Zurück
OTS-MeldungWirtschaft und Finanzen/Bildung/Arbeit/Arbeitsmarkt/Forschung/Erwachsenenbildung/Human Ressources

Studie zeigt: Wissen bleibt in Unternehmen oft hängen

Hernstein Management Report deckt Defizite beim Wissenstransfer auf

7. April 2026 um 08:01
Teilen:

60% der Führungskräfte sehen mangelnden Wissenstransfer in ihren Unternehmen. Neue Studie zeigt Handlungsbedarf bei internem Know-how.

Eine aktuelle Studie des Bildungsinstituts Hernstein der FHWien der Wirtschaftskammer Wien zeigt alarmierende Defizite beim Wissenstransfer in österreichischen und deutschen Unternehmen auf. Rund 60 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass erworbenes Wissen von Mitarbeitenden häufig kaum an nachfolgende Personen oder im Kollegenkreis weitergegeben wird. Für den Hernstein Management Report wurden 1.600 Führungskräfte in Deutschland und Österreich zu den Themen Lernen und Wissensweitergabe befragt.

Strukturelle Verankerung fehlt oft

"Wissensweitergabe ist in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert", erklärt Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement des Bildungsinstituts Hernstein. Die Expertin sieht mehrere Ursachen für die problematische Situation: "Wenn Wissen stark an einzelne Personen gebunden bleibt, kann das unterschiedliche Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen oder Unsicherheit darüber, wie Wissen geteilt werden soll."

Besonders problematisch ist laut Fantl, dass dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. "In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren", warnt die Expertin. Als Lösung schlägt sie systematisches Wissensmanagement vor, das jedoch eine entsprechende Unternehmenskultur voraussetzt: "Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die Austausch fördert und von der Führungsebene aktiv getragen wird."

Qualifikationsdefizite bei Neueinstellungen verschärfen Problem

Die Situation wird durch ein weiteres Problem verschärft: Rund sieben von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass neue Mitarbeitende nicht ausreichend qualifiziert in die Unternehmen kommen. "Ein möglicher Grund dafür ist der Fachkräftemangel in vielen Branchen, zugleich gewinnen unternehmensspezifische Anforderungen an Bedeutung", erklärt Fantl.

Unternehmen sind daher verstärkt gefordert, in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden zu investieren. Das beginnt bei der dualen Berufsausbildung für Auszubildende, betrifft aber ebenso Einarbeitungs- oder Qualifizierungsprogramme sowie Learning-on-the-Job.

Informelles Lernen dominiert Weiterbildungslandschaft

Die Studie zeigt auch interessante Einblicke in die bevorzugten Lernformen österreichischer und deutscher Führungskräfte. 84 Prozent der Befragten messen dem Lernen im Arbeitsalltag und dem informellen Informationsaustausch große Bedeutung zu – in Österreich mit 88 Prozent deutlich mehr als in Deutschland mit 81 Prozent.

Formale Lernformate bleiben dennoch relevant: Interne Schulungen erreichen 75 Prozent Zustimmung, externe Schulungen werden von 60 Prozent als wichtiger Bestandteil der Kompetenzentwicklung gesehen. "Informeller Austausch und kollegiale Beratung ermöglichen einen unmittelbaren Wissenstransfer im Arbeitskontext und fördern Zusammenarbeit und Vertrauenskultur", erklärt Fantl die Bedeutung des informellen Lernens.

Gleichzeitig warnt sie vor den Risiken dieser Herangehensweise: "Informelles Lernen ist dabei häufig stark von einzelnen Personen abhängig. Ohne klare Standards oder Dokumentation besteht das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert wird." Mit steigender Managementebene gewinne daher auch die gezielte externe Weiterbildung weiter an Bedeutung.

Kontinuierliche Weiterbildung wird zur Notwendigkeit

Drei Viertel der Führungskräfte sind der Ansicht, dass laufende Weiterbildung der Mitarbeitenden aufgrund der raschen Veränderungen notwendig ist. Je höher die Führungsebene, desto stärker wird diese Ansicht vertreten. Die wichtigsten Treiber für verstärkte Weiterbildung sind:

  • Gestiegene Bedeutung von Soft Skills sowie veränderte Anforderungen an Mitarbeiterführung (19 Prozent)
  • Schnelllebigkeit und ständige Veränderung (17 Prozent)
  • Höhere Komplexität von Prozessen und Aufgaben (14 Prozent)

"Acht von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte", berichtet Fantl über die monetären Erwartungen der Befragten. Dies zeigt, dass Weiterbildung nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als Investition in die eigene Karriere gesehen wird.

Hindernisse für Weiterbildung

Trotz der erkannten Wichtigkeit von Weiterbildung gibt es auch Hindernisse. Als Hauptursachen dafür, dass Unternehmen dem Bereich Weiterbildung eine sinkende Bedeutung zuschreiben, wurden genannt:

  • Hohe Kosten (21 Prozent)
  • Mangel an passenden Angeboten (19 Prozent)

Gefragte Weiterbildungsthemen

Bei der Frage nach gewünschten Weiterbildungsthemen stehen Social Skills mit 13 Prozent an der Spitze, gefolgt von Krisen- und Konfliktmanagement mit 10 Prozent. "Bei der Weiterbildungsform bevorzugen die befragten Führungskräfte am stärksten Präsenzformate; ob unternehmensintern oder extern ist dabei nicht relevant", fasst Fantl die Präferenzen zusammen.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass österreichische und deutsche Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen beim Wissensmanagement stehen. Während informelles Lernen und Learning by Doing eine wichtige Rolle spielen, fehlt es oft an strukturierten Ansätzen zur Wissenssicherung und -weitergabe.

Unternehmen sollten daher in systematische Wissensmanagement-Systeme investieren und eine Kultur des Wissensteilens fördern. Besonders wichtig sind strukturierte Offboarding-Prozesse und die Dokumentation von Wissen. Nur so kann verhindert werden, dass wertvolles Know-how mit ausscheidenden Mitarbeitenden verloren geht.

Der Hernstein Management Report wird seit über 20 Jahren jährlich durchgeführt und erhebt ein Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern. Die aktuelle Befragung wurde online von Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung durchgeführt und hat eine maximale Schwankungsbreite von +/- 2,5 Prozent.

Schlagworte

#Weiterbildung#Wissenstransfer#Führungskräfte#Hernstein#Management#Qualifikation#Learning#Unternehmen

Weitere Meldungen

OTS
Wirtschaftsstandort

Österreichs Kapitalmarkt hinkt international hinterher

7. Apr. 2026
Lesen
OTS
Umwelt

EABG-Gesetzesentwurf: Umweltschützer warnen vor rechtlichem Chaos

7. Apr. 2026
Lesen
OTS
Umwelt

EABG-Entwurf unter heftiger Kritik vor Ausschusssitzung

7. Apr. 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen