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Nur Schoko-Hasen gehören ins Osternest

Wiener Tierschützer warnen vor Spontankäufen von Kaninchen zu Ostern

2. April 2026 um 08:01
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Tierschutzombudsstelle und TierQuarTier Wien appellieren: Tiere sind keine Geschenke! Kaninchen landen oft vom Osternest direkt ins Tierheim.

Jedes Jahr zur Osterzeit wiederholt sich dasselbe traurige Schauspiel: Kaninchen werden als süße "Oster-Überraschung" verschenkt und landen wenige Wochen später im Tierheim. Die Tierschutzombudsstelle Wien und das TierQuarTier Wien schlagen nun Alarm und warnen eindringlich vor spontanen Tierkäufen zu Ostern.

Dramatische Einzelschicksale zeigen das Problem auf

Wie ernst die Lage ist, verdeutlicht der Fall von Kaninchen Aranyos aus dem TierQuarTier Wien. Das Tier wurde in einem Karton neben Müllcontainern gefunden – mit einer schweren Beinfraktur, die eine Operation in einer Tierklinik erforderlich machte. "Solche Fälle lassen vermuten, dass Tiere ausgesetzt werden, wenn ihre Haltung oder medizinische Versorgung aufwendiger wird als erwartet", erklärt Thomas Benda, Betriebsleiter des TierQuarTier Wien.

Der Fall Aranyos steht stellvertretend für viele andere Tiere, die jährlich nach Ostern in Wiener Tierheimen landen. Was als vermeintlich liebevolles Geschenk beginnt, endet oft in Überforderung und Vernachlässigung.

Kaninchen: Anspruchsvoll statt kuschelig

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Kaninchen seien unkomplizierte Kuscheltiere für Kinder. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: Die Langohren sind äußerst anspruchsvolle Haustiere mit komplexen Bedürfnissen.

"Kaninchen sind keine Kuscheltiere für Kinder, sondern sensible Tiere mit eigenen Bedürfnissen", betont Eva Persy, Wiener Tierschutzombudsfrau. "Sie brauchen ein Umfeld, in dem sie ihr natürliches Verhalten ausleben können. Wer ihnen ein Zuhause gibt, übernimmt Verantwortung für ein ganzes Tierleben – und diese Entscheidung sollte gut überlegt sein."

Was Kaninchen wirklich brauchen

Die artgerechte Haltung von Kaninchen erfordert weitaus mehr als viele Menschen annehmen. Die Tiere benötigen ausreichend Platz zur freien Bewegung, Artgenossen für soziale Kontakte sowie eine Umgebung, die ihren natürlichen Instinkten entspricht. In einer durchschnittlichen Wohnung kann es durchaus herausfordernd sein, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Kaninchen sind von Natur aus Fluchttiere und reagieren sensibel auf Stress. Sie brauchen Versteckmöglichkeiten, Beschäftigungsmöglichkeiten und eine ausgewogene Ernährung. Zudem können sie bis zu zehn Jahre alt werden – eine lange Zeit, in der sich Lebenssituationen ändern können.

Der Weg vom Osternest ins Tierheim

Die Statistiken der Wiener Tierheime sprechen eine deutliche Sprache: Nach Ostern steigt die Anzahl der abgegebenen Kaninchen regelmäßig an. "Für viele Kaninchen führt der Weg leider direkt vom Osternest ins Tierheim", erklärt Thomas Benda. "Wenn Tiere spontan gekauft werden, zeigt sich sehr schnell im Alltag, wie viel Verantwortung ihre Haltung tatsächlich bedeutet."

Die Gründe für die Abgabe sind vielfältig: Oft unterschätzen Familien den Zeitaufwand für die tägliche Pflege, die Kosten für Futter und Tierarzt oder den Platzbedarf der Tiere. Wenn dann noch Allergien auftreten oder sich die Wohnsituation ändert, sind die Tiere oft die Leidtragenden.

Langfristige Folgen für Mensch und Tier

Spontankäufe führen nicht nur zu Stress für die Tiere, sondern belasten auch die Tierheime. Diese müssen die abgegebenen Kaninchen versorgen, medizinisch betreuen und neue Plätze suchen – eine aufwendige und kostspielige Aufgabe.

