Ursula Berner sieht "unausgereiften Entwurf mit gravierenden Lücken"
Die Grünen Wien kritisieren den Entwurf zur Novelle des Kinder- und Jugendhilfegesetzes als unzureichend und fordern bessere Arbeitsbedingungen.
Die Grünen Wien üben Kritik am vorliegenden Entwurf zur Novellierung des Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Ursula Berner, Familiensprecherin der Grünen Wien, sagt: "Was als großer Wurf für den Kinderschutz verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als unausgereifter Entwurf mit gravierenden Lücken."
Laut Berner liegt der Schwerpunkt der geplanten Novelle auf Kontrolle, Verpflichtungen sowie einer engeren Zusammenarbeit mit der Polizei. Im Entwurf soll künftig auch Personen in Ausbildung als Sozialpädagog:innen arbeiten dürfen. Diese Möglichkeit kritisiert Berner; auch die Gewerkschaft younion äußert Bedenken.
Berner betont, der Personalmangel lasse sich nicht durch niedrigere Qualifikationsstandards lösen. Stattdessen fordert sie bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, höhere Personalschlüssel und Entlastung im Alltag.
Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe befindet sich nach Ansicht der Grünen seit Jahren in einer Dauerkrise, die sich zuletzt zur akuten Notlage zugespitzt hat. Unter diesen Voraussetzungen erscheint es den Grünen unwahrscheinlich, dass echter Kinder- und Jugendschutz an allen Standorten Wiens sichergestellt werden kann.
Nach Ansicht der Grünen verankert der vorliegende Gesetzesvorschlag nicht ausreichend:
Die Grünen Wien fordern einen Neustart der Kinder- und Jugendhilfe in Wien mit folgenden Punkten, die auch im OTS genannt werden:
Die Pädagog:innen brauchen eine Bezahlung, die ihrer Verantwortung gerecht wird, sowie die Einhaltung der Ruhe- und Erholungszeiten.
Die Grünen fordern weniger Bürokratie und mehr Zeit sowie gute Supervision für die Arbeit mit hochbelasteten Jugendlichen.
Gefordert wird der Ausbau qualitativ hochwertiger ambulanter Angebote für Familien, damit Sozialarbeiter:innen nicht aus Mangel an Alternativen Kinder in die Krisenpflege nehmen müssen.
Die Grünen sprechen sich für Vorrang von Kleinstgruppenbetreuung statt Groß-WGs aus. Im OTS heißt es, Groß-WGs mit 8 bis 13 Jugendlichen seien "aus der Zeit gefallen" und es brauche für besonders gefährdete Jugendliche individuell zugeschnittene Wohnformen.
Die Grünen fordern eine Neuaufsetzung der Krisenzentren; im OTS wird die chronische Überbelegung und angespannte Personalsituation als nicht mehr tragbar beschrieben.