Wirtschaftskammer-Präsident sieht dringenden Handlungsbedarf bei Lohnnebenkosten und Energieausbau
Angesichts globaler Unsicherheiten und schwacher Konjunktur fordert WK-Präsident Mandl konkrete Entlastungsmaßnahmen für heimische Betriebe.
Die österreichische Wirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen. Internationale Krisen, allen voran die jüngste Eskalation im Nahen Osten, bremsen die erwartete konjunkturelle Erholung deutlich ein. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat seine Wachstumsprognose für Österreich bereits nach unten korrigiert – ein deutliches Warnsignal für die heimische Wirtschaft.
Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, sieht angesichts dieser Entwicklungen dringenden Handlungsbedarf. "Besonders in dieser schwierigen Phase brauchen unsere Unternehmen spürbare Entlastungen", betont der WKK-Präsident. Die aktuellen Rahmenbedingungen setzen die Betriebe unter enormen Druck: Steigende Energiepreise sorgen für neuen Inflationsdruck, während gleichzeitig die internationale Unsicherheit Investitionen hemmt.
Im Zentrum von Mandls Forderungen steht eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten. Diese Belastung macht österreichische Unternehmen im internationalen Vergleich weniger wettbewerbsfähig und erschwert es, qualifizierte Arbeitskräfte zu halten oder neue zu gewinnen. "Eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie ein konsequenter Abbau bürokratischer Hürden sind entscheidend, um die Belastungen durch hohe Energie- und Rohstoffpreise abzufedern", erklärt Mandl.
Die hohen Lohnnebenkosten in Österreich gelten seit Jahren als Wettbewerbsnachteil. Während andere EU-Länder ihre Systeme bereits reformiert haben, hinkt Österreich bei notwendigen Strukturreformen hinterher. Für Kärntner Betriebe, die oft in direkter Konkurrenz zu Unternehmen aus Slowenien oder Italien stehen, ist diese Belastung besonders spürbar.
Neben der Kostenfrage pocht Mandl auf einen konsequenten Abbau bürokratischer Hürden. Komplexe Genehmigungsverfahren, überbordende Dokumentationspflichten und unklare Zuständigkeiten kosten Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen, die besser in produktive Tätigkeiten investiert wären.
"Die Betriebe brauchen jetzt Planungssicherheit und klare Signale, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen wollen", appelliert der Wirtschaftskammer-Präsident an die Bundesregierung. "Wir reden schon sehr lange darüber, weitere Verzögerungen können wir uns in der aktuellen Lage nicht mehr leisten."
Ein besonderes Augenmerk legt Mandl auf die Energieversorgung. Die stark gestiegenen Energiekosten belasten nicht nur private Haushalte, sondern setzen auch energieintensive Betriebe unter enormen Druck. Viele Unternehmen sehen sich gezwungen, ihre Produktion zu drosseln oder Standorte zu verlagern.
Als wichtigen Baustein für eine Trendwende sieht der WKK-Präsident das geplante Erneuerbare-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Dieses soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und Investitionen in erneuerbare Energien beschleunigen. "Beim Ausbau erneuerbarer Energien geht es längst nicht mehr nur um einen Beitrag zum Klimaschutz", betont Mandl.
"Eine nicht-fossile, günstige und verlässliche Energieversorgung ist ein zentraler Standortfaktor", führt Mandl weiter aus. "Sie stärkt die Versorgungssicherheit, reduziert Abhängigkeiten, schafft langfristig wettbewerbsfähige Energiepreise und erspart uns Milliarden, die wir für Öl und Gas an andere Länder bezahlen."
Kärnten verfügt über erhebliche Potenziale im Bereich erneuerbarer Energien – von der Wasserkraft über Photovoltaik bis hin zur Windenergie. "Deshalb müssen wir auch in Kärnten deutlich mehr Tempo machen", fordert Mandl. Die rasche Umsetzung von Energieprojekten könnte nicht nur die Energiekosten senken, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen und die regionale Wertschöpfung stärken.
Mandls Forderungen richten sich direkt an die Bundesregierung, die im Rahmen der kommenden Budgetentscheidungen die Weichen stellen muss. Die Zeit für Ankündigungen und Absichtserklärungen sei vorbei – jetzt seien konkrete Taten gefragt.
Die internationale Konkurrenzfähigkeit österreichischer Unternehmen steht auf dem Spiel. Während andere Länder bereits mit Entlastungspaketen auf die Krise reagiert haben, wartet die heimische Wirtschaft noch immer auf spürbare Reformen.
Die kommenden Monate werden entscheidend für die weitere Entwicklung der Kärntner Wirtschaft sein. Sollten die geforderten Maßnahmen umgesetzt werden, könnte das Bundesland seine traditionellen Stärken – die Nähe zu wichtigen Märkten in Südosteuropa und Italien sowie die hohe Innovationskraft vieler Betriebe – wieder voll ausspielen.
Ohne entsprechende Reformen droht jedoch eine weitere Verschlechterung der Wettbewerbsposition. Dies würde nicht nur Arbeitsplätze gefährden, sondern auch die Attraktivität Kärntens als Wirtschaftsstandort nachhaltig schwächen. Die Forderungen der Wirtschaftskammer sind daher nicht nur als Interessensvertretung zu verstehen, sondern als notwendige Maßnahmen zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft des Bundeslandes.