In einer unerwarteten Wendung wurde die Premiere des neuen Films der jüdischen Filmemacherinnen Joyce Rohrmoser und Sina Moser im Salzburger Programmkino 'Das Kino' abgesagt. Ursprünglich für den 28. August 2025 geplant, sollte der Film das jüdische Leben in der Festspielmetropole Salzburg beleuchte
In einer unerwarteten Wendung wurde die Premiere des neuen Films der jüdischen Filmemacherinnen Joyce Rohrmoser und Sina Moser im Salzburger Programmkino 'Das Kino' abgesagt. Ursprünglich für den 28. August 2025 geplant, sollte der Film das jüdische Leben in der Festspielmetropole Salzburg beleuchten. Die Absage, die offiziell aus 'organisatorischen Gründen' erfolgte, hat jedoch eine Welle der Empörung ausgelöst. Warum? Weil die Gründe weit über organisatorische Herausforderungen hinausgehen könnten.
Die Absage dieser Premiere wurde von der Kinobetreiberin mit einer geplanten Geschäftsreise begründet. Doch wie die Salzburger Nachrichten berichteten, könnte das nur die Spitze des Eisbergs sein. In einem Gespräch mit der Zeitung deutete die Betreiberin an, dass der Film 'zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemandem einen Gefallen' tue und der 'volle Aufführungskalender' keine zeitnahe Präsentation zulasse. Diese Aussagen werfen Fragen auf, die weitreichende gesellschaftliche und politische Implikationen haben.
Elie Rosen, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten, äußerte sich besorgt über die Absage. "Es handelt sich nicht um ein logistisches Problem, sondern um eine opportunistische Haltung", erklärte Rosen. Diese Haltung, so Rosen weiter, erinnere an die NS-Zeit, als jüdische Stimmen und Kunst systematisch ausgegrenzt wurden. Diese Verbindung zu einer der dunkelsten Perioden der Geschichte Europas ist alarmierend.
Die Geschichte der jüdischen Ausgrenzung während des Nationalsozialismus ist gut dokumentiert. Von der Reichspogromnacht 1938 bis zu den Nürnberger Gesetzen, die Juden ihrer Grundrechte beraubten, war die systematische Verfolgung allgegenwärtig. Dass heute, 80 Jahre später, jüdische Themen erneut ins Abseits gedrängt werden, ist ein beunruhigendes Zeichen.
Besonders erschreckend ist das Schweigen der Stadt Salzburg, des Landes Salzburg und der gesamten Salzburger Kulturszene zu diesem Vorfall. Elie Rosen betonte, dass das Schweigen schwerer wiege als die Absage selbst. Diese Zurückhaltung könnte ein Zeichen für eine tiefere gesellschaftliche Spaltung sein, die sich in Österreich und darüber hinaus abzeichnet.
Dieses Schweigen erinnert an warnende Worte von Richard von Weizsäcker, der 1985 sagte: "Das Schweigen kann eine Schuld sein." Auch Helmut Schmidt warnte: "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf." Diese Zitate verdeutlichen die Gefahr, die von einem kollektiven Schweigen ausgeht, und unterstreichen die Notwendigkeit, sich mit solchen Problemen offen auseinanderzusetzen.
Für die Bürger von Salzburg und ganz Österreich hat dieser Vorfall konkrete Auswirkungen. Die Absage der Premiere ist mehr als nur eine verpasste Gelegenheit, einen Film zu sehen. Sie ist ein Symptom für eine größere gesellschaftliche Herausforderung: die Bereitschaft, schwierige Themen zu ignorieren oder zu verdrängen. Für viele Bürger könnte dies das Vertrauen in kulturelle Institutionen und deren Fähigkeit, Vielfalt zu fördern, erschüttern.
Was bedeutet dieser Vorfall für die Zukunft der kulturellen Landschaft in Salzburg und Österreich? Kurzfristig könnte es zu verstärkten Diskussionen über die Rolle der Kultur in der Gesellschaft kommen. Langfristig besteht die Hoffnung, dass solche Vorfälle als Katalysator für positive Veränderungen dienen könnten.
Experten sind sich einig, dass die Förderung von Vielfalt und Inklusion in der Kulturpolitik entscheidend für die Zukunft ist. Eine stärkere Einbindung marginalisierter Gruppen und eine offene Auseinandersetzung mit kontroversen Themen könnten helfen, das Vertrauen der Bürger in die kulturellen Institutionen wiederherzustellen.
Die Absage der Premiere der jüdischen Filmemacherinnen Joyce Rohrmoser und Sina Moser ist mehr als nur eine organisatorische Entscheidung. Sie ist ein Weckruf, der uns daran erinnert, dass die Herausforderungen der Vergangenheit auch heute noch relevant sind. Es liegt an uns, sicherzustellen, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. In einer Zeit, in der kulturelle Vielfalt und Inklusion wichtiger denn je sind, ist es unerlässlich, dass wir uns diesen Herausforderungen mit Offenheit und Entschlossenheit stellen.
Quelle: Israelitische Kultusgemeinde Salzburg