Einstimmiger Beschluss im Wirtschaftsausschuss soll rechtliche Hürden für Erdwärme beseitigen
Initiative der Grünen macht klimafreundliche Wärmegewinnung aus der Tiefe rechtlich möglich. Regierung muss nun konkreten Entwurf vorlegen.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Energiewende ist getan: Der Wirtschaftsausschuss des österreichischen Parlaments hat einstimmig einen Antrag der Grünen beschlossen, der den Weg für eine verstärkte Nutzung von Geothermie ebnen soll. Die Initiative zielt darauf ab, rechtliche Hürden zu beseitigen, die bisher eine umfassende Erschließung der heimischen Erdwärme verhindert haben.
"Nach wie vor erschweren rechtliche Hürden in Österreich, klimafreundliche Wärme aus der Tiefe zu gewinnen. Das macht uns abhängig von teuren Öl- und Gasimporten", erklärt Lukas Hammer, Energiesprecher der Grünen. Die aktuelle Energiekrise zeige deutlich, welche weitreichenden Probleme diese Abhängigkeit mit sich bringe: "Die Menschen leiden unter steigenden Preisen und die heimischen Betriebe geraten unter Druck."
Tatsächlich ist Österreich bei fossilen Energieträgern stark von Importen abhängig. Während die Preise für Öl und Gas in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind, schlummert unter österreichischem Boden ein enormes, bisher kaum genutztes Potenzial an erneuerbarer Energie. Geothermie könnte einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende leisten und die Abhängigkeit von volatilen Weltmarktpreisen reduzieren.
Das Problem liegt nicht primär in der technischen Machbarkeit oder mangelndem geologischem Potenzial, sondern in den rechtlichen Rahmenbedingungen. Während andere europäische Länder bereits erfolgreich auf Geothermie setzen, hinken die österreichischen Gesetze hinterher. Dies betrifft sowohl berg- als auch wasserrechtliche Bestimmungen, die eine Erschließung von Geothermiequellen erschweren oder sogar verhindern können.
"Es reicht nicht, dass sich die Regierung im Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) Ausbauziele für Geothermie setzt. Es braucht auch die notwendigen rechtlichen Anpassungen, damit Österreich die vorhandene Erdwärme auch endlich nutzt", betont Hammer die Diskrepanz zwischen politischen Zielen und rechtlicher Realität.
Dass der Antrag nun einstimmig beschlossen wurde, ist bemerkenswert, war der Weg dorthin doch nicht geradlinig. "Leider hat die Regierung unnötig viel Zeit verspielt und einen von uns bereits Ende 2025 eingebrachten Antrag abgelehnt", kritisiert Hammer den schleppenden politischen Prozess. Erst durch die Beharrlichkeit der Grünen sei es gelungen, alle Fraktionen für das Anliegen zu gewinnen.
Der einstimmige Beschluss im Wirtschaftsausschuss zeigt, dass das Thema Geothermie parteiübergreifend als wichtig erachtet wird. Dies ist ein positives Signal für die weitere Entwicklung der österreichischen Energiepolitik und könnte den Grundstein für eine beschleunigte Energiewende legen.
Österreich verfügt über beträchtliche geothermische Ressourcen. Besonders das Wiener Becken, die Molassezone und Teile der Steiermark weisen günstige geologische Bedingungen für die Nutzung von Erdwärme auf. Während oberflächennahe Geothermie bereits in Form von Wärmepumpen weit verbreitet ist, steckt die Tiefengeothermie noch in den Kinderschuhen.
Dabei könnte Tiefengeothermie nicht nur zur Wärmeversorgung von Einzelgebäuden, sondern auch für Fernwärmenetze und industrielle Prozesse genutzt werden. In anderen Ländern wie Island oder Deutschland werden bereits erfolgreich geothermische Kraftwerke betrieben, die sowohl Wärme als auch Strom liefern.
Die verstärkte Nutzung von Geothermie bietet auch wirtschaftliche Chancen. Investitionen in geothermische Anlagen schaffen nicht nur Arbeitsplätze in der Bauphase, sondern auch langfristige Beschäftigung im Betrieb und in der Wartung. Zudem könnte sich Österreich als Technologiestandort für Geothermie-Ausrüstung positionieren und Know-how exportieren.
Für Verbraucher bedeutet eine stärkere Nutzung heimischer Geothermie langfristig stabilere und möglicherweise günstigere Energiepreise. Anders als bei fossil befeuerten Heizungen sind bei geothermischen Anlagen die Betriebskosten weitgehend unabhängig von schwankenden Weltmarktpreisen.
Trotz des politischen Fortschritts bleiben Herausforderungen bestehen. Geothermie-Projekte erfordern hohe Anfangsinvestitionen und bergen geologische Risiken. Nicht jede Bohrung führt zu wirtschaftlich nutzbaren Ergebnissen. Daher sind entsprechende Förderinstrumente und Risikoabsicherungen notwendig, um private Investoren zu ermutigen.
Auch die öffentliche Akzeptanz spielt eine Rolle. Während oberflächennahe Geothermie kaum Widerstand hervorruft, können Tiefenbohrungen bei Anwohnern Bedenken auslösen. Eine transparente Kommunikation über Chancen und Risiken ist daher essentiell.
Mit dem Parlamentsbeschluss liegt nun der Ball bei der Bundesregierung. "Jetzt liegt der Ball bei der Regierung, die einen Entwurf vorlegen muss", macht Hammer deutlich. Die Erwartungshaltung ist klar: "Bei der Umsetzung braucht es mehr Tempo, damit die Wärmewende gelingt und die Heizkosten der Menschen dauerhaft sinken."
Die Regierung steht nun vor der Aufgabe, die politischen Vorgaben in konkrete Gesetzestexte zu übersetzen. Dabei müssen verschiedene Rechtsbereiche koordiniert werden, von Berg- und Wasserrecht bis hin zu Raumordnung und Umweltschutz. Eine schnelle und durchdachte Umsetzung wird entscheidend dafür sein, ob Österreich sein geothermisches Potenzial in den kommenden Jahren tatsächlich ausschöpfen kann.
Der Beschluss zur Geothermie-Förderung ist ein wichtiger Baustein in Österreichs Energiestrategie. Zusammen mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie sowie Verbesserungen bei der Energieeffizienz könnte Geothermie dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten.
Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, wie schnell und umfassend die rechtlichen Anpassungen erfolgen. Die einstimmige Unterstützung im Parlament ist ein positives Signal, dass das Thema Geothermie endlich die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Jetzt kommt es darauf an, aus politischen Absichtserklärungen konkrete Taten folgen zu lassen.