waldschädliche Holznutzung: Nachhaltige Forstwirtschaft und ein geschlossener Kreislauf sind entscheidend. Für Städte heißt das: Bauen mit Holz kann helfen, die Klimabilanz von Bauprojekten zu verbessern, weil Kohlenstoff langfristig aus der Atmosphäre gebunden bleibt.
Vorfertigung
Vorfertigung im Holzbau beschreibt die Produktion von Bauteilen – wie Wänden, Deckenelementen oder Fassadenteilen – in einer Fabrik oder Werkstatt, bevor sie auf der Baustelle montiert werden. Dies führt zu hoher Präzision, weniger Ausschuss und kürzeren Montagezeiten vor Ort. Für Anwohner bedeutet das weniger Lärm und kürzere Bauphasen, für Bauherrinnen und Bauherren oftmals kalkulierbare Kosten. Die Vorfertigung ist ein zentraler Vorteil der Aufstockung mit Holz, weil sie Eingriffe in den urbanen Bestand minimiert.
Tragfähigkeit
Tragfähigkeit ist ein statischer Begriff und bezeichnet die Fähigkeit eines Bauteils oder einer Konstruktion, Lasten sicher aufzunehmen und abzuleiten. Bei Aufstockungen ist die Tragfähigkeit des Bestandsgebäudes ein kritischer Faktor: Die bestehenden Wände und Fundamente müssen bewertet werden, ob sie zusätzliche Lasten tragen können. Holz bietet hier den Vorteil, dass es bei vergleichsweise hoher Festigkeit ein geringes Eigengewicht aufweist, wodurch die Anforderungen an den Bestand oft moderater sind als bei Massivbau-Aufstockungen.
Holzbauweise
Holzbauweise umfasst die verschiedenen Bauarten, bei denen Holz tragende oder raumbildende Elemente bildet. Dazu zählen Holzrahmenbau, Brettsperrholz (CLT), Brettschichtholz (BSH) und weitere Systeme. Für Laien: Holzbau ist vielseitig und reicht von kleinen Aufstockungen bis zu mehrgeschossigen Holzgebäuden. Wesentliche Aspekte sind Feuchteschutz, Brandverhalten und die Anschlussdetails an bestehende Bauteile. Richtig geplant und ausgeführt, erfüllt Holz alle Anforderungen des modernen Bauens.
Die Nutzung von Holz als Bauwerkstoff hat in Europa eine lange Tradition, doch die moderne Holzbautechnik erlebte im 20. und 21. Jahrhundert mehrere Innovationsschübe. Nachkriegsbebauung und massive Betonbauten dominierten Jahrzehnte, erst in den letzten 30 Jahren rückte der Holzbau als nachhaltige Alternative stärker in den Fokus. Technologische Fortschritte – insbesondere die Entwicklung von Brettsperrholz (Cross-Laminated Timber, CLT) und verbesserten Holzverbindungen – sowie strengere Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz haben Holz neu positioniert.
Parallel dazu veränderte sich die urbanistische Diskussion: Mit steigender Bevölkerungsdichte und begrenztem Bauland in Städten wurde Nachverdichtung zur Priorität der Stadtentwicklung. Wo früher Freiflächen bebaut wurden, versucht man heute, innerhalb der vorhandenen Stadtstruktur Raum zu schaffen. Die Kombination aus Holzbau und Nachverdichtung ist daher eine aktuelle Antwort auf gleich mehrere Herausforderungen: Klimaschutz, Begrenzung von Flächenverbrauch und die rasche Schaffung von Wohnraum. Wettbewerbe wie die proHolz Student Trophy tragen dazu bei, Ideen für die praktische Umsetzung zu entwickeln und Studierende frühzeitig mit materiellen und konstruktiven Fragestellungen vertraut zu machen.
In Österreich variieren die Strategien zur Nachverdichtung je nach Bundesland: Städte wie Wien setzen aktiv auf Aufstockungen und Umnutzungen, während kleinere Bundesländer oft stärker mit rechtlichen oder infrastrukturellen Fragen ringen. Im Vergleich zu Deutschland ist die Dichte an Forschungsprojekten und Pilotvorhaben in Städten wie München oder Stuttgart hoch, dort werden Aufstockungen und Hybridkonstruktionen regelmäßig in die Praxis gebracht. Die Schweiz wiederum verfolgt häufig einen technisch sehr stringenten Ansatz, mit hohem Fokus auf Energieeffizienz und integrative Stadtplanung.
Wichtig ist: Die Ziele sind in allen Ländern ähnlich – mehr Wohnraum, weniger Flächenverbrauch, bessere Klimabilanz – aber die Instrumente unterscheiden sich. In Deutschland gibt es eine Reihe von Förderprogrammen und experimentellen Bauprojekten, die Aufstockungen mit Holz unterstützen. In der Schweiz ergänzen strikte Gebäude- und Energievorschriften die Innovationskraft des Holzbaus. Österreich steht im internationalen Vergleich gut da, profitiert jedoch von verstärkter Forschungsförderung und der Ausbildung von Planer:innen, wie sie durch Wettbewerbe wie die proHolz Student Trophy forciert wird.
