In Österreich sorgt eine Praxis für Aufsehen, die Arbeitnehmer:innen viel Geld kosten kann. Am 30. Januar 2026 veröffentlichte die Arbeiterkammer Oberösterreich eine alarmierende Pressemitteilung über das sogenannte „Zwischenparken beim AMS“. Diese Praxis ermöglicht es Betrieben, ihre Beschäftigten
In Österreich sorgt eine Praxis für Aufsehen, die Arbeitnehmer:innen viel Geld kosten kann. Am 30. Januar 2026 veröffentlichte die Arbeiterkammer Oberösterreich eine alarmierende Pressemitteilung über das sogenannte „Zwischenparken beim AMS“. Diese Praxis ermöglicht es Betrieben, ihre Beschäftigten bei Auftragsschwankungen vorübergehend beim Arbeitsmarktservice (AMS) anzumelden, anstatt sie durchgängig zu beschäftigen. Während dies für Unternehmen praktisch kostenfrei ist, tragen die betroffenen Arbeitnehmer:innen langfristig finanzielle Nachteile davon. Die Allgemeinheit bleibt ebenfalls nicht verschont, denn der Staat muss jährlich bis zu 700 Millionen Euro für diese Unternehmenspraktiken aufbringen.
Das „Zwischenparken“ ist im Grunde eine Form der temporären Layoffs. Dabei werden Beschäftigte für eine gewisse Zeit arbeitslos gemeldet und anschließend beim selben Arbeitgeber wieder eingestellt. Jährlich sind in Österreich rund 200.000 Beschäftigungsverhältnisse von solchen Unterbrechungen betroffen. Diese Praxis stellt für Unternehmen eine Möglichkeit dar, Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen, während die Arbeitnehmer:innen mit langfristigen negativen Folgen im Erwerbsleben konfrontiert sind.
Die Praxis des Zwischenparkens hat ihre Wurzeln in der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. In den letzten Jahrzehnten haben viele Länder, darunter auch Österreich, ihre Arbeitsmarktpolitik dahingehend angepasst, dass Unternehmen mehr Spielraum bei der Beschäftigung von Arbeitskräften erhalten. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich jedoch, dass Österreichs Regelungen besonders großzügig sind. Während in Deutschland strengere Regelungen zur Wiedereinstellung nach einer Arbeitslosigkeit gelten, sind die Hürden in Österreich geringer. In der Schweiz hingegen wird stärker auf die Eigenverantwortung der Unternehmen gesetzt, was zu einer geringeren Anzahl von temporären Layoffs führt.
Für die betroffenen Arbeitnehmer:innen bedeutet das Zwischenparken oft einen erheblichen Einkommensausfall und Unsicherheit. Selbst bei einer Wiedereinstellungszusage verlieren sie temporär ihren Arbeitsplatz. Statistiken zeigen, dass Betroffene in den fünf Jahren nach der Unterbrechung im Durchschnitt 51 Tage länger arbeitslos sind als vergleichbare Arbeitnehmer:innen mit durchgängiger Beschäftigung. Über einen Zeitraum von zehn Jahren summieren sich diese Unterschiede auf rund drei Monate. Im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren liegt das kumulierte Einkommen aus unselbständiger Beschäftigung durchschnittlich um über 6.000 Euro niedriger als bei Arbeitnehmer:innen ohne solche Unterbrechungen.
Die Kosten des Zwischenparkens tragen nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Allgemeinheit. Durch temporäre Layoffs entstehen dem Staat jährliche Gesamtkosten von 600 bis 700 Millionen Euro. Diese Kosten umfassen auch die vom AMS getragenen Sozialversicherungsbeiträge in der Arbeitslosenversicherung. Zum Vergleich: Mit einem Viertel der Ausgaben für das Zwischenparken ließe sich das Förderbudget des AMS Oberösterreich für das Jahr 2026 verdoppeln.
AK-Präsident Andreas Stangl betont die Notwendigkeit einer fairen Lastenverteilung. Er fordert ein Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung, bei dem Betriebe, die häufig temporäre Layoffs einsetzen, stärker an den entstehenden Kosten beteiligt werden. Außerdem schlägt er vor, dass der Betrieb das Arbeitslosengeld für den ersten Monat nach der Beschäftigungsbeendigung übernimmt. Diese Maßnahmen sollen eine Lenkungswirkung erzielen und die Praxis des Zwischenparkens eindämmen.
Die Zukunft des Arbeitsmarktes in Österreich wird maßgeblich von den Regelungen rund um das Zwischenparken beeinflusst werden. Eine stärkere Einbindung in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen könnte helfen, diese Praxis zu reduzieren. Dazu gehören ein verstärktes Augenmerk des AMS auf die Personalstrategien der Unternehmen und eine stärkere Verankerung der Kurzarbeit als Alternative zu temporären Layoffs. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der rasanten Veränderung der Arbeitswelt ist es notwendig, mehr Geld in die Arbeitsmarktpolitik zu investieren.
Das Zwischenparken beim AMS stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für Arbeitnehmer:innen und die Allgemeinheit dar. Eine faire Verteilung der Lasten und die Einführung von Maßnahmen zur Eindämmung dieser Praxis sind dringend erforderlich. Die Diskussion um das Zwischenparken wird in den kommenden Jahren sicherlich an Bedeutung gewinnen, da die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft Österreichs nicht zu unterschätzen sind. Wie sehen Sie die Zukunft des Arbeitsmarktes in Österreich? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und informieren Sie sich weiter über dieses wichtige Thema.