ETÖ: Geopolitische Konflikte zeigen Schwächen des konventionellen Ernährungssystems auf
Steigende Energie- und Düngerpreise belasten Lebensmittelproduktion. Bio-Landwirtschaft bietet mehr Stabilität und Unabhängigkeit.
Die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten machen sich nicht nur an den Tankstellen bemerkbar. Auch die Lebensmittelpreise stehen unter Druck, da die gesamte Produktionskette von steigenden Energiekosten und Transportpreisen betroffen ist. Besonders drastisch zeigt sich dies bei den Kunstdüngerpreisen, die derzeit die Kosten der konventionellen Landwirtschaft massiv in die Höhe treiben.
"Diese Entwicklung legt erneut eine zentrale Schwäche unseres Ernährungssystems offen: seine Abhängigkeit von fossiler Energie, fragilen globalen Lieferstrukturen und externen Betriebsmitteln. All das gefährdet die Versorgungssicherheit im Lebensmittelbereich", warnt Andreas Achleitner, Obmann von Enkeltaugliches Österreich (ETÖ). "Ein wesentlicher Weg zur Stärkung der Resilienz führt über die bioregionale Landwirtschaft, denn Bio ist unabhängiger", ergänzt er.
Die konventionelle Landwirtschaft ist in hohem Maße von externen Faktoren abhängig: energieintensive Kunstdüngerproduktion auf Basis fossiler Rohstoffe, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Futtermittelimporte aus Übersee machen das System anfällig für globale Krisen und Preisschwankungen.
"Bio ist deutlich weniger anfällig für die Folgen geopolitischer Krisen. Biobäuerinnen und Biobauern setzen auf Fruchtfolgen, Humusaufbau und weiter geschlossene Nährstoffkreisläufe. Diese Produktionsweise reduziert die Anfälligkeit gegenüber externen Preisschocks und macht das System insgesamt robuster", erklärt Markus Leithner, strategischer Leiter von ETÖ.
In jüngster Vergangenheit haben sich Bio-Lebensmittel aus den genannten Gründen in Krisenphasen deutlich preisstabiler gezeigt und dadurch als Inflationsbremse im Lebensmittelregal gewirkt. So ist nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 der Preisanstieg bei Bio-Lebensmitteln im Supermarkt deutlich geringer ausgefallen: 7,5 Prozent bei Bio-Lebensmitteln gegenüber 11,5 Prozent bei konventionell produzierten Lebensmitteln (Quelle: RollAMA).
"Bio ist ein strategischer Baustein für die Stabilität des Ernährungssystems in Österreich. Von der Politik erwarten wir uns daher, dass sie die Bio-Landwirtschaft als wichtigen Bestandteil zur Versorgungssicherheit anerkennt und die Rahmenbedingungen für Bio deutlich verbessert", fordert Obmann Achleitner.
Ein Beispiel ist der "Aktionsplan Nachhaltige Beschaffung" (NaBe). Seit 2025 sollen mindestens 30 Prozent der Lebensmittel in Einrichtungen des Bundes in Bio-Qualität eingekauft werden. Dieser Wert wird nach Ansicht von ETÖ derzeit meist verfehlt.
Auch beim Ausbau der Bio-Fläche hinkt die Politik den selbst gesetzten Zielen deutlich hinterher. Bis 2030 sollen 35 Prozent Bio-Anteil an der Fläche erreicht werden, Stand jetzt sind es 27 Prozent. "Jetzt muss die Politik in die Gänge kommen. Denn wenn es um die Erhöhung der Krisenfestigkeit in der Lebensmittelversorgung geht, führt kein Weg an einer Stärkung von Bio vorbei", betont Leithner abschließend.