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LMU München erhält 2,45 Millionen Euro für Nanomaterial-Innovation

Europäischer Innovationsrat fördert revolutionäre Mikroskop-Technologie

1. April 2026 um 09:01
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Das iNSyT-ONE Projekt der LMU München entwickelt mit EU-Förderung eine bahnbrechende Plattform zur Echtzeit-Qualitätskontrolle von Nanomaterialien.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat einen bedeutenden Erfolg in der europäischen Forschungsförderung erzielt: Das innovative Projekt iNSyT-ONE am Nanoinstitut der Universität erhält vom Europäischen Innovationsrat (EIC) einen Transition Grant in Höhe von 2,45 Millionen Euro. Diese Förderung soll eine patentierte Mikroskop-Plattform zur Marktreife bringen, die die Qualitätskontrolle von Nanomaterialien revolutionieren könnte.

Hochkompetitive Auswahl auf europäischer Ebene

Der Erfolg des LMU-Teams ist besonders bemerkenswert angesichts der intensiven Konkurrenz: Von insgesamt 611 eingereichten Vorschlägen aus ganz Europa wurden im Rahmen der EIC-Transition-Ausschreibung 2025 nur 40 Projekte zur Förderung ausgewählt. Das iNSyT-ONE-Projekt konnte sich damit gegen eine überwältigende Mehrheit von Bewerbern durchsetzen und gehört zu den vielversprechendsten Innovationen mit kommerziellem Potenzial in Europa.

"Der European Innovation Council fördert mit dem EIC Transition herausragende Innovation mit vielversprechendem kommerziellem Potenzial. Ich freue mich, dass das iNSyT-ONE-Team an der LMU mit dieser Unterstützung seine bahnbrechende Nanotechnologie bis zur Marktreife weiterentwickeln und so ein LMU-Spin-off auf den Weg bringen kann", gratuliert Dr. Philipp Baaske, Vizepräsident für Entrepreneurship der LMU.

Revolution in der Nanomaterial-Qualitätskontrolle

Die innovative Technologie adressiert ein fundamentales Problem in der Nanomaterial-Industrie. Nanomaterialien, insbesondere Quantenpunkte, gelten als Schlüsselmaterialien für ein breites Spektrum von Anwendungen – von der Displaytechnologie über die Energieumwandlung bis hin zur biomedizinischen Bildgebung und Diagnostik. Doch die derzeitigen Testverfahren für diese Materialien weisen einen entscheidenden Schwachpunkt auf.

Bei herkömmlichen Testmethoden werden Milliarden von Datenpunkten auf einen einzigen Durchschnittswert reduziert. Dabei gehen wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Partikeln verloren. Wenn ein Produkt versagt, sehen die Hersteller nur das Ergebnis, nicht aber dessen Ursache. Diese Beschränkung führt zu ineffizienter Produktion, höherem Materialverbrauch und unvorhersagbaren Qualitätsproblemen.

Einzelpartikel-Analyse statt Durchschnittswerte

Die neue Technologie des iNSyT-ONE-Teams ermöglicht erstmals die hochdurchsatzfähige Echtzeit-Analyse einzelner Nanopartikel mit einer Genauigkeit im Nanometerbereich. "Unsere Technologie stellt einen grundlegenden Fortschritt bei der Qualitätskontrolle von Nanomaterialien dar", erklärt Projektleiter Dr. Mohsen Beladi, Nanowissenschaftler an der LMU.

"Indem sie die zugrunde liegende Physik in ein direktes optisches Signal einzelner Nanopartikel umwandelt, eröffnet sie einen praktischen Weg zur Lösung einer der zentralen Herausforderungen des Fachgebiets. Anstatt uns auf Durchschnittswerte zu verlassen, wie es in der industriellen Praxis noch üblich ist, können wir Tausende von Nanopartikeln einzeln analysieren und für jedes einzelne Echtzeitinformationen generieren", so Beladi weiter.

Wissenschaftliche Exzellenz als Grundlage

Die Entwicklung basiert auf solider wissenschaftlicher Forschung, die bereits in renommierten Fachzeitschriften wie Nature und Nature Materials veröffentlicht wurde. Die Grundlagen wurden durch die Promotion von Dr. Christoph Gruber gelegt, der heute für Operations und die Hardware-Entwicklung des Projekts verantwortlich ist.

