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OTS-MeldungKunst im öffentlichen Raum/Klima Biennale Wien 20/Bild/Kunst & Kultur/Kunst

Bolivianischer Künstler verwandelt Wiener Fassade in Mahnmal

River Claure thematisiert koloniale Geschichte am Praterstern

13. April 2026 um 09:32
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Im Rahmen der Klima Biennale Wien 2026 gestaltet der bolivianische Künstler River Claure eine eindrucksvolle Fassade in Wien-Leopoldstadt.

Ein monumentales Kunstwerk am Verkehrsknotenpunkt Praterstern wird ab sofort zum Blickfang für Passanten und Anrainer: Der bolivianische Foto- und Videokünstler River Claure hat die Fassade des Wohnobjekts in der Nordbahnstraße 51 in Wien-Leopoldstadt mit einer beeindruckenden Installation versehen. Das Projekt entsteht im Rahmen der Klima Biennale Wien 2026 und wird vom Kunst- und Kulturverein NOVOart unterstützt.

Kunst als gesellschaftlicher Impulsgeber

"Das Projekt von River Claure zeigt, wie Kunst globale Zusammenhänge verständlich machen kann – gerade im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen", erklärt NOVOart-Obmann Franz Binderlehner die Motivation hinter der Unterstützung. Das Kunstwerk ist Teil der Ausstellung "(No) Funny Games" und soll Bewusstsein für gesellschaftlich relevante Themen schaffen.

Kerstin Robausch-Löffelmann, Obfrau von NOVOart, betont die Bedeutung des Projekts: "Es erfüllt uns mit Stolz, im Rahmen der Klima Biennale Wien 2026 einen weithin sichtbaren Beitrag zu leisten und dieses Projekt gemeinsam mit diesem international renommierten Künstler realisieren zu können."

"Auf drei machen wir alles kaputt" – Ein vielschichtiges Kunstprojekt

Die Fassadengestaltung ist Teil von River Claures umfassendem Projekt "A cuenta de tres, lo destruimos todo" ("Auf drei machen wir alles kaputt"). Für diese Werkserie rekonstruierte der Künstler maßstabsgetreu die Puerta del Sol von Tiwanaku – ein bedeutendes Monument einer präkolumbianischen Hochkultur Boliviens.

Das Herzstück des Projekts bildet eine eindrucksvolle, filmisch und fotografisch dokumentierte Inszenierung: Kinder tragen das rekonstruierte Tor durch die Landschaft des Andenhochlands, stellen es auf und sprengen es schließlich. Diese scheinbar spielerische Zerstörung ist jedoch alles andere als harmlos – sie verweist auf tiefgreifende historische Prozesse und den jahrhundertelangen Verlust von Land, Wissen und ökologischen Lebensgrundlagen indigener Gesellschaften.

Von den Anden nach Wien

Die großformatigen Fotografien, die aus dieser Performance entstanden sind, werden an mehreren Standorten in Wien gezeigt und übertragen die kollektiven Erfahrungen indigener Völker in den städtischen Raum. Die Installation an der Nordbahnstraße 51 fungiert dabei als visuelle Reflexion über komplexe Themenbereiche: die Ausbeutung von Natur, koloniale Kontinuitäten und die Frage, wie ein zukünftiges Zusammenleben nach dem vermeintlichen "Ende der Welt" neu gedacht werden kann.

Kunst im öffentlichen Raum als Diskussionsanstoß

River Claure, der international für seine kritische Auseinandersetzung mit globalen Machtverhältnissen bekannt ist, bringt mit seinem Werk wichtige gesellschaftliche Diskussionen direkt vor die Haustür der Wienerinnen und Wiener. Seine künstlerische Arbeit beschäftigt sich intensiv mit kolonialer Geschichte und gesellschaftlicher Resilienz – Themen, die auch im Kontext der Klimakrise und globaler Gerechtigkeit hochaktuell sind.

Das Kunstprojekt unterstreicht NOVOarts Engagement für kulturelle Impulse an der Schnittstelle von Kunst, Stadt und Bewohnerinnen sowie Bewohnern. Der Verein setzt damit ein starkes Zeichen für die aktive Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen im öffentlichen Raum.

Langfristige Präsenz am Praterstern

Das Werk an der Hausfassade der Nordbahnstraße 51 wird bis 31. Mai 2026 zu sehen sein und damit über einen längeren Zeitraum als Diskussionsanstoß und Denkanstoß im Stadtbild präsent bleiben. Die strategische Platzierung am Verkehrsknotenpunkt Praterstern sorgt für eine hohe Sichtbarkeit und erreicht täglich tausende Passanten.

Kooperation zwischen Kunst und Wohnbau

Besonders bemerkenswert ist die Kooperation zwischen dem Kunstverein NOVOart und der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft BWSG, die das Gebäude zur Verfügung stellt. Diese Zusammenarbeit zeigt, wie Kunst und Wohnbau gemeinsam urbane Räume bereichern und gesellschaftliche Diskurse fördern können.

Die Installation ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie internationale Kunstprojekte lokale Bezüge herstellen und globale Themen in den österreichischen Kontext übersetzen können. River Claures Werk macht komplexe historische und politische Zusammenhänge für ein breites Publikum zugänglich und regt zum Nachdenken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an.

Klima Biennale Wien 2026 als Plattform

Das Projekt ist eingebettet in das umfassende Programm der Klima Biennale Wien 2026, die sich als wichtige Plattform für künstlerische Auseinandersetzungen mit Klimawandel, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit etabliert hat. Die Biennale bietet Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt die Möglichkeit, ihre Perspektiven auf drängende gesellschaftliche Fragen zu präsentieren und dabei neue Formen der Kommunikation und des Dialogs zu entwickeln.

Mit River Claures Fassadengestaltung erhält Wien ein weiteres bedeutendes Kunstwerk im öffentlichen Raum, das über die reine Ästhetik hinausgeht und wichtige gesellschaftliche Diskussionen anstößt. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Kunst als Vermittlerin zwischen verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen fungieren und dabei zur Reflexion über globale Zusammenhänge anregen kann.

Schlagworte

#Kunst#Wien#Klima Biennale#Street Art#NOVOart

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