Erste Luftmessungen zeigen bis zu 810 Fasern pro Kubikmeter trotz feuchter Witterung
Burgenländische Luftmessungen belegen hohe Asbestbelastung. Greenpeace fordert sofortige Maßnahmen zur Entfernung kontaminierter Materialien.
Die ersten offiziellen Luftmessungen des Landes Burgenland bestätigen die befürchteten hohen Asbestwerte in der Region. Trotz feuchter Witterungsbedingungen, die normalerweise für niedrigere Messwerte sorgen würden, wurden an den meisten überprüften Standorten bedenkliche Asbestfaserkonzentrationen in der Luft nachgewiesen.
Die gemessenen Werte sind besonders alarmierend, da bei der aktuellen feuchten Witterung eigentlich keine messbaren Asbestfasern in der Außenluft zu erwarten gewesen wären. Zum Vergleich: In Innenräumen gilt ein Zielwert von 500 Fasern pro Kubikmeter als Kontrollmessung für Asbest-Sanierungen. Mehrere der burgenländischen Messstellen liegen bereits jetzt über diesem Wert, obwohl das Land einen doppelt so hohen Richtwert für die Außenluft tolerieren möchte.
Die höchsten gemessenen Werte erreichten alarmierende 810 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft. Diese Konzentration liegt weit über den als unbedenklich geltenden Grenzwerten und stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar.
Stefan Stadler, Experte des Greenpeace-Investigativ-Teams, bewertet die Messergebnisse als klares Warnsignal: "Diese Messergebnisse sind ein klares Warnsignal. Liegen die Werte bereits im Winter so hoch, ist bei trockenen Bedingungen in der wärmeren Jahreszeit mit signifikant höheren Werten zu rechnen."
Besonders problematisch ist die Situation für Anwohner in der Nähe belasteter Stellen. Wer seine Fenster zum Lüften öffnet, kann Asbestfasern in die Innenräume holen und riskiert dadurch deutlich erhöhte Werte in den eigenen vier Wänden. Dies kann zu einer dauerhaften Kontamination von Wohnräumen führen.
Greenpeace fordert die burgenländische Landesregierung auf, umgehend im Sinne des Minimierungsgebotes von Umweltgiften zu handeln. "Das Land Burgenland und die betroffenen Gemeinden müssen jetzt – solange es noch kalt und feucht ist – Maßnahmen ergreifen und potentielle Asbestfaserquellen wie Streusplitt, Schotter und dergleichen entfernen", betont Stadler.
Die Umweltschutzorganisation argumentiert nach dem Vorsorgeprinzip: "Im Sinne des vorsorgenden Gesundheitsschutzes gilt: lieber zu früh handeln als zu spät." Besonders die aktuellen Witterungsbedingungen bieten günstige Voraussetzungen für Sanierungsarbeiten, da bei Feuchtigkeit weniger Fasern aufgewirbelt werden.
Greenpeace geht davon aus, dass auch in den betroffenen Regionen der Steiermark eine ähnliche Asbestbelastung der Luft vorliegt. Daher fordert die Organisation auch die steirische Landesregierung dazu auf, umgehend mit Maßnahmen zur Reduktion der Asbestbelastung zu beginnen.
Die Umweltschutzorganisation hat bereits an 22 Stellen in Ostösterreich Proben genommen. Die Laboranalysen ergaben teilweise erschreckende Ergebnisse: In manchen Proben wurde eine Asbestbelastung von mehr als 50 Prozent festgestellt.
Zum Vergleich der Dimensionen: Bauabfälle gelten bereits ab einem Asbestanteil von mehr als 0,1 Prozent als gefährlicher Abfall. Solche Materialien müssen unter strengen Sicherheitsauflagen geborgen und in speziellen Asbestdeponien entsorgt werden. Die nun gefundenen Werte liegen um ein Vielfaches über dieser Schwelle.
Die extrem hohen Asbestkonzentrationen in den untersuchten Materialien erklären auch die bedenklichen Luftmesswerte. Wenn derartig stark kontaminierte Stoffe als Streumaterial oder Schotter verwendet werden, können bereits geringe Mengen aufgewirbelter Partikel zu gesundheitsgefährdenden Konzentrationen in der Atemluft führen.
Um die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Asbestbelastung zu informieren, hat Greenpeace eine interaktive Übersichtskarte mit den Asbestfunden in Österreich auf ihrer Webseite veröffentlicht. Diese zeigt die geografische Verteilung der kontaminierten Standorte und ermöglicht es Bürgern, sich über die Situation in ihrer Region zu informieren.
Zusätzlich stellt die Organisation detaillierte Factsheets und Laborberichte zu den aktuellen Asbest-Funden in der Steiermark und dem Nordburgenland zur Verfügung. Diese wissenschaftlichen Dokumentationen untermauern die Forderungen nach sofortigen Sanierungsmaßnahmen mit fundierten Daten.
Asbest gilt als einer der gefährlichsten Krebserreger überhaupt. Die Fasern können bei Einatmung schwere Lungenkrankheiten wie Asbestose, Lungenkrebs oder das besonders aggressive Mesotheliom verursachen. Charakteristisch für asbestbedingte Erkrankungen ist ihre lange Latenzzeit – oft vergehen Jahrzehnte zwischen der Exposition und dem Auftreten von Symptomen.
Diese zeitliche Verzögerung macht den vorbeugenden Gesundheitsschutz so wichtig. Einmal eingeatmete Asbestfasern verbleiben dauerhaft in der Lunge und können dort über Jahre hinweg Schäden verursachen. Daher ist es entscheidend, jede vermeidbare Exposition zu verhindern.
Die aktuellen Messergebnisse setzen die politischen Entscheidungsträger unter Handlungsdruck. Die Landesregierungen von Burgenland und Steiermark stehen vor der Aufgabe, schnell und effektiv auf die Asbestgefahr zu reagieren. Dabei geht es nicht nur um die kurzfristige Beseitigung kontaminierter Materialien, sondern auch um die Entwicklung langfristiger Strategien zum Umgang mit Asbestbelastungen.
Greenpeace hat bereits einen umfassenden Aktionsplan gegen Asbestgefahren entwickelt, der als Leitfaden für die notwendigen Maßnahmen dienen könnte. Dieser Plan umfasst sowohl Sofortmaßnahmen als auch längerfristige Präventionsstrategien.
Besonders beunruhigend ist die Prognose für die kommenden Monate. Wenn bereits bei feuchten Winterbedingungen derart hohe Asbestwerte gemessen werden, ist bei trockenen Bedingungen im Frühjahr und Sommer mit noch deutlich höheren Konzentrationen zu rechnen. Trockene Witterung und Wind können die Verwirbelung von Asbestfasern erheblich verstärken.
Diese Entwicklung macht deutlich, wie dringend jetzt gehandelt werden muss. Die aktuellen Witterungsbedingungen bieten ein günstiges Zeitfenster für Sanierungsmaßnahmen, das nicht ungenutzt verstreichen darf. Jeder Tag Verzögerung kann die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung weiter erhöhen.