68 Prozent der österreichischen Studierenden müssen neben dem Studium arbeiten
Steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten zwingen Studierende zur Erwerbstätigkeit. Die AK fordert bessere Studienförderung und faire Teilzeitbedingungen.
Die aktuellen Ergebnisse der Studierendensozialerhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigen: 68 Prozent der Studierenden in Österreich müssen neben dem Studium arbeiten, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Was oft als persönliche Entscheidung dargestellt wird, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem.
Für 71 Prozent der Studierenden ist Erwerbsarbeit keine freie Entscheidung, sondern ein Muss, um die Lebenserhaltungskosten zu bestreiten. Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer, betont: "Bildung und Weiterentwicklung soll allen in Österreich möglich sein, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dafür muss dann auch der Staat beisteuern. Aktuell ist das oft nicht so, viele arbeiten in Teilzeit und machen ein Studium."
Die Daten zeigen eine Korrelation zwischen Arbeitsumfang und Studienbeeinträchtigung: Je mehr Stunden Studierende arbeiten, desto stärker leidet ihr Studium. Vier von zehn Studierenden geben an, dass es schwierig ist, Studium und Job zu vereinbaren.
Den Großteil der Kosten für Studierende machen Wohnen (38 Prozent) und Essen (21 Prozent) aus. In den vergangenen Jahren sind die Gesamtkosten von Studierenden um 6 Prozent angestiegen. Die Wohnkosten sind in den vergangenen zehn Jahren um 51 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Studierende ohne familiäre Unterstützung, ältere Studierende über 27 Jahre sowie Studierende mit Kind. Für diese Gruppen fallen viele Förderungen weg – das Risiko von finanziellen Engpässen bis hin zur Armutsgefährdung steigt.
"Studierende, die nicht von ihren Eltern finanziell unterstützt werden, sollten genug Beihilfe erhalten, um ohne Armut leben zu können", fordert Renate Anderl. "Derzeit sind die Beihilfen so niedrig, dass sie für niemanden zum Leben reichen, insbesondere nicht für ältere Studierende oder Studierende mit Kind. Dafür bräuchte es eine starke Anhebung der Studienbeihilfe, mindestens über die Armutsgefährdungsschwelle."
Die Arbeiterkammer setzt sich für bessere Bedingungen in der Teilzeit ein. In ihrer Kampagne fordert sie unter anderem, dass für Mehrstunden bei Teilzeitarbeit ein 50-prozentiger Zuschlag gelten soll, ähnlich wie bei Überstunden in Vollzeit. "Wer arbeitet und studiert, leistet doppelt – und verdient faire Bedingungen", so Anderl.
Um allen Studierenden faire Bildungsbedingungen zu ermöglichen, nennt die Arbeiterkammer Maßnahmen wie leistbares Wohnen, bessere Studienförderung und faire Entlohnung von Teilzeitarbeit sowie bessere Vereinbarkeit von Studium und Erwerbsarbeit. Von den Universitäten fordert die AK, die Studienbedingungen für alle zu verbessern und zu flexibilisieren, um faire Chancen zu schaffen. Die Ergebnisse der IHS-Studie unterstreichen die Dringlichkeit arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Maßnahmen.