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Hotelbau braucht Konzept statt Improvisation

ÖHV-Forum in Lech zeigt neue Strategien für erfolgreiche Hotelbauten

2. April 2026 um 09:31
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Experten warnen vor kostspieligen Planungsfehlern und zeigen alternative Finanzierungsmodelle für die österreichische Hotellerie auf.

Die Zeiten des spontanen Umbauens und Improvisierens sind in der österreichischen Hotellerie endgültig vorbei. Das wurde beim ersten ÖHV-Forum des Jahres in Lech deutlich, wo 120 Teilnehmer aus Top-Betrieben ganz Österreichs über die Herausforderungen modernen Hotelbaus diskutierten.

"Alle paar Jahre umbauen ist zu teuer", betonte Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung, bei der Veranstaltung in den Lechwelten. Die massiven Kostensteigerungen der vergangenen Jahre zwingen die Branche zu einer völlig neuen Herangehensweise an Bauprojekte.

Steuerlast bremst Investitionen aus

Ein wesentlicher Kostenfaktor ist die hohe Steuerlast in Österreich. Veit wählte einen drastischen Vergleich: "Daneben sieht das Burj Khalifa mickrig aus. Aber anders als moderne Hochhäuser haben unsere Staatsfinanzen weder ein stabiles Fundament noch Echtzeit-Überwachungssysteme." Die Branche brauche keine neuen Belastungen, sondern eine "Steuer-Architektur, die die nächsten Jahrzehnte übersteht".

Oswald Jäger, ÖHV-Landesvorsitzender in Vorarlberg und Gastgeber der Veranstaltung, unterstrich die Notwendigkeit langfristiger Planungsstrategien angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Konzept vor Optik: Hotels als Ertragsimmobilien denken

Arnold Harrasser von Michaeler & Partner machte deutlich, worauf es wirklich ankommt: "Nicht Größe oder Optik entscheidet über Erfolg, sondern ein sauberes Konzept. Hotels müssen konsequent als Ertragsimmobilie gedacht werden." Entscheidend sei, früh zu klären, welche Flächen tatsächlich Wert schaffen.

Die Reihenfolge ist dabei entscheidend: Erst planen, dann ausschreiben. "Mit einem professionell aufgestellten Team, klaren Zuständigkeiten und möglichst hoher Präzision vor Baubeginn", so Harrasser weiter.

Abläufe planen statt Räume

Einrichter Josef Göbel brachte es auf eine prägnante Formel: "Planen Sie Abläufe, nicht Räume!" Projekte scheiterten nicht spektakulär, sondern schleichend, weil schlechte Planung jeden Tag gegen den Betrieb arbeite.

Seine Empfehlung: Räume erst entwickeln, wenn klar ist, wie Frühstück, Housekeeping und Warenlogistik im täglichen Betrieb funktionieren. "Mitarbeiter kennen die Realität, wissen, wo Zeit verloren geht, wo Prozesse stocken, was falsch geplant wurde."

Barbara Winkler, ÖHV-Landesvorsitzende in Tirol, ergänzte: "Bauentscheidungen beweisen sich nicht in Plänen, sondern im täglichen Betrieb." Zielgruppenorientierung, passende Materialien und ein klarer Blick auf Gästebedürfnisse seien keine Detailfragen, sondern Voraussetzung für funktionierende Investitionen.

Finanzierung: Vorbereitung entscheidet über Erfolg

Bei der Finanzierung größerer Projekte ist nicht nur die Förderfähigkeit entscheidend, sondern auch die Qualität der Vorbereitung, wie OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer betonte. Zu knapp kalkulierte Vorlaufzeiten, unvollständige Unterlagen oder das Übersehen von Förder-Auflagen seien vermeidbare Fehler.

"Vorbereitung ist der Schlüssel", fasste Matzer zusammen und gab einen Überblick über die aktuelle Förderlandschaft für Hotelprojekte.

Crowdinvesting als Alternative

CONDA-Co-CEO Daniel Horak stellte Crowdinvesting als interessante Alternative vor, "wo Eigenmittel knapp sind und Banken restriktiv agieren". Das Modell biete einen doppelten Vorteil: "Es bindet Gäste als Investoren und stärkt die Liquidität im Betrieb."

Gerade in Top-Destinationen bedeuten große Investitionsvolumina nicht automatisch mehr Spielraum, wie eine Bankenrunde mit Vertretern von OeHT, CONDA und Jürgen Schwarzl von der Sparkasse Bludenz zeigte. Die Runde wurde von Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, moderiert.

Diversifikation als strategische Notwendigkeit

Konsens herrschte darüber, dass Liquidität heute durch den optimalen Mix verschiedener Finanzierungsformen entsteht: Eigenmittel, Bankfinanzierung, Förderungen und alternative Modelle müssen klug kombiniert werden. Diversifikation wird damit zur strategischen Notwendigkeit für erfolgreiche Hotelprojekte.

Die Bankvertreter bestätigten, dass gut vorbereitete Projekte mit durchdachtem Konzept deutlich bessere Chancen auf eine Finanzierungszusage haben. Improvisation und Last-Minute-Planungen hingegen erschweren sowohl die Kreditvergabe als auch die erfolgreiche Projektabwicklung.

Weitere ÖHV-Foren bereits geplant

Das ÖHV-Forum "Bauen und finanzieren" war das erste von drei Veranstaltungen in diesem Jahr. Die nächsten Termine stehen bereits fest:

  • 24. Juni: Hotel Gut Brandlhof in Saalfelden zum Thema Longevity
  • 8. Oktober: Wien zum Thema Arbeitsmarkt

Für ÖHV-Mitglieder sind alle Veranstaltungen kostenlos. Anmeldung und weitere Informationen sind unter www.oehv.at/forum verfügbar.

Die hohe Teilnehmerzahl von 120 Personen aus ganz Österreich zeigt das große Interesse der Branche an fundierten Strategien für Bauprojekte. Nach Jahren der Improvisation setzt die Hotellerie verstärkt auf professionelle Planung und durchdachte Konzepte.

Die Veranstaltung in Lech macht deutlich: Erfolgreicher Hotelbau erfordert heute mehr denn je eine ganzheitliche Betrachtung von Konzept, Finanzierung und Betriebsabläufen. Wer diese Faktoren von Beginn an mitdenkt, hat bessere Chancen auf langfristigen Erfolg in einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld.

Schlagworte

#Hotellerie#Tourismus#Bauwesen#Finanzierung#ÖHV

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