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5€-Mensa-Menü kommt: ÖH feiert Erfolg bei Studierendenarmut

Studierenden-Sozialerhebung 2025 zeigt alarmierende Zahlen zur finanziellen Lage

14. April 2026 um 12:21
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Die neue Sozialerhebung offenbart: 6 von 10 Studierenden leben unter der Armutsgefährdungsgrenze. Die ÖH feiert das 5€-Mensa-Menü als Erfolg.

Die österreichischen Studierenden befinden sich in einer prekären sozialen Lage – das zeigt die heute präsentierte Studierenden-Sozialerhebung 2025 deutlich auf. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung mit der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) wurden alarmierende Zahlen zur finanziellen Situation der Studierenden vorgelegt.

Studierendenarmut als Dauerzustand

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 60 Prozent aller Studierenden in Österreich leben mit ihrem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. "Hinter jedem Witz darüber, dass Studierende sich gegen Monatsende nur mehr Nudeln mit Pesto leisten können, steckt eine harte Realität: Studierendenarmut ist ein Dauerzustand, der zu oft auf die leichte Schulter genommen wird", fasste Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz die Situation zusammen.

Besonders dramatisch zeigt sich die Entwicklung bei den Wohnkosten: Seit 2015 sind diese um 51 Prozent gestiegen. Studierende geben überdurchschnittlich viel ihres Einkommens für das Wohnen aus – von jedem verdienten Euro fließen 38 Cent direkt in die Miete. Diese Entwicklung stellt eine enorme finanzielle Belastung für die bereits schwer belastete Gruppe dar.

Arbeiten während des Studiums wird zur Notwendigkeit

Die Studierenden-Sozialerhebung zeigt auch, dass Arbeit neben dem Studium längst keine freiwillige Zusatzbeschäftigung mehr ist. Im Durchschnitt arbeiten Studierende 20,2 Stunden pro Woche. Problematisch dabei: Bereits ab einem Arbeitsausmaß von 11 Wochenstunden sinkt der Studienerfolg merklich. Für die Mehrheit der Studierenden ist das Arbeiten während des Studiums jedoch eine finanzielle Notwendigkeit geworden.

Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für das österreichische Bildungssystem und die Chancengleichheit. "Wir müssen uns bewusst sein, dass Studieren für viele Menschen weiterhin ein Wunschtraum bleibt", mahnte Wienerroither bei der Pressekonferenz.

Bildung wird nach wie vor vererbt

Ein weiteres besorgniserregendes Ergebnis der Erhebung: 54 Prozent aller Studierenden sind sogenannte First-Generation-Students – ihre Eltern haben also keine Hochschulbildung absolviert. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zeigt sich hier weiterhin eine starke Verzerrung. Der Bildungsstand der Eltern bleibt nach wie vor maßgeblich für den eigenen Bildungsweg verantwortlich.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Österreichs Bildungssystem noch weit von echter Chancengleichheit entfernt ist. Soziale Herkunft bestimmt weiterhin stark über die Bildungschancen der nächsten Generation.

Studienbeihilfe erreicht immer weniger Studierende

Ein besonders kritischer Punkt ist die Entwicklung bei den Studienbeihilfen. Da die Einkommensgrenzen der Eltern nicht valorisiert werden, sind immer weniger Studierende anspruchsberechtigt. Die Zahlen sind alarmierend: Die Bezieher der Familienbeihilfe sind auf 39,7 Prozent gesunken, bei der konventionellen Studienbeihilfe sogar auf nur noch 11,1 Prozent.

"Rund 6 von 10 Studierenden leben mit ihrem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Gleichzeitig schrumpft der Anteil der Studienbeihilfebezieher – hier braucht es eine Trendwende. An einer Erhöhung der Studienbeihilfe und der automatischen Antragstellung führen für uns langfristig kein Weg vorbei", forderte Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.

Die durchschnittliche Förderhöhe bei der Studienbeihilfe beträgt derzeit 684 Euro und liegt damit deutlich unter der Armutsgefährdungsgrenze von 1.661 Euro. Besonders problematisch: Die ÖH kritisiert, dass die Familienbeihilfe ab 2026 nicht mehr valorisiert wird, was eine weitere soziale Belastung für viele Studierende bedeutet.

Psychische Gesundheit als zusätzliches Problem

Neben den finanziellen Schwierigkeiten zeigt die Erhebung auch alarmierende Zahlen zur psychischen Gesundheit der Studierenden auf. 46 Prozent haben ein stark eingeschränktes Wohlbefinden. Diese Zahl ist ein klares Alarmsignal und verdeutlicht, dass die finanzielle Belastung auch erhebliche Auswirkungen auf die mentale Gesundheit hat.

23 Prozent der Studierenden sind erheblich materiell und sozial benachteiligt, 25 Prozent geben an, sehr stark von finanziellen Schwierigkeiten betroffen zu sein. Diese Zahlen zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systemisches Problem.

Erfolg für die ÖH: 5€-Mensa-Menü wird eingeführt

Trotz der besorgniserregenden Zahlen konnte die ÖH einen wichtigen Erfolg verbuchen: Die Einführung eines flächendeckenden 5-Euro-Mensa-Menüs wurde während der Pressekonferenz angekündigt. "Die Schaffung eines günstigen Mensa-Menüs ist ein gutes Zeichen für alle Studierenden in Österreich. Hier hat sich die Hartnäckigkeit der ÖH klar ausgezahlt!", freute sich Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz.

Ein günstiges, gutes Mittagessen an jeder Hochschule war eine langjährige Forderung der Studierendenvertretung. Diese Maßnahme soll nicht nur die finanzielle Belastung der Studierenden reduzieren, sondern auch einen Ort des Zusammenkommens am Campus schaffen.

Zentrale Forderungen der ÖH

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft nutzte die Pressekonferenz, um ihre zentralen Forderungen zu präsentieren:

  • Erhöhung der Studienbeihilfe in Verbindung mit einer automatischen Antragstellung
  • Ausfinanzierung der Wohnheimförderung im Budget
  • Valorisierung der Einkommensgrenzen bei Studienbeihilfen
  • Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Studierenden

Politischer Handlungsbedarf deutlich erkennbar

Die Studierenden-Sozialerhebung 2025 macht deutlich, dass dringender politischer Handlungsbedarf besteht. Die finanzielle Situation der Studierenden hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert, während gleichzeitig die Unterstützungsleistungen nicht entsprechend angepasst wurden.

Die ÖH fordert daher eine umfassende Reform des Studienbeihilfensystems und eine bessere finanzielle Unterstützung für Studierende. Nur so könne sichergestellt werden, dass Bildung nicht länger ein Privileg bleibt, sondern allen gesellschaftlichen Schichten zugänglich ist.

Die alle zwei Jahre durchgeführte Studierenden-Sozialerhebung gilt als wichtigste Datenquelle zur sozialen Lage der Studierenden in Österreich. Die aktuellen Zahlen zeigen einmal mehr, dass die Probleme der Studierenden nicht kleiner, sondern größer werden. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten politischen Maßnahmen aus diesen alarmierenden Erkenntnissen folgen werden.

Schlagworte

#ÖH#Studierenden-Sozialerhebung#Studienbeihilfe#Mensa-Menü#Studierendenarmut#Hochschule#Bildungspolitik

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