Zurück
Politik

Arbeitswelt ohne Gewalt: Österreichs neue Verpflichtungen

24. November 2025 um 14:45
Teilen:

Am 24. November 2025, mitten in der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, betonte Arbeitsministerin Korinna Schumann die dringende Notwendigkeit, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zu bekämpfen. In Österreich, so Schumann, erlebt mehr als jede vierte arbeitende Person Gewalt

Am 24. November 2025, mitten in der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, betonte Arbeitsministerin Korinna Schumann die dringende Notwendigkeit, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zu bekämpfen. In Österreich, so Schumann, erlebt mehr als jede vierte arbeitende Person Gewalt oder Belästigung bei der Arbeit. Diese alarmierenden Zahlen unterstreichen die Relevanz eines neuen Übereinkommens der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), das am 11. September 2025 in Kraft trat.

ILO-Übereinkommen Nr. 190: Ein Meilenstein für Österreich

Das ILO-Übereinkommen Nr. 190 verpflichtet Österreich, Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt entschieden zu bekämpfen. Obwohl die österreichische Rechtslage bereits viele Vorgaben des Übereinkommens erfüllt, zeigt die Realität, dass es in der Praxis noch erheblichen Aufholbedarf gibt.

Fachbegriffe erklärt

  • ILO-Übereinkommen: Ein internationales Abkommen, das von Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeitsorganisation ratifiziert wird, um arbeitsrechtliche Standards zu setzen. In diesem Fall zielt es darauf ab, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz zu verhindern.
  • Fürsorgepflicht: Eine gesetzliche Verpflichtung von Arbeitgebern, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu schützen. Dies umfasst Maßnahmen gegen physische und psychische Gewalt.

Historische Entwicklung der Arbeitsrechtlichen Standards

Die Geschichte der arbeitsrechtlichen Standards in Österreich ist eng mit der Entwicklung des sozialen Rechtsstaats verknüpft. Seit den 1960er Jahren wurden kontinuierlich Gesetze eingeführt, um die Rechte der Arbeitnehmer zu stärken und ihre Sicherheit zu gewährleisten. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 1995 wurden viele dieser Standards harmonisiert und erweitert.

Das ILO-Übereinkommen Nr. 190 ist ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung. Es zielt darauf ab, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, indem es die Verpflichtungen der Arbeitgeber zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt und Belästigung konkretisiert.

Vergleich mit anderen Ländern

Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hat Österreich bereits fortschrittliche arbeitsrechtliche Regelungen. Allerdings zeigt ein Blick über die Grenzen, dass auch in diesen Ländern ähnliche Herausforderungen bestehen. Deutschland hat beispielsweise ebenfalls das ILO-Übereinkommen ratifiziert und arbeitet an der Umsetzung neuer Schutzmaßnahmen. In der Schweiz gibt es Bestrebungen, die Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz zu verstärken, obwohl das Übereinkommen dort noch nicht ratifiziert wurde.

Konkrete Auswirkungen auf die Bürger

Die neuen Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz haben direkte Auswirkungen auf die österreichischen Arbeitnehmer. Insbesondere in Branchen wie dem Einzelhandel, der Gastronomie und dem öffentlichen Verkehr, wo Übergriffe häufiger vorkommen, sind die Maßnahmen von großer Bedeutung. Ein Beispiel ist die Einführung von Schulungsprogrammen für Mitarbeiter, um sie für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich selbst zu schützen.

Darüber hinaus sollen Arbeitgeber nun verpflichtet werden, klare Richtlinien und Verfahren zur Meldung von Vorfällen zu etablieren. Dies soll nicht nur die Prävention stärken, sondern auch sicherstellen, dass Betroffene Unterstützung erhalten und Vorfälle konsequent verfolgt werden.

Zahlen & Fakten

Eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz zeigt, dass 28% der österreichischen Arbeitnehmer Erfahrungen mit Gewalt oder Belästigung gemacht haben. Diese Zahl verdeutlicht die Dringlichkeit der Maßnahmen. Weitere Statistiken belegen, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer, was die Bedeutung der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ unterstreicht.

Zukunftsperspektive

Die Umsetzung des ILO-Übereinkommens Nr. 190 wird als langfristiger Prozess gesehen. Experten prognostizieren, dass die vollständige Integration der neuen Standards in die Unternehmenspraktiken mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Dennoch wird erwartet, dass die Maßnahmen zu einer signifikanten Reduzierung von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz führen werden.

Langfristig könnte die erfolgreiche Umsetzung des Übereinkommens auch als Modell für andere Länder dienen, die noch keine vergleichbaren Maßnahmen ergriffen haben. Österreich hat die Chance, eine Vorreiterrolle in der Schaffung einer gewaltfreien Arbeitswelt zu übernehmen.

Schlussfolgerung

Die Einführung des ILO-Übereinkommens Nr. 190 markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung einer sichereren und respektvolleren Arbeitswelt in Österreich. Während die Herausforderungen groß sind, bietet die Umsetzung der neuen Standards die Möglichkeit, das Arbeitsumfeld für alle Beschäftigten zu verbessern. Die österreichische Regierung und Arbeitgeber sind nun gefordert, die notwendigen Maßnahmen konsequent umzusetzen.

Wie werden sich diese Maßnahmen in den kommenden Jahren auf die Arbeitswelt auswirken? Werden andere Länder dem österreichischen Beispiel folgen? Diese Fragen werden die Diskussionen in den kommenden Jahren prägen.

Schlagworte

#Arbeitsministerin Schumann#Arbeitsrecht Österreich#Arbeitssicherheit#Gesetzliche Fürsorgepflicht#Gewalt am Arbeitsplatz#ILO-Übereinkommen 190#Prävention von Gewalt

Weitere Meldungen

OTS
ÖVP

Tirol übernimmt Bundesrats-Vorsitz: Kampfansage an Abschaffungspläne

12. März 2026
Lesen
OTS
Totschnig

Österreich rüstet sich für Krisen: Neues Lebensmittelgesetz beschlossen

12. März 2026
Lesen
OTS
Grüne

FPÖ-Ministerklage gegen Gewessler: Grüne verteidigen Naturschutz

12. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen