Veranstaltungsreihe würdigt erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin
Anlässlich des 120. Jubiläums von Bertha von Suttners Friedensnobelpreis plant die St. Pöltner Universität eine besondere Veranstaltungsreihe.
Vor 120 Jahren, im April 1905, erhielt Bertha von Suttner als erste Frau der Geschichte den Friedensnobelpreis – eine Auszeichnung, die angesichts der aktuellen globalen Konflikte neue Relevanz gewinnt. Die nach ihr benannte Privatuniversität in St. Pölten nimmt dieses bedeutende Jubiläum zum Anlass für eine umfassende Veranstaltungsreihe, die Frieden als zentrale gesellschaftliche Aufgabe in den Mittelpunkt stellt.
Bertha von Suttner gehörte zu den prägenden Stimmen der frühen Friedensbewegung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Ihr lebenslanges Engagement für eine Welt ohne Krieg und ihre Vision einer internationalen Friedensordnung machten sie zu einer der bekanntesten historischen Persönlichkeiten Österreichs. Wer den Schilling noch als Währung erlebt hat, erinnert sich an ihr Porträt auf der 1.000-Schilling-Note – heute ist sie auf der österreichischen 2-Euro-Münze verewigt.
Ihre Friedensvision entwickelte sich aus persönlichen Erfahrungen: In den 1880er-Jahren erlebte sie im Kaukasusraum, im heutigen Georgien, während ihres Aufenthalts mit ihrem Mann die Auswirkungen des Russisch-Türkischen Krieges hautnah mit. Das Leid von Soldaten und Zivilbevölkerung, das sie aus nächster Nähe beobachtete, prägte ihr Denken nachhaltig und floss in ihre späteren Texte ein.
Mit ihrem Roman "Die Waffen nieder!" aus dem Jahr 1889 wurde Suttner weltberühmt. Sie nutzte die Literatur gezielt als Werkzeug für den Frieden, um die Grausamkeiten des Krieges und die Notwendigkeit friedlicher Konfliktlösungen einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Darüber hinaus setzte sie sich aktiv für internationale Schiedsgerichte ein, wie den Ständigen Schiedshof in Den Haag, und warb weltweit für friedliche Konfliktlösungen.
Suttners Engagement ging jedoch über die reine Friedensarbeit hinaus. Sie trat vehement für Geschlechtergerechtigkeit und die Gleichstellung von Frauen ein, kämpfte für das Frauenwahlrecht und verstand Bildung als zentralen Hebel für Emanzipation und eine friedlich organisierte Gesellschaft. Ihre Ideen gelten bis heute als wegweisende Impulse für Institutionen wie den Völkerbund (1919) und die Vereinten Nationen (1945), weshalb sie häufig als Vordenkerin moderner internationaler Friedenspolitik beschrieben wird.
Die Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten hat für 2026 eine gesellschaftskritische und zugleich festliche Veranstaltungsreihe konzipiert, die zum Nachdenken über Frieden einladen soll. Drei besondere Highlights markieren das Jubiläumsjahr:
Am 24. April 2026 von 17:00 bis 23:00 Uhr steht der Stand der Suttneruni bei der Langen Nacht der Forschung ganz im Zeichen des Friedens. Besucher können dort grundlegende Fragen wie "Was ist eigentlich Frieden?" und "Wie kommt man zum Friedensnobelpreis?" erforschen. Ein besonderes Highlight: Forschende in historischen Kostümen im Stil von Bertha von Suttner und Alfred Nobel erwecken die Geschichte zum Leben. Besucher haben die Möglichkeit, sich mit "Bertha" fotografieren zu lassen und gemeinsam ein großformatiges Kunstwerk aus selbst gestalteten Friedenstauben zu erschaffen.
Der 12. Juni 2026 steht im Zeichen eines besonderen Sommerfests am Campus St. Pölten. Gemeinsam mit dem Salon Skug auf Rädern wird ab 18:00 Uhr ein "Fest für den Frieden" gefeiert. Den Auftakt bildet ein Open-Air-Talk zum Thema "Krieg und Frieden in ungewissen Zeiten", bei dem Beiträge aus der Friedens- und Sozialforschung über die Möglichkeiten dauerhafter, friedlicher Konfliktlösungen diskutiert werden. Im Anschluss verwandelt sich der Abend in ein gemeinsames "hippieskes" Sommerfest mit DJ-Sets und Musik. Der Eintritt ist frei.
Den Abschluss des Themenschwerpunkts bildet am 10. Dezember 2026, dem internationalen Tag der Menschenrechte, eine besondere performative Lesung. Suttners essayistisches Werk "Das Maschinenzeitalter" dient als Ausgangspunkt für eine künstlerische Reflexion über Fortschritt, Technik und Menschlichkeit. Der Text wird dabei neu interpretiert und bildet den feierlichen wie kritischen Ausklang der Jubiläumsfeier.
Die Veranstaltungsreihe der Suttneruni kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Bertha von Suttners Friedensvision angesichts globaler Konflikte neue Bedeutung gewinnt. Ihre Ideen von internationaler Zusammenarbeit, friedlicher Konfliktlösung und der Rolle von Bildung für eine friedliche Gesellschaft sind heute aktueller denn je.
Die Universität versteht die Jubiläumsfeier bewusst nicht nur als historische Würdigung, sondern als Einladung, über Frieden als gesellschaftliche Aufgabe neu nachzudenken. In einer Zeit, in der internationale Spannungen und bewaffnete Konflikte wieder zunehmen, bietet Suttners Lebenswerk wichtige Denkanstöße für zeitgemäße Friedensarbeit.
Bertha von Suttners Überzeugung, dass Bildung ein zentraler Hebel für eine friedlich organisierte Gesellschaft ist, spiegelt sich auch im Konzept der nach ihr benannten Universität wider. Die Suttneruni versteht sich als Bildungseinrichtung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen ermutigt.
Die geplante Veranstaltungsreihe verbindet wissenschaftliche Reflexion mit kulturellen und künstlerischen Elementen. Dieser interdisziplinäre Ansatz entspricht Suttners eigenem Verständnis von Bildung und Aufklärung, die über reine Wissensvermittlung hinausgehen und Menschen zu aktivem gesellschaftlichen Engagement inspirieren sollen.
Alle drei Veranstaltungen finden am Campus der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten am Campus-Platz 1 in 3100 St. Pölten statt. Die Teilnahme ist kostenlos, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme an diesem wichtigen gesellschaftlichen Dialog zu ermöglichen.