Die Zahlen sind alarmierend und sollten alle politischen Entscheidungsträger wachrütteln: Binnen fünf Jahren ist die Zufriedenheit österreichischer Jugendlicher mit der Demokratie dramatisch eingebrochen.
Die Zahlen sind alarmierend und sollten alle politischen Entscheidungsträger wachrütteln: Waren 2020 noch 70 Prozent der 14- bis 18-Jährigen mit dem demokratischen System zufrieden, sind es 2025 nur noch 42 Prozent. Diese Ergebnisse präsentierte Bildungsminister Christoph Wiederkehr heute gemeinsam mit Expertinnen und Experten der Pädagogischen Hochschulen bei der Vorstellung der großangelegten Jugendstudie "Lebenswelten 2025".
Die Studie befragte mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler der 8. bis 12. Schulstufe im Frühjahr 2025. Sie wurde zum zweiten Mal gemeinsam von allen 14 Pädagogischen Hochschulen Österreichs durchgeführt und ist repräsentativ für Jugendliche im Bildungssystem.
Parallel zum Rückgang der Zufriedenheit mit der Demokratie steigt das politische Interesse leicht auf 49 Prozent. Bildungsminister Wiederkehr betonte bei der Präsentation die Bedeutung von Demokratiebildung in den Schulen.
Die Studie erhebt auch Daten zum Vertrauen in Institutionen: Wissenschaft und Bundesheer liegen bei je 77 Prozent Zustimmung, Bundesregierung und Parlament bei 52 Prozent, politische Parteien bei 38 Prozent.
56 Prozent der Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass "eine starke Hand" Ordnung schaffen sollte. 57 Prozent geben an, dass Entscheidungen ohne ihre Beteiligung getroffen werden.
Ein Drittel der Jugendlichen leidet häufig unter Beschwerden wie schlechter Stimmung, Schlafproblemen oder Schmerzen. Die Zahl der Jugendlichen mit hoher oder mittlerer Belastung ist seit 2020 deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind junge Frauen, divers geschlechtliche Jugendliche sowie Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen.
Zu den größten Sorgen zählen familiäre Konflikte (41 Prozent), schwere Krankheiten (38 Prozent) und Krieg in Europa (36 Prozent). 11 Prozent der Befragten geben an, niemanden zu haben, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können.
Materialistische Orientierungen gewinnen an Bedeutung: Der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard stieg von 44 Prozent (2020) auf 48 Prozent (2025). Idealistische Werte wie Toleranz und Umweltbewusstsein verlieren leicht an Gewicht. Freizeitaktivitäten sind häufig niederschwellig: Musik hören (70 Prozent), Social Media (68 Prozent) und Zeit zu Hause verbringen (50 Prozent) zählen zu den häufigsten Beschäftigungen.
22 Prozent der Jugendlichen streben eine Lehre an, 24 Prozent eine berufsbildende höhere Schule und 19 Prozent ein Hochschulstudium. Die Unterrichtsqualität wird insgesamt positiv bewertet: 80 Prozent berichten von guter Klassenführung, rund zwei Drittel erleben kognitive Herausforderungen, und drei Viertel erhalten unterstützendes Feedback. Etwa 20 Prozent nehmen individuelle Wahlmöglichkeiten wahr. Mehr als die Hälfte berichtet von Schulsorgen, 28 Prozent von körperlichen Beschwerden im Zusammenhang mit Schule, und 14 Prozent fühlen sich als Außenseiter.
Die Ergebnisse der Studie bieten eine Grundlage für Bildungs- und Jugendpolitik und liefern Hinweise für Schulen, Pädagoginnen und Pädagogen, Bildungsdirektionen und Jugendarbeit.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr: „Die Ergebnisse der Jugendstudie sind vielschichtig und umfassend. Sie zeigen, wie reflektiert und zugleich herausgefordert junge Menschen heute sind. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, ihnen nicht nur eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen, sondern auch ihre psychische Gesundheit zu stärken und ihre Mitbestimmung in Schule und Gesellschaft auszubauen. Einen besonderen Fokus möchte ich auf die Demokratiebildung legen, denn dass die Zufriedenheit mit der Demokratie so massiv abgenommen hat, muss für uns alle ein Warnsignal sein. Deshalb ist es so wichtig, dass in den Schulen ein Fokus auf Demokratiebildung gelegt wird.“
Martina Ott, Hochschulprofessorin am Institut für Bildungssoziologie an der PH Vorarlberg: „Die Ergebnisse der Jugendstudie Lebenswelten 2025 verdeutlichen, dass junge Menschen stark nach Sicherheit in einer als unsicher wahrgenommenen Welt suchen. Sicherheit finden sie dabei in der Familie, bei den Freund:innen und einer möglichst planbaren Zukunft. Es ist wichtig, junge Menschen beim Umgang mit Unsicherheit noch stärker zu unterstützen.“
Nikolaus Janovsky, Rektor der KPH Edith Stein und stellvertretender Vorsitzender der RÖPH: "Mit der Jugendstudie Lebenswelten gelingt es den Pädagogischen Hochschulen Österreichs, eine Lücke in der sozial- und Jugendforschung zu schließen und belastbare Daten, der Situation der Jugendlichen in unserem Land zu liefern."