Neue Umfrage zeigt gemischte Reaktionen auf geplante digitale Währung
67% kennen den digitalen Euro bereits, doch nur 42% würden ihn nutzen. Junge Menschen stehen der neuen Zahlungsform offener gegenüber.
Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zeigt ein gemischtes Bild zur Akzeptanz des geplanten digitalen Euro in Österreich. Während bereits zwei Drittel der Bevölkerung von der neuen digitalen Währung gehört haben, zeigt sich bei der Nutzungsbereitschaft deutliche Zurückhaltung.
Die repräsentative Umfrage unter 1000 Österreichern zwischen 16 und 80 Jahren zeigt, dass 67 Prozent der Befragten bereits vom digitalen Euro gehört haben. Knapp drei von zehn Befragten (29 Prozent) war die geplante Zahlungsalternative bisher unbekannt, vier Prozent machten keine Angabe.
"Die öffentliche Diskussion um den digitalen Euro gewinnt zunehmend an Fahrt. Zwei von drei Befragten in Österreich ist die geplante Zahlungsalternative, die als Ergänzung zum Bargeld eingeführt werden soll, schon ein Begriff", erklärt Paul Schmidt, Generalsekretär der ÖGfE. Allerdings zeigen sich die Österreicher bei der tatsächlichen Nutzung noch reserviert.
Die Umfrage deckt interessante demografische Unterschiede auf: Männer gaben mit 79 Prozent deutlich häufiger an, den Begriff zu kennen, als Frauen mit 56 Prozent. Auch das Alter spielt eine Rolle – während drei Viertel der über 50-Jährigen den digitalen Euro kennen, sind es bei den unter 30-Jährigen nur etwa die Hälfte.
Besonders aufschlussreich ist die politische Dimension: Menschen mit FPÖ-Parteipräferenz (82 Prozent) sowie Befragte, die für einen EU-Austritt sind (76 Prozent), kennen den digitalen Euro überdurchschnittlich oft – was auf eine intensive kritische Berichterstattung in diesen Kreisen hindeutet.
Bei der konkreten Nutzungsbereitschaft zeigt sich ein deutlich zurückhaltenderes Bild: Nur 42 Prozent der Befragten können sich vorstellen, den digitalen Euro zu nutzen, sollte er eingeführt werden. Dabei antworteten 14 Prozent mit "sicher" und 28 Prozent mit "eher schon".
Die Hälfte der Befragten steht der neuen Zahlungsform skeptisch gegenüber: 27 Prozent würden ihn "eher nicht" nutzen, 23 Prozent schließen eine Nutzung "sicher" aus. Acht Prozent sind sich noch unschlüssig.
Die Altersverteilung bei der Nutzungsbereitschaft folgt erwartbaren Mustern: Junge Menschen bis 29 Jahre zeigen sich mit 52 Prozent deutlich aufgeschlossener als über 70-Jährige mit nur 33 Prozent Zustimmung. Auch die EU-Einstellung spielt eine entscheidende Rolle: EU-Befürworter würden zu 55 Prozent den digitalen Euro nutzen, EU-Austritts-Befürworter nur zu 18 Prozent.
"Die Ergebnisse machen deutlich, dass jene Bevölkerungsgruppen, die am meisten vom digitalen Euro gehört haben, nicht unbedingt auch jene sind, die ihm die stärkste Akzeptanz entgegenbringen", analysiert Schmidt. "Die Debatte wird aktuell mehr von der Kritik als von den Fürsprechern dominiert."
Ein zentrales Argument der Befürworter – die Stärkung der europäischen Unabhängigkeit – verfängt in der Bevölkerung bisher wenig. Nur 29 Prozent glauben, dass ein digitaler Euro dazu beitragen würde, die Unabhängigkeit Europas zu stärken. Fast die Hälfte (49 Prozent) teilt diese Ansicht nicht, 22 Prozent können dazu keine Stellung nehmen.
"Der Argumentation, mit dem digitalen Euro die Unabhängigkeit Europas – etwa von bislang dominierenden, vor allem US-amerikanischen, Zahlungsanbietern – zu stärken, wird aktuell wenig Bedeutung beigemessen und scheint vielen noch zu weit hergeholt und abstrakt zu sein", betont Schmidt.
Dabei sieht Schmidt gerade in dieser strategischen Dimension einen wichtigen Aspekt: "Ein eigenständiges Europa ist heute jedoch mehr denn je eine strategische Notwendigkeit. Gerade in einem so sensiblen Bereich wie dem Zahlungsverkehr, der unseren Alltag direkt betrifft, wären europäische Alternativen, die noch dazu allen Menschen im Euroraum kostenlos zur Verfügung stehen, eine dringende Notwendigkeit."
Wieder zeigen sich die bekannten Muster: Junge Menschen und EU-Befürworter sehen zu je 40 Prozent einen Vorteil für die europäische Unabhängigkeit, während nur acht Prozent der EU-Austrittsbefürworter diese Einschätzung teilen.
Schmidt identifiziert ein klares Kommunikationsproblem: "Die große Unbekannte ist der digitale Euro nicht mehr, allerdings sind Skepsis und Unsicherheit nach wie vor ausgeprägt. Noch fehlt es an Information und einem besseren Verständnis des Mehrwerts eines digitalen, öffentlichen Geldes."
Besonders kritisch sieht er die Vertrauensfrage: Es mangele an Vertrauen, "dass durch den digitalen Euro eben nicht das Bargeld ersetzt und auch nicht die Privatsphäre der Menschen offengelegt wird". Diese Befürchtungen sind zentrale Hindernisse für eine breitere Akzeptanz.
"Die Bereitschaft, selbst einen digitalen Euro zu nutzen, den man sich noch nicht so recht vorstellen kann, ist ausbaufähig", resümiert Schmidt. "Umso wichtiger wäre es, in die inhaltliche Diskussion einzusteigen, den digitalen Euro sukzessive mit Leben zu füllen und sein Potential für ein starkes und unabhängigeres Europa hervorzuheben."
Die Umfrage wurde vom Marktforschungsinstitut market im Auftrag der ÖGfE vom 2. bis 5. März 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1000 Personen online, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 16 und 80 Jahren nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Die maximale statistische Schwankungsbreite liegt bei +/- 3,16 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Weg zum digitalen Euro in Österreich noch einige Hürden zu überwinden hat. Während die Bekanntheit bereits beachtlich ist, bedarf es verstärkter Aufklärungs- und Vertrauensarbeit, um die Skepsis in der Bevölkerung zu überwinden und das Potenzial der digitalen Währung zu vermitteln.