Wirtschaftsvertreter drängen auf Bürokratieabbau und Vollendung des EU-Binnenmarkts
Deutsche Handelskammer warnt vor Reformstillstand trotz wieder anziehender Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Österreich.
Die Deutsche Handelskammer in Österreich (DHK) fordert beschleunigte Reformen in beiden Ländern, um die wirtschaftliche Erholung nachhaltig abzusichern. "Wir brauchen deutlich mehr Tempo – bei Genehmigungen, bei Investitionen und im Bildungssystem", erklärte DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch bei der Jahrespressekonferenz.
Nach Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024 stieg das bilaterale Handelsvolumen 2025 wieder um 4,1 Prozent auf 134,1 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte nach Österreich erhöhten sich auf knapp 80 Milliarden Euro, die Importe aus Österreich auf 54,1 Milliarden Euro.
"Diese Entwicklung ist ermutigend, aber keineswegs selbstverständlich", betonte Pötsch, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG ist. Geopolitische Konflikte dürften kein Vorwand für Reformstillstand sein, sondern müssten Antrieb für die Behebung struktureller Schwächen werden.
Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), mahnte einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs an. "Ziel muss es sein, wettbewerbsfähige Energiekosten zu sichern, Brutto-Arbeitskosten beherrschbar zu machen, die Wachstumsbremse Bürokratie endlich zu lösen und Lieferketten widerstandsfähig aufzustellen", so Adrian.
Entscheidend sei die Vollendung des EU-Binnenmarktes. Deutschland und Österreich sollten sich gemeinsam dafür einsetzen, Barrieren abzubauen und nationale Regelungen zu harmonisieren.
WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr sieht aufgrund der Iran-Krise nur schwaches Wachstum nahe der Stagnation für beide Länder. "Damit werden die strukturellen Schwächen unserer Volkswirtschaften umso deutlicher sichtbar. Daher muss es jetzt ernsthafte Reformen in vielen Bereichen geben", kritisierte er.
Der Umbau des Energiesystems sei nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch zentral für die wirtschaftliche Souveränität. Felbermayr plädierte dafür, wieder stärker auf Marktprozesse und Eigenverantwortung zu setzen.