WKÖ fordert Gewerbediesel-Rabatt - Schulbusse könnten eingestellt werden
41% Dieselpreis-Anstieg seit Jahresbeginn belastet österreichische Transporteure mit 130 Millionen Euro Mehrkosten pro Monat.
Die österreichische Transportbranche steht vor enormen Herausforderungen: Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis von 1,49 Euro auf 2,11 Euro pro Liter gestiegen - ein Anstieg von über 41 Prozent. Diese Kostenexplosion bringt Güterbeförder, Kleintransporteure, Taxiunternehmen und Busbetriebe massiv unter Druck.
Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), rechnet vor: "Das bedeutet für unsere Transport- und Busunternehmen Mehrkosten von rund 130 Millionen Euro im Monat. Das ist ein Betrag, den die Unternehmen nicht lange stemmen werden können."
Die dramatische Kostensteigerung trifft eine Branche, die bereits seit längerem mit strukturellen Problemen kämpft. Schon vor dem jüngsten Dieselpreis-Anstieg belasteten steigende Energiepreise, höhere Mautkosten und die CO₂-Abgabe die Unternehmen. Die versprochene Kompensation der CO₂-Abgabe für den Transportsektor blieb jedoch aus.
Die schwierige Situation spiegelt sich in den aktuellen Branchenzahlen wider: 2025 sank das Transportaufkommen österreichischer Straßengüterverkehrsunternehmen um rund 2 Prozent auf 359 Millionen Tonnen. Die Transportleistung ging um 0,6 Prozent auf 25,9 Milliarden Tonnenkilometer zurück.
"Damit verzeichnet die Branche bereits das vierte Minus in Folge, das sollte allen ein Warnsignal sein", warnt Klacska. Diese Entwicklung zeigt, dass die österreichische Transportwirtschaft zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Besonders dramatisch ist die Lage bei privaten Busunternehmen. Viele sehen sich nicht mehr in der Lage, Schülertransporte anzubieten. Dies könnte weitreichende Folgen für das österreichische Bildungssystem haben, wenn Kinder und Jugendliche in ländlichen Gebieten nicht mehr zuverlässig zur Schule gebracht werden können.
Die Problematik erstreckt sich über die gesamte Transportbranche:
Als Lösung fordert Klacska die sofortige Einführung eines Gewerbediesels für die gesamte Branche. "Das heißt, die Steuermehreinnahmen, die der aktuelle Preisanstieg dem Finanzminister beschert, müssen 1:1 zurückgegeben werden", erklärt der WKÖ-Vertreter.
Die derzeitigen Maßnahmen der sogenannten Spritpreisbremse reichen nach Ansicht der Wirtschaftskammer bei weitem nicht aus. Stattdessen sollten deutlich weitergehende Entlastungen greifen:
Klacska hat bereits konkrete Berechnungen angestellt: "Das könnte ganz einfach in Form einer pauschalen Rückvergütung erfolgen. Berechnet nach dem aktuellen Preisanstieg würden die Unternehmen damit 205 Euro pro 1000 Liter gewerblich getanktem Diesel zurückbekommen."
Die aktuelle Dieselpreis-Krise verstärkt strukturelle Probleme, mit denen die österreichische Transportbranche bereits seit Jahren konfrontiert ist. Die kontinuierlich steigenden Betriebskosten haben die Gewinnmargen der Unternehmen stark unter Druck gesetzt.
Gleichzeitig steht die Branche vor dem Dilemma, dass notwendige Investitionen in umweltfreundlichere Technologien zusätzliche finanzielle Belastungen bedeuten. Die Transformation hin zu alternativen Antrieben erfordert erhebliche Kapitalaufwendungen, die viele Unternehmen angesichts der aktuellen Kostensituation kaum stemmen können.
Die Probleme der Transportbranche haben weitreichende Konsequenzen für die gesamte österreichische Wirtschaft. Als Schlüsselbranche für die Versorgung von Handel, Industrie und Verbrauchern könnte eine weitere Schwächung des Transportsektors zu Lieferengpässen und Preissteigerungen führen.
Besonders betroffen wären:
Die WKÖ drängt auf schnelle politische Entscheidungen. "Wir brauchen eine umgehende und spürbare Entlastung für die gesamte Branche", betont Klacska. Die Zeit dränge, da viele Unternehmen bereits an ihre Belastungsgrenze gestoßen seien.
Die Forderung nach einem Gewerbediesel ist nicht neu, erhält aber durch die aktuelle Preisexplosion neue Dringlichkeit. Ähnliche Modelle existieren bereits in anderen europäischen Ländern und haben dort zur Stabilisierung der Transportwirtschaft beigetragen.
Ohne rasche Maßnahmen befürchtet die Wirtschaftskammer eine weitere Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Transportunternehmen gegenüber ausländischen Konkurrenten, die von niedrigeren Treibstoffpreisen oder staatlichen Unterstützungen profitieren.