"Als uns klar wurde, dass die Methode auch über unsere eigene Arbeit hinaus großes Potenzial hat, ließen wir sie patentieren. Das war ein Wendepunkt in der Überlegung, wie der Ansatz breiter angewendet werden könnte", berichtet Gruber über den Entwicklungsprozess.

Interdisziplinäres Team mit klarer Vision

Das iNSyT-ONE-Team vereint verschiedene Expertisen: Während Dr. Simone Ezendam die Entwicklung der entsprechenden Software leitet, die eine automatisierte Analyse und nahtlose Datenverarbeitung ermöglichen soll, kümmert sich Dr. Jan Englert als Commercial Officer um die Geschäftsentwicklung und Markteinführung.

"Unser Ziel ist es, komplexe Einzelpartikelmessungen in automatisierte Echtzeit-Qualitätskennzahlen umzuwandeln, die die Industrie tatsächlich nutzen kann", erklärt Ezendam den praktischen Ansatz des Teams.

Industrielle Anwendung und Marktpotenzial

Das neue System soll den spezifischen Anforderungen der Industrie gerecht werden – hoher Durchsatz, Geschwindigkeit und Echtzeitüberwachung. Innerhalb weniger Minuten soll es zuverlässige Qualitätskennzahlen für jedes einzelne Nanopartikel liefern. Die daraus resultierenden Daten können dann direkt in die Produktionsprozesse zurückgeführt werden.

Die Vorteile dieser Technologie sind vielfältig: Sie steigert die Ausbeute, reduziert Abfall und beschleunigt die Produktfreigabe. "Nanomaterialien mögen winzig sein, aber sie bilden bereits die Grundlage für Wertschöpfungsketten im Wert von mehreren zehn Milliarden Euro und viele der Schlüsseltechnologien, auf die wir alle angewiesen sind", betont Englert das wirtschaftliche Potenzial.

Beitrag zur europäischen Technologiesouveränität

Die Entwicklung könnte einen entscheidenden Beitrag zu einer widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen europäischen Nanomaterial-Herstellung leisten. "Unsere Mission ist es, den Rohstoffverbrauch zu senken, die Produktionsresilienz zu erhöhen und letztlich den Output und die Margen zu verbessern", formuliert Englert die strategischen Ziele.

Exzellente Forschungsumgebung an der LMU

Die wissenschaftlichen Grundlagen von iNSyT-ONE wurden in der Gruppe "Nanomaterials for Energy" unter der Leitung von Prof. Emiliano Cortés am Nanoinstitut München der LMU entwickelt. Cortés initiierte die Forschungsrichtung und fungiert als Mentor und Berater des Teams während der Entwicklung von der Grundlagenforschung zur Technologietransferinitiative.

Das Projekt profitiert vom starken Energie- und Nanowissenschafts-Ökosystem der LMU, einschließlich des Exzellenzclusters e-conversion, des Bayerischen Programms für Solartechnologien (SolTech) und des Zentrums für Nanowissenschaften (CeNS). Ein wichtiger Meilenstein war eine vorangegangene Förderung durch den European Research Council (ERC), die eine wichtige Grundlage für den Transfer bildete.

Vom Forschungsprojekt zum Startup

"Als wir diese Forschung vor fünf Jahren begannen, hätten wir nie gedacht, dass sie zu einem Start-up führen könnte", reflektiert Prof. Cortés den Entwicklungsweg. "Aber die Relevanz, die Wirkung und die wirklich atemberaubenden Ergebnisse, die das Team erzielte, machten deutlich, dass hier echtes technologisches Potenzial steckt."

Ausblick: Drei Jahre bis zur Marktreife

Die Förderung von 2,45 Millionen Euro soll in den nächsten drei Jahren die Technologiereife, die industrielle Validierung und die Vorbereitung auf den Markteintritt unterstützen. Das Team arbeitet daran, die komplexe Labortechnologie in ein industrietaugliches System zu überführen, das schnelle, intelligente und zuverlässige Qualitätskontrolle für die Nanomaterial-Produktion ermöglicht.

Mit dieser Förderung positioniert sich die LMU München nicht nur als führende Forschungseinrichtung, sondern auch als wichtiger Akteur im europäischen Technologietransfer. Das iNSyT-ONE-Projekt könnte zu einem Paradebeispiel dafür werden, wie exzellente Grundlagenforschung erfolgreich in marktfähige Innovationen überführt wird und dabei zur Stärkung der europäischen Technologiesouveränität beiträgt.

Schlagworte

#LMU München#Nanotechnologie#Europäischer Innovationsrat#Forschungsförderung#Technologietransfer

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