vida-Gewerkschaft kämpft vor KV-Verhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen
Während der österreichische Tourismus rekordverdächtige Zahlen schreibt, bleiben die Arbeitsbedingungen problematisch.
Das Osterwochenende 2024 markiert das Ende einer außergewöhnlich erfolgreichen Wintersaison in Österreich. Die Kombination aus optimalen Schneebedingungen und hoher Reiselust sorgte für Rekordauslastungen in den heimischen Tourismusregionen. Doch während sich Hoteliers und Gastronomen über volle Kassen freuen, wächst der Unmut bei den Beschäftigten der Branche.
Eva Eberhart, Fachbereichsvorsitzende Tourismus in der Gewerkschaft vida, bringt die Problematik auf den Punkt: "Gerade zu Ostern zeigt sich besonders deutlich, worauf der Tourismus wirklich aufbaut: auf den Einsatz der Beschäftigten." Die Realität hinter den glänzenden Tourismusstatistiken sieht anders aus als die Erfolgsmeldungen vermuten lassen.
Viele Angestellte in Hotels und Restaurants arbeiten während der Hochsaison bis zu 48 Stunden pro Woche. Der Zeitdruck ist enorm, die Belastung steigt proportional zur Auslastung der Betriebe. "Sie sorgen dafür, dass Gäste ihr Essen bekommen, Zimmer bereitstehen und der Betrieb rund läuft – oft unter enormem Zeitdruck", erklärt Eberhart die Situation.
Besonders problematisch ist die Diskrepanz zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg der Branche und den Löhnen der Beschäftigten. Mit einem Mindestlohn von knapp über 2000 Euro brutto gehört die Hotellerie und Gastronomie nach wie vor zu den Niedriglohnsektoren in Österreich.
"Es kann nicht sein, dass der Tourismus boomt, aber die Beschäftigten kaum davon profitieren", kritisiert die Gewerkschaftsvertreterin. Diese Schieflage wirkt sich nicht nur auf die einzelnen Arbeitnehmer aus, sondern gefährdet langfristig die Stabilität der gesamten Branche.
Die Konsequenzen der unattraktiven Arbeitsbedingungen sind bereits deutlich spürbar. Immer mehr qualifizierte Fachkräfte kehren der Tourismusbranche den Rücken. Lange Arbeitszeiten, schlechte Planbarkeit der Freizeit und niedrige Löhne machen andere Branchen attraktiver.
"Ein erfolgreiches Osterwochenende darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es strukturelle Probleme gibt", warnt Eberhart. "Gute Arbeitsbedingungen sind kein Bonus, sondern Voraussetzung dafür, dass der Tourismus langfristig funktioniert."
Am 7. April 2024 beginnen die entscheidenden Verhandlungen für den neuen Kollektivvertrag in Hotellerie und Gastronomie. Die Gewerkschaft vida geht mit klaren Forderungen in diese Gespräche, die das Arbeitsklima in der Branche nachhaltig verbessern sollen.
Die vida-Gewerkschaft hat drei Kernforderungen für die kommenden Verhandlungen formuliert:
Diese Forderungen zielen darauf ab, die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Tourismusbranche zu steigern und dem anhaltenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Der österreichische Tourismus verzeichnet seit Jahren kontinuierliches Wachstum. Die Nächtigungszahlen steigen, die internationalen Gäste kehren nach der Pandemie zurück, und die Buchungslage für die kommenden Monate ist vielversprechend. Diese positive Entwicklung sollte sich auch in den Arbeitsbedingungen widerspiegeln.
"Die Beschäftigten sind das Rückgrat der Branche", betont Eberhart. "Wenn der Tourismus weiter wachsen soll, dann braucht es endlich bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne."
Experten sind sich einig, dass nachhaltige Entwicklung im Tourismus nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte umfassen muss. Faire Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne sind essentiell für die langfristige Stabilität der Branche.
Die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen werden zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, die Beschäftigten angemessen am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen. "Jetzt sind die Arbeitgeber gefordert, Verantwortung zu übernehmen", stellt die Gewerkschaftsvertreterin unmissverständlich klar.
Die Erwartungen an die Kollektivvertragsverhandlungen sind hoch. Nach einer erfolgreichen Wintersaison und positiven Prognosen für den Sommertourismus sieht die Gewerkschaft vida gute Chancen für substanzielle Verbesserungen.
Die Verhandlungsposition der Arbeitnehmervertreter wird durch den akuten Fachkräftemangel gestärkt. Betriebe, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sind möglicherweise eher bereit, Zugeständnisse zu machen.
Das Ergebnis der Verhandlungen wird nicht nur für die unmittelbar Betroffenen von Bedeutung sein, sondern könnte richtungsweisend für die gesamte österreichische Tourismuswirtschaft werden. Eine Einigung, die sowohl die berechtigten Interessen der Beschäftigten als auch die wirtschaftlichen Realitäten der Unternehmen berücksichtigt, wäre ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Branchenentwicklung.