Für die Tiere selbst bedeutet der Wechsel zwischen verschiedenen Umgebungen enormen Stress. Sie müssen sich immer wieder an neue Bezugspersonen und Lebensräume gewöhnen, was ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen kann.

Tierfreundliche Oster-Alternativen

Die Wiener Tierschutzexperten haben konkrete Vorschläge für ein tierfreundliches Osterfest. Statt lebender Tiere empfehlen sie Plüschtiere, Bücher über Tiere oder gemeinsame Aktivitäten in der Natur. Diese Alternativen bringen Freude, ohne Tierleid zu verursachen.

Helfen ohne zu kaufen

Wer trotzdem Tieren helfen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: Das TierQuarTier Wien bietet Tierpatenschaften an, bei denen man die Versorgung eines Tieres im Tierheim unterstützen kann, ohne es selbst aufzunehmen. Diese Form der Hilfe ist besonders nachhaltig und entlastet die Einrichtung.

Aktuell läuft im TierQuarTier eine besondere Osteraktion: Die Tiere haben symbolisch "Wunschzettel" geschrieben, auf denen ihre Herzenswünsche stehen. Besucher können diese Wünsche erfüllen und den Tieren so eine besondere Freude bereiten.

Information statt Spontaneität

Für Familien, die ernsthaft über die Anschaffung von Kaninchen nachdenken, hat die Tierschutzombudsstelle Wien spezielle Informationsmaterialien entwickelt. Der Bastelbogen "Mein Kaninchenheim" vermittelt Kindern auf spielerische Weise, was Kaninchen zum Wohlfühlen brauchen.

Dieser Bastelbogen ist kostenlos in der Stadtinformation im Wiener Rathaus (Friedrich-Schmidt-Platz 1, 1010 Wien) sowie in der Hauptbücherei der Stadt Wien (Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien) erhältlich. Durch kreatives Basteln und kindgerecht aufbereitete Informationen lernen Familien die Bedürfnisse der Tiere kennen, bevor sie eine Entscheidung treffen.

Verantwortungsvolle Vorbereitung ist entscheidend

Experten raten dazu, sich mindestens mehrere Wochen vor einer Tieranschaffung intensiv zu informieren. Dazu gehört der Besuch in einem Tierheim, Gespräche mit Tierärzten und die ehrliche Einschätzung der eigenen Lebensumstände. Fragen wie "Habe ich genug Zeit?", "Kann ich die laufenden Kosten tragen?" und "Was passiert im Urlaub?" sollten vorab geklärt werden.

Appell an die Wiener Bevölkerung

"Tiere sind kein saisonales Geschenk, sondern Lebewesen, die ein dauerhaftes Zuhause und verlässliche Betreuung brauchen", fasst Thomas Benda die Botschaft zusammen. Der Appell der Wiener Tierschützer ist eindeutig: Tieranschaffungen müssen gut überlegt sein und dürfen niemals spontan oder als Überraschung erfolgen.

Die Stadt Wien unterstützt diese Kampagne aktiv und stellt Informationsmaterialien zur Verfügung. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Haustieren zu schärfen und impulse Käufe zu verhindern.

Ein Ostern ohne Tierleid

Mit dem richtigen Wissen, Verantwortungsbewusstsein und einem veganen Schoko-Hasen im Osternest wird das Fest zur Freude für die ganze Familie – ganz ohne Tierleid. Die Botschaft der Wiener Tierschützer ist klar: Nur ein Schoko-Hase gehört ins Osternest, lebende Kaninchen gehören in liebevolle, gut vorbereitete Hände, die sich der Verantwortung bewusst sind.

Interessierte können sich beim TierQuarTier Wien über Tierpatenschaften und die aktuelle Osteraktion informieren. Die Einrichtung in der Süßenbrunner Straße 101 im 22. Bezirk steht für Fragen zur artgerechten Tierhaltung zur Verfügung und vermittelt Tiere an geeignete Plätze.

Schlagworte

#Tierschutz#Ostern#Kaninchen#Wien#Tierheim

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