LMU-Studie: Schrittweise Erklärungen steigern die diagnostische Genauigkeit
LMU-Studie zeigt: Radiologinnen und Radiologen erzielen mit schrittweisen KI-Erklärungen eine um 12,2 Prozentpunkte höhere Trefferquote.
München (ots)
Ein Forschungsteam der LMU München, des LMU Klinikums, des Karlsruher Instituts für Technologie und der Universität Bayreuth untersuchte, wie unterschiedliche Formen von KI-Erklärungen die diagnostische Genauigkeit in der Radiologie beeinflussen.
In einem randomisierten Experiment beurteilten 101 Radiologinnen und Radiologen reale klinische Fälle mit radiologischen Bildern, etwa aus der Computertomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT), und sollten jeweils eine Diagnose als Freitext formulieren. Die Teilnehmenden wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt: eine arbeitete ohne KI-Unterstützung, drei weitere erhielten unterschiedliche Hinweise eines multimodalen Sprachmodells. Die KI gab entweder nur eine Diagnose, eine Differentialdiagnose oder eine schrittweise "Chain-of-Thought"-Erklärung aus.
Boj Friedrich Hoppe vom LMU Klinikum betont: "In der Radiologie geht es oft darum, komplexe Bildbefunde mit klinischen Informationen zusammenzuführen". Er ergänzt: "Sprachmodelle können hier prinzipiell unterstützen. Unsere Studie zeigt aber, dass nicht jede Form von KI-Hilfe gleich hilfreich ist. Entscheidend ist, ob die Ärztinnen und Ärzte die Empfehlung nachvollziehen und kritisch prüfen können."
Die Radiologinnen und Radiologen erzielten die höchste diagnostische Genauigkeit mit schrittweisen KI-Erklärungen: die Trefferquote lag 12,2 Prozentpunkte über der Kontrollgruppe ohne KI. Einfache Diagnoseausgaben und Differentialdiagnosen schnitten schlechter ab.
Die Forschenden beobachteten zudem Hinweise auf Automationsbias: Besonders bei fehlerhaften KI-Vorschlägen folgten Teilnehmende der Differentialdiagnose häufiger. Schritt-für-Schritt-Erklärungen halfen dagegen, korrekte Hinweise gezielter zu übernehmen und Fehler eher zu erkennen.
Die Studie legt nahe, dass nicht allein die Qualität der Diagnose entscheidend ist, sondern auch die Form der Erklärung. "Für die klinische Praxis ist es nicht ausreichend, wenn ein KI-System nur eine plausibel klingende Antwort gibt", so Hoppe. "Ärztinnen und Ärzte müssen nachvollziehen können, welche Hinweise für eine Diagnose sprechen und wo mögliche Unsicherheiten liegen."
Stefan Feuerriegel, Professor an der LMU Munich School of Management und korrespondierender Autor, weist darauf hin, dass die Ergebnisse über die Radiologie hinausreichen: "Unsere Ergebnisse zeigen: Wer nicht nur nach einer Antwort fragt, sondern auch nach einer nachvollziehbaren Begründung, kann solche Systeme deutlich besser nutzen." Er ergänzt: "Eine gute KI-Antwort ist nicht nur korrekt, sondern überprüfbar."
Die Forschenden betonen, dass Sprachmodelle Fehler machen können — sowohl bei Diagnosen als auch bei deren Begründung. Die Studie zeigt: KI verbessert die diagnostische Leistung vor allem dann, wenn ihre Vorschläge nachvollziehbar präsentiert werden. Knappe Antworten oder reine Listen können dagegen Fehlvertrauen fördern.
Publikation
Philipp Spitzer, Daniel Hendriks, Jan Rudolph, Sarah Schlaeger, Jens Ricke, Niklas Kühl, Boj Friedrich Hoppe & Stefan Feuerriegel: The effect of medical explanations from large language models on diagnostic accuracy in radiology. In: npj Digital Medicine, Volume 9, Article 33, 2026. https://www.nature.com/articles/s41746-026-02619-0
Kontakt
Kontakt: Prof. Stefan Feuerriegel
Head of Institute of Artificial Intelligence (AI) in Management, LMU
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