Arbeiterkammer Niederösterreich lädt zur Diskussion über "Faktor Arbeit entlasten"
Beim Wissensforum Hirschwang diskutierten Experten über KI-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und notwendige Steuerreformen.
Beim 3. Wissensforum Hirschwang unter dem Motto "Faktor Arbeit entlasten" diskutierten Experten über die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft. Die Veranstaltung der Arbeiterkammer Niederösterreich beleuchtete sowohl Chancen als auch Herausforderungen des technologischen Wandels.
Mag. Susanne Zach, Partnerin bei Ernst & Young Österreich, präsentierte aktuelle Zahlen zur KI-Nutzung: 70 Prozent der Unternehmen in Europa stehen der Künstlichen Intelligenz positiv gegenüber. Die Technologie findet bereits breite Anwendung - von der Lieferkettenoptimierung über Chatbots im Kundenservice bis hin zum Recruiting im HR-Bereich.
"Die Arbeitskräfte der Zukunft zu entwickeln, erfordert jedenfalls eine humanistische Denkweise", betonte Zach und zitierte Charles Darwin: "Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, sondern diejenige, die am anpassungsfähigsten ist."
Univ.-Prof. Friedrich Tumpel verwies auf die Besonderheiten des aktuellen KI-Wandels. Erstmals seien kognitive Aufgaben von Automatisierung betroffen, die bisher verschont blieben. Trotz rascher Leistungssteigerung und breiter Adaption zeige sich ein Produktivitätsparadoxon: Die Arbeitsproduktivitätssteigerung durch KI liegt laut OECD nur bei 0,2 bis 1,3 Prozentpunkte pro Jahr.
Für die Staatsfinanzen bedeute die KI-Entwicklung einen "doppelten Schlag": Einerseits sinkende Lohnsteuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge, andererseits steigende Ausgaben für soziale Netze wie Arbeitslosengeld und Pensionen.
"Das Strukturproblem, dass Arbeit höher besteuert ist als Kapital, gehört geändert", forderte Tumpel. Die nächsten zehn Jahre seien das kritische Politikfenster. Die Besteuerung müsse Fiskal-, Distributiv- und Korrektivziele verbinden, wobei internationale Koordination unabdingbar sei.
Mag. Dr. Stefan Schulmeister von der Universität Wien konzentrierte sich auf Maßnahmen für mehr soziale Gleichheit. Um der steigenden Ungleichheit und problematischen Vermögensverteilung entgegenzutreten, brauche es eine neue Verteilung der Steuerlast.
Schulmeister forderte die Begünstigung von Realinvestitionen, während unproduktive Privatvermögen und kurzfristige Spekulationen stärker besteuert werden sollten. Vermögens-, Schenkungs- und Erbschaftssteuer sowie eine Wertschöpfungsabgabe könnten zur Verringerung sozialer Ungleichheit beitragen.