Aufstockungen mit Holz haben direkte Effekte für Bewohnerinnen, Mieter und städtische Gemeinschaften. Erstens reduzieren sie den Flächenverbrauch: Indem bestehende Gebäude erweitert werden, bleibt Grün- und Ackerland erhalten. Zweitens verkürzen vorgefertigte Holzbauteile die Bauzeit; das bedeutet weniger Lärm, geringere Verkehrseinschränkungen und niedrigere Belastungen für Anrainer. Drittens können durch zusätzliche Wohnungen kurze Wege zur Arbeit und zu Versorgungseinrichtungen entstehen, was Mobilitätsaufwand und Emissionen senkt.
Beispiel Wien: Eine Aufstockung über einem bestehenden sozialen Wohnbau kann zusätzliche kleine Wohneinheiten für Alleinstehende oder Studierende schaffen, ohne neue Grundstücke zu beanspruchen. In München können aufgestockte Büroetagen flexible Flächen für Start-ups bieten. In Ljubljana zeigte ein Siegerprojekt, wie Studierendenwohnräume über Bestandsbauten sinnvoll ergänzt werden können. Praktisch bedeutet das für einzelne Haushalte: mehr Wohnraum näher an städtischer Infrastruktur und schneller verfügbares Angebot als durch Neubau am Stadtrand.
Die proHolz Student Trophy 26 verzeichnete 119 Einreichungen aus acht Ländern – ein Indikator für hohe Resonanz und internationale Beteiligung. Die Preisgelder in Höhe von insgesamt 19.500 Euro waren auf die drei Siegerteams verteilt und unterstreichen den Anerkennungscharakter des Wettbewerbs gegenüber rein kommerziellen Förderungen. Die 26. Auflage dieses Wettbewerbs zeigt Kontinuität: proHolz Austria versteht die Student Trophy als Bildungsinstrument, das Holzbau-Knowhow verbreitet.
Die Unterstützerliste umfasst namhafte Unternehmen der Holz- und Holzwerkstoffindustrie (u. a. Binderholz, KLH, Mayr Melnhof Holz, Stora Enso) sowie Institutionen wie WWG Bergwald. Solche Partner signalisieren einen engen Bezug zur Branche und ermöglichen Studierenden Einblicke in Materialien, Produktion und Marktbedarfe. Konkrete technologische Trends – etwa der Einsatz von Brettsperrholz oder vorgefertigten Modulen – spiegeln sich in den Einreichungen wider, auch wenn die Jurybewertung anonym erfolgte.
Ausgezeichnet wurden drei Projekte:
Diese Projekte zeigen die Bandbreite an Aufgaben: von studentischem Wohnraum über medizinische Infrastruktur bis zu sozialstaatlichen Einrichtungen. Die Juryarbeit war anonymisiert, um eine faire Bewertung gestalterischer, statischer und nachhaltigkeitsbezogener Kriterien zu gewährleisten.
Auf Sicht der nächsten zehn Jahre dürfte die Kombination aus urbaner Nachverdichtung und Holzbau weiter an Bedeutung gewinnen. Drei Entwicklungen sind dabei besonders wahrscheinlich: Erstens wird die Vorfertigung weiter optimiert, was Montagezeiten und Kosten senkt. Zweitens werden Planungsprozesse – etwa Genehmigungsverfahren für Aufstockungen – digitalisiert und standardisiert, um Projekte schneller umzusetzen. Drittens dürften hybride Bauweisen (Holz kombiniert mit Beton- oder Stahlkernen) zunehmen, um die Vorteile beider Materialien zu nutzen.
Für Österreich bedeutet das: Wenn Gemeinden, Bauträger und Planerinnen koordiniert handeln, können Aufstockungen mit Holz einen substanziellen Beitrag zur Wohnraumversorgung und zum Klimaschutz leisten. Bildungseinrichtungen und Wettbewerbe spielen dabei eine Schlüsselrolle, weil sie praxisnahe, transdisziplinäre Kompetenzen vermitteln. Die proHolz Student Trophy ist ein Beispiel für einen Mechanismus, der Ideen in die Zukunft trägt und junge Talente mit Industrie und Forschung verbindet.
Die proHolz Student Trophy 26 hat am 21. Mai 2026 eindrucksvoll gezeigt, wie Aufstockung mit Holz als Instrument der Stadtentwicklung funktionieren kann: Flächenschonend, klimapositiv und technisch umsetzbar. 119 internationale Einreichungen belegen das Interesse junger Planerinnen und Planer, 19.500 Euro Preisgeld honorierten herausragende konzeptionelle Leistungen. Für Bewohnerinnen und Bewohner bedeuten gelungene Aufstockungen mehr Wohnraum in zentraler Lage bei reduzierter Belastung durch Baustellen. Für Verwaltungen sind standardisierte, prüfbare Konzepte gefragt, die rechtliche und statische Fragen klären.
Weiterlesen und Bildmaterial: Alle Informationen zum Wettbewerb und Visualisierungen finden sich auf der Website von proHolz Austria: https://www.proholz.at/student-trophy und im Pressebereich: https://www.proholz.at/service/presse/detail/student-trophy-26-ergebnisse. Haben Sie Fragen oder möchten Sie lokale Beispiele für Aufstockungen mit Holz in Ihrer Gemeinde diskutieren? Kontaktieren Sie proHolz Austria oder die beteiligten Hochschulen – der Dialog ist eröffnet.
Interne Links zu weiterführenden Beiträgen: Holzbau im Fokus, Architektur & Stadtentwicklung, Praxis der Nachverdichtung