Lange Wartezeiten und sinkende Zufriedenheit – Analyse der aktuellen Probleme
Das österreichische Gesundheitssystem steht unter Druck: Wartezeiten steigen, Zufriedenheit sinkt von 84 auf 63 Prozent. Ein ORF-Report deckt die Ursachen auf.
Das österreichische Gesundheitssystem steht vor erheblichen Problemen: Lange Wartezeiten für Kassenpatienten, Hinweise auf eine Zweiklassenversorgung und sinkende Patientenzufriedenheit prägen die Berichte aus Ordinationen und Spitälern.
In den vergangenen 24 Jahren ist die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem laut einer OGM-Befragung von 84 auf 63 Prozent gesunken; zugleich hat sich der Anteil der Unzufriedenen von 15 auf 36 Prozent erhöht.
ORF-Report-Moderator Yilmaz Gülüm hat für eine Spezialausgabe rund 100 Menschen zu ihren Erfahrungen befragt. Die Beschwerden reichten von "Ein halbes Jahr auf einen Termin warten" bis zu Aussagen wie "Beim Wahlarzt habe ich binnen 14 Tagen einen Termin gehabt."
Die Zahl der Kassenärztinnen und Kassenärzte stagniert laut Bericht seit Jahrzehnten, während sich die Zahl der Wahlärztinnen und Wahlärzte in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt hat. In der Straßenumfrage heißt es: "Die Wahlarztzentren schießen wie Schwammerl aus dem Boden."
Reporter Patrick Gruska und Emanuel Liedl baten einen Kassenarzt in Niederösterreich und eine Wahlärztin in der Steiermark um ihre Einschätzungen und konfrontierten Vertreter der Gesundheitskasse und der Ärztekammer mit ihren Recherchen.
Als Beispiel für notwendige Strukturentscheidungen wird die Schließung einer Spitalsabteilung in Bad Aussee genannt; Patientinnen und Patienten werden künftig am Standort Bad Ischl versorgt. Gesundheitsökonom Thomas Czypionka wird in der Sendung mit der Aussage zitiert: "Jetzt ist eigentlich die letzte Chance, noch etwas zu verändern, bevor wir wirklich große Probleme bekommen."
Im Interview spricht der ehemalige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) darüber, warum Gesundheitsreformen schwer umzusetzen sind und warum jetzt ein Fenster für einen größeren Reformschritt offenstehen könnte.
2024 wurden laut OTS-Bericht mehr als 43 Millionen Euro ausgegeben – lediglich 2,3 Prozent davon für Prävention. Zudem gehen laut Bericht nur 15 Prozent der Bevölkerung jährlich zur Vorsorgeuntersuchung. Die Sendung fragt, warum Österreich relativ wenig in Prävention investiert und welche Folgen das hat.
Der Bericht thematisiert den "Wirrwarr an Kompetenzen und Geldströmen" zwischen verschiedenen Kostenträgern und Ebenen, der Reformen erschwert. Die Sendung geht der Frage nach, warum Generationen von Gesundheitsministern an Reformen gescheitert sind und wie ein neues Ordnungsprinzip aussehen könnte.
Die ORF-Sendung "Report Spezial" zum Thema "Wer zahlt – kommt dran: Woran das Gesundheitssystem leidet" wird am 7. April um 21.10 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON ausgestrahlt. Moderator Yilmaz Gülüm und sein Team sprechen mit Betroffenen, Expertinnen und Experten sowie mit politischen Ansprechpartnern.