Neue Sonderausstellung zeigt römische Bildnisse und ihre Geschichte
Das KHM präsentiert ab April antike Frauenporträts mit überraschenden Geschichten über Umarbeitungen und Veränderungen durch die Jahrhunderte.
Das Kunsthistorische Museum Wien präsentiert von 17. April bis 20. September 2026 eine neue Sonderausstellung in der Antikensammlung. Unter dem Titel "My Story – Antike Frauenporträts und ihr Nachleben" zeigt die achte Ausgabe der Reihe Vitrine EXTRA zwei bislang nie gezeigte Frauenbildnisse.
Die beiden vorgestellten Porträts stehen für Frauen unterschiedlicher sozialer und historischer Kontexte. Mit weiteren ausgewählten Frauenbildnissen aus der Dauerausstellung treten sie in einen Dialog: In kurzen Texten scheinen sie selbst zu sprechen, reflektieren ihre eigene Erscheinung und erzählen, welche zentrale Rolle die Frisur spielt. An ihr lassen sich zentrale Fragen der Porträtforschung erschließen – von Datierung bis Identität.
Die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums bewahrt rund 250 römische Marmorbildnisse auf. Die Ausstellung ist Teil eines umfassenden Forschungsprojekts, das sich den "Biografien" antiker Skulpturen widmet und sichtbar macht, wie sehr diese Objekte Veränderungen unterworfen waren – von antiken Umarbeitungen bis hin zu Ergänzungen seit der Renaissance.
Viele Porträts wurden mehrfach verändert. Köpfe erhielten neue Frisuren, angepasst an wechselnde Moden oder aus pragmatischen Gründen wie Materialknappheit. Das wichtigste Datierungskriterium bleibt die Frisur, die sich eng an den Moden des Kaiserhauses orientiert.
In der römischen Kaiserzeit waren Münzen weit mehr als ein Zahlungsmittel: Sie fungierten als Träger kaiserlicher Bildpolitik und verbreiteten die Porträts des Herrscherhauses im gesamten Reich. Mit beeindruckender Präzision sind selbst auf kleinstem Raum die charakteristischen Frisuren ausgearbeitet – Vorlagen, an denen sich auch Privatpersonen für ihre eigenen Porträts orientierten.
Im Zentrum stehen zwei sehr unterschiedliche Frauenbildnisse. Eine Büste zeigt vermutlich die vergöttlichte Julia (61–89 n. Chr.), Tochter von Kaiser Titus und Nichte von Kaiser Domitian. Sie trägt eine markante Stirnlockenfrisur. Der Körper ist eine raffinierte Montage aus antiken Fragmenten und Ergänzungen aus dem 16. Jahrhundert.
Das zweite Exponat – ein Grabrelief einer älteren Frau im Typus der "Großen Herkulanerin" – erzählt eine andere Geschichte. Ihre kostbare, traditionelle Kleidung deutet auf eine wohlhabende Frau hin. Doch ihr ursprünglicher Kontext ist verloren: aus einem größeren Zusammenhang herausgeschnitten, fehlen heute Rahmung und eine Begleitfigur.
Beide Werke gelangten vermutlich über den Seehandel aus Attika auf den venezianischen Kunstmarkt und von dort im 18. Jahrhundert in die Sammlung des Marchese Tommaso Obizzi, der in seinem Schloss Catajo bei Padua ein eigenes Antikenmuseum einrichtete.
Die Ausstellung "My Story – Antike Frauenporträts und ihr Nachleben" ist von 17. April bis 20. September 2026 in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums zu sehen.