Internationale Experten kritisieren Untersuchungsmethoden der Umweltorganisation
Vier burgenländische Steinbruchbetreiber haben sich zur ARGE Naturgestein zusammengeschlossen und werfen Greenpeace wissenschaftliche Mängel vor.
Vier betroffene Abbaubetriebe von Hartgesteinen im Burgenland haben sich zur ARGE Naturgestein zusammengeschlossen und unabhängige Experten hinzugezogen, um gegen die Vorwürfe von Greenpeace bezüglich Asbest in Hartgestein vorzugehen.
Dr. Ing. Professor Martin Kirschbaum von der RWTH Aachen, ein europaweit führender Experte, äußert sich kritisch zu den Greenpeace-Untersuchungen: "Die Greenpeace-Kampagne stellt gravierende Vorwürfe an Steinbrüche und eingesetzte Baustoffe im Burgenland, stützt diese aber ausschließlich auf eigene, nicht transparent geplante Probenahmen sowie Analysen in einem externen Labor und auf eine sehr zugespitzte Öffentlichkeitsarbeit."
Laut den Experten ist die Unterscheidung zwischen dem Vorhandensein von Asbestmineralen im Gestein und der tatsächlichen Gesundheitsgefährdung durch freigesetzte Asbestfasern entscheidend. Gefährlich seien insbesondere die sogenannten WHO-Fasern: dünne, lange, lungengängige Fasern, die bei intensiver mechanischer Bearbeitung wie Sägen, Schleifen oder Fräsen entstehen können.
Die ARGE kritisiert, dass Greenpeace die VDI-Richtlinie 3866 verwendete, die primär für technische Produkte mit bewusst zugesetzten Asbestfasern konzipiert ist. Diese Richtlinie sei nicht geeignet, um in heterogenen, geogenen Gesteinen den Asbestgehalt zuverlässig zu quantifizieren. Stattdessen hätten die Methoden der TRGS 517 angewandt werden sollen.
Kirschbaum kritisiert auch die Probenentnahme: "Die bereitgestellten Fotos und Beschreibungen zeigen unter anderem, dass häufig einzelne auffällige Steine oder Körner von Streusplitt gezielt in Reagenzgläser verbracht wurden. Eine flächenbezogene, gemittelte Probenahme ist nicht erkennbar."
DI Frank Eichhorn, zuständig für den Steinbruch in Pilgersdorf, kündigt rechtliche Schritte an: "Meine Mitarbeiter haben Angst um ihren Job und sagen mir: 'Wir atmen Luft, nicht Steine! Was soll dieses Theater?' Sie glauben, das alles dient nur der eigenen Publicity einer NGO."
Frank Iszovics vom Bernsteiner Steinbruch weist auf die Folgen der behördlichen Schließungen hin: "Dabei fallen mehr als 3 Millionen LKW-Kilometer pro Jahr zusätzlich an." Die bislang in den betroffenen Steinbrüchen gewonnenen Rohstoffe müssen nun über viele Kilometer per LKW angeliefert werden.
Die ARGE Naturgestein kündigt an, in den kommenden Tagen und Wochen belastbare und technisch richtig erhobene Daten vorzulegen und arbeitet dabei mit qualifizierten Experten sowie der vom Land Burgenland eingesetzten Task Force zusammen.