Die A1-Tochter yesss! sorgt für Aufsehen: Nach zwei Jahrzehnten am Markt wagt der Mobilfunkanbieter eine umfassende Neugestaltung. Doch während Design, Slogan und Prozesse modernisiert werden, bleibt ein wesentlicher Aspekt unverändert: die Geschlechterdiskriminierung. Diese Nachricht lässt nicht nu
Die A1-Tochter yesss! sorgt für Aufsehen: Nach zwei Jahrzehnten am Markt wagt der Mobilfunkanbieter eine umfassende Neugestaltung. Doch während Design, Slogan und Prozesse modernisiert werden, bleibt ein wesentlicher Aspekt unverändert: die Geschlechterdiskriminierung. Diese Nachricht lässt nicht nur Kunden, sondern auch den Verein Nicht Binär aufhorchen, der sich seit Jahren für geschlechtsneutrale Anreden einsetzt.
Florian Schwarz, der Leiter von yesss!, verkündete stolz im Interview, dass der Anbieter nach 20 Jahren alles auf den Kopf stellt. „Neues Design, neuer Slogan und eine radikale Vereinfachung aller Prozesse“, fasst Schwarz die Veränderungen zusammen. Doch trotz dieser Modernisierung bleibt eine zentrale Kritik bestehen: die verpflichtende Anrede mit "Herr" oder "Frau". Diese Vorgabe wird trotz einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), die solche Regelungen als rechtswidrig einstuft, nicht angepasst.
Die Anrede mag für viele nach einer Kleinigkeit klingen, doch für Menschen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen, ist sie von großer Bedeutung. Eine geschlechtsneutrale Anrede würde nicht nur Anerkennung für nicht-binäre Menschen bedeuten, sondern auch ein Zeichen für Fortschritt und Inklusion setzen. Der EuGH hat bereits entschieden, dass die Verpflichtung zur Angabe eines Geschlechts in vielen Fällen diskriminierend ist, dennoch bleibt die Umsetzung in vielen Bereichen aus.
Laut A1 Telekom Austria AG sei die Implementierung mehr als zweier Anredeformen „technisch komplex“. Eine Aussage, die bei vielen Experten auf Unverständnis stößt. „In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz und Big Data fast jede Herausforderung meistern können, klingt das nach einer sehr schwachen Ausrede“, kommentiert ein Branchenkenner, der anonym bleiben möchte.
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass andere Länder bereits weiter sind. In Schweden beispielsweise ist die geschlechtsneutrale Anrede „hen“ längst etabliert und wird von vielen Unternehmen genutzt. Auch in Deutschland bieten zahlreiche Mobilfunkanbieter bereits die Möglichkeit, keine Anrede auszuwählen oder eine neutrale Form zu verwenden.
Für die Kunden von yesss! bedeutet die fehlende Wahlmöglichkeit bei der Anrede, dass sie sich weiterhin in eine Schublade stecken lassen müssen, die nicht zu ihnen passt. Dies kann nicht nur zu Frustration führen, sondern auch zu einem Gefühl der Ausgrenzung. „Unsere Kunden haben kein Verständnis dafür, wenn sie drei Tage warten müssen oder 100-mal beim Service anrufen müssen“, erklärt Schwarz, doch gerade bei der Anrede zeigt sich, dass das Verständnis auf Kundenseite ebenfalls fehlt.
Parallel zur Umgestaltung startet yesss! die „Grätzl Testimonial“-Kampagne, die die Lieblingsorte von Wiener*innen auf Plakaten in der ganzen Stadt zeigt. Diese Kampagne soll die Nähe zu den Kunden betonen und die lokale Verbundenheit stärken. Doch wie glaubwürdig ist eine Kampagne, die auf Nähe und Verständnis setzt, wenn gleichzeitig die Bedürfnisse eines Teils der Kundschaft ignoriert werden?
Während yesss! mit seiner Umgestaltung einen großen Schritt in Richtung Zukunft gehen will, bleiben die Bedenken hinsichtlich der Geschlechterdiskriminierung bestehen. „Es ist an der Zeit, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen und die gesellschaftliche Entwicklung unterstützen“, fordert ein nicht-binärer Aktivist. „Die Zukunft gehört denjenigen, die Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern aktiv fördern.“
Die Frage bleibt, wann yesss! und andere Unternehmen dem Beispiel fortschrittlicher Länder folgen werden. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass Druck von Seiten der Kunden und der Gesellschaft letztlich zu einer Veränderung führen wird.
Bleiben Sie dran, um mehr über die Entwicklungen bei yesss! und anderen Unternehmen zu erfahren. Die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit im Mobilfunk ist noch lange nicht abgeschlossen!