PHAGO-Radar zeigt stabiles erstes Quartal - sechs Indikationsgruppen unter Beobachtung
Österreichs Arzneimittel-Vollgroßhandel sieht trotz Nahost-Krieg keine akuten Versorgungsengpässe. Sechs Medikamentengruppen stehen jedoch unter Beobachtung.
Trotz der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten zeigt der österreichische Arzneimittelmarkt im ersten Quartal 2024 eine stabile Versorgungslage. Die PHAGO (Pharmazeutischer Großhandel Österreich) meldet keine versorgungskritischen Einschränkungen, obwohl sechs spezielle Indikationsgruppen weiterhin unter Beobachtung stehen.
Aufgrund der Anfälligkeit der Lieferketten durch den Krieg im Nahen Osten haben die österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler präventive Maßnahmen ergriffen. In den 23 Arzneimittellagern der PHAGO-Mitglieder werden derzeit 12 Millionen Packungen bevorratet - eine strategische Reserve, die für Stabilität sorgt.
"Aktuell stellen wir keine Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Verfügbarkeit von Arzneimitteln oder Medizinprodukten fest", berichtet PHAGO-Generalsekretärin Monika Vögele. Diese Aussage unterstreicht die Wirksamkeit der getroffenen Sicherheitsvorkehrungen und die Robustheit der österreichischen Versorgungsstrukturen.
Nach Warnungen aus Deutschland, wonach medizinische Schutzausrüstung - insbesondere Schutzhandschuhe - wegen der Eskalation am Persischen Golf bald knapp werden könnte, haben die PHAGO-Vollgroßhändler ihr Monitoring entsprechend erweitert. Diese proaktive Überwachung soll sicherstellen, dass auch in diesem sensiblen Bereich rechtzeitig reagiert werden kann.
Die deutsche Warnung bezieht sich hauptsächlich auf Produktionsstandorte in Asien, die durch die geopolitischen Spannungen betroffen sein könnten. Österreich zieht daraus präventive Lehren, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.
Der Arzneimittel-Radar der PHAGO-Vollgroßhändler zeigt für das erste Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahr eine erfreuliche Entwicklung. Der Anteil der Arzneimittel, die als lieferkritisch eingestuft werden, hat sich in den meisten Indikationsgebieten deutlich verbessert.
Besonders positive Nachrichten gibt es bei lebenswichtigen Medikamenten: 94 Prozent aller Herz-Kreislauf-Medikamente sind problemlos erhältlich. Auch bei Antibiotika und Antirheumatika ist die Versorgungslage nahezu vollständig stabil. Diese Entwicklung ist besonders wichtig, da diese Medikamentengruppen für die Grundversorgung der Bevölkerung essentiell sind.
Die verbesserte Versorgungslage ist das Ergebnis koordinierter Anstrengungen zwischen Herstellern, Großhändlern und Behörden. Durch bessere Kommunikation entlang der Lieferkette und strategische Bevorratung konnten viele der Engpässe des Vorjahres erfolgreich bewältigt werden.
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung stehen sechs spezielle Medikamentengruppen weiterhin unter verstärkter Beobachtung der PHAGO-Vollgroßhändler:
Bei blutstillenden Arzneimitteln droht der Nachschub zu stocken. Diese Medikamente sind besonders in der Notfallmedizin und bei chirurgischen Eingriffen unerlässlich. Die Vollgroßhändler arbeiten eng mit den Herstellern zusammen, um alternative Bezugsquellen zu identifizieren und die Versorgung sicherzustellen.
Ein Viertel aller Augentropfen wird weiterhin als lieferkritisch eingestuft. Dies betrifft sowohl rezeptfreie als auch verschreibungspflichtige Präparate. Patienten mit chronischen Augenerkrankungen könnten besonders betroffen sein, weshalb Ärzte und Apotheker alternative Therapieoptionen prüfen sollten.
Bei Insulin und oralen Antidiabetika sind über 40 Prozent der Präparate als lieferkritisch eingestuft. Angesichts der steigenden Diabetes-Prävalenz in Österreich ist dies ein besonders sensibles Thema. Die Vollgroßhändler arbeiten an Lösungen, um die Versorgung der rund 600.000 Diabetes-Patienten in Österreich sicherzustellen.
Einzelne Schlaf- und Beruhigungsmittel stehen unter Beobachtung, ebenso wie spezielle Arzneimittel für Pankreatitis, die bereits kontingentiert ausgeliefert werden müssen. Auch einzelne Hormonersatztherapien sind von Engpässen betroffen, was insbesondere Frauen in den Wechseljahren betrifft.
Die PHAGO-Mitglieder haben verschiedene Strategien entwickelt, um mit den identifizierten Engpässen umzugehen. Dazu gehört die kontingentierte Auslieferung bestimmter Medikamente, um eine sachgerechte Verteilung sicherzustellen und Hamsterkäufe zu verhindern.
Gleichzeitig werden alternative Bezugsquellen erschlossen und die Kommunikation mit Herstellern intensiviert. Die Vollgroßhändler arbeiten auch eng mit den Apotheken zusammen, um bei Engpässen schnell auf Alternativpräparate umstellen zu können.
Österreich profitiert von der engen Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union bei der Überwachung von Arzneimittelengpässen. Das europäische Meldesystem ermöglicht es, frühzeitig auf Probleme in anderen Ländern zu reagieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Das kontinuierliche Monitoring der Versorgungslage durch die PHAGO stellt sicher, dass sich abzeichnende Probleme frühzeitig erkannt und angegangen werden können. Diese Transparenz ist ein wichtiger Baustein für die Sicherheit der österreichischen Arzneimittelversorgung.
Für die kommenden Monate rechnen die Experten mit einer weiteren Stabilisierung der Versorgungslage, sofern sich die geopolitische Situation nicht dramatisch verschlechtert. Patienten werden dazu angehalten, ihre Medikamente nicht zu horten, sondern nur den normalen Bedarf zu decken.
Apotheken und Ärzte sollten bei den identifizierten Problemgruppen verstärkt auf mögliche Alternativen hinweisen und Patienten entsprechend beraten. Die enge Kommunikation zwischen allen Beteiligten bleibt der Schlüssel für eine erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen.
Die PHAGO wird ihr Monitoring-System weiter ausbauen und regelmäßig über die Entwicklung der Versorgungslage informieren. So können alle Akteure im Gesundheitswesen rechtzeitig auf Veränderungen reagieren und die bestmögliche Patientenversorgung sicherstellen.