Übertragungsnetzbetreiber sieht wichtigen Fortschritt für Österreichs Energiewende
Austrian Power Grid unterstützt Regierungsvorlage zum Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz als entscheidenden Schritt für den Netzausbau.
Die Austrian Power Grid (APG), Österreichs Übertragungsnetzbetreiber, zeigt sich erfreut über den jüngsten Ministerratsbeschluss zum Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG). Das Unternehmen sieht in dieser Entwicklung einen wichtigen Meilenstein für die dringend benötigte Modernisierung der österreichischen Energieinfrastruktur.
"Nach der Begutachtung im Herbst 2025 und dem Ministerratsbeschluss rückt die dringend erforderliche Beschleunigung der Genehmigungsverfahren einen großen Schritt näher", erklärt APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner. Das EABG stelle eine notwendige Voraussetzung dar, um die im Netzentwicklungsplan abgebildeten Projekte zeitgerecht umsetzen zu können.
Die Bedeutung dieser gesetzlichen Neuerung wird durch die aktuelle geopolitische Lage unterstrichen. Christiner betont: "Die aktuelle geopolitische Lage zeigt einmal mehr, wie entscheidend der Netzausbau und die Integration von erneuerbaren Energien für den österreichischen Wirtschaftsstandort sind." Nur durch eine signifikante Beschleunigung der Verfahren werde es möglich sein, dass leistbare, erneuerbare Energie aus Österreich und Europa bei den Unternehmen und Haushalten ankomme.
Besonders kritisch äußert sich der APG-Chef zu den jahrzehntelangen Diskussionen um Infrastrukturprojekte: "Wir können es uns nicht mehr leisten, über Projekte jahrzehntelang zu diskutieren – wie etwa beim Bau der Salzburgleitung." Diese Aussage verdeutlicht die Frustration über die schleppenden Genehmigungsverfahren, die den Ausbau der Energieinfrastruktur in Österreich bremsen.
Die APG würdigt das von der Bundesregierung vorgelegte EABG als praxisnahes Gesamtpaket. Besonders vier Aspekte werden als besonders vielversprechend hervorgehoben, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen:
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die oft komplexen und langwierigen Genehmigungsverfahren zu straffen und zu vereinfachen. Das One-Stop-Shop-Prinzip beispielsweise soll Antragstellern ermöglichen, alle notwendigen Genehmigungen bei einer zentralen Stelle zu beantragen, anstatt verschiedene Behörden einzeln aufsuchen zu müssen.
Christiner appelliert an die Politik, das Gesetz rasch durch den parlamentarischen Prozess zu bringen: "Ein rascher und vorausschauender parlamentarischer Abschluss ist für den Wirtschaftsstandort Österreich nun entscheidend." Die APG betont, dass das EABG schnell im Nationalrat beschlossen werden müsse, damit die notwendigen Maßnahmen möglichst bald wirksam werden können.
Für die vollständige Wirkung des Gesetzes sind nach Ansicht der APG jedoch begleitende Maßnahmen notwendig. Christiner führt aus: "Damit das Gesetz seine vollständige Wirkung erzielen kann, sind auch begleitende Maßnahmen, wie eine gute Behördenausstattung und ein erleichterter Zugriff auf Sachverständige erforderlich."
Diese Forderung zeigt, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen allein nicht ausreichen. Auch die personelle und technische Ausstattung der zuständigen Behörden muss verbessert werden, um die angestrebte Beschleunigung tatsächlich erreichen zu können. Der erleichterte Zugriff auf Sachverständige ist dabei besonders wichtig, da gerade in technisch komplexen Genehmigungsverfahren oft spezialisiertes Wissen erforderlich ist.
Neben dem EABG sieht die APG auch in der Novellierung des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G) eine wichtige Maßnahme. Christiner bezeichnet diese als "das Gebot der Stunde". Eine Reform des UVP-Gesetzes könnte weitere Beschleunigungen bei Genehmigungsverfahren ermöglichen, ohne dabei Umweltstandards zu senken.
Die Austrian Power Grid spielt als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber eine zentrale Rolle für die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit einer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur sowie der Anwendung modernster Technologien trägt das Unternehmen wesentlich zur Integration erneuerbarer Energien bei und reduziert somit die Importabhängigkeit des Landes.
Das APG-Netz erstreckt sich über eine Trassenlänge von etwa 3.500 Kilometern und wird von einem Team aus rund 1.000 Spezialistinnen und Spezialisten betrieben, instandgehalten und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie angepasst. Die operative Steuerung erfolgt über die Zentrale in Wien, von wo aus ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke remote betrieben wird.
Die hohe Qualität der APG-Infrastruktur spiegelt sich in der außergewöhnlichen Versorgungssicherheit wider. Auch 2025 lag diese dank der engagierten Mitarbeiterschaft bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Diese Zahl unterstreicht die Bedeutung einer gut ausgebauten und gewarteten Netzinfrastruktur für die Wirtschaft und die Bevölkerung.
Die APG plant erhebliche Investitionen in den kommenden Jahren. Für 2026 sind Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro vorgesehen, was eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren darstellt (2025: 595 Millionen Euro, 2024: 440 Millionen Euro, 2023: 490 Millionen Euro). Diese Investitionen fungieren als wichtiger Wirtschaftsmotor und stellen einen wesentlichen Baustein für die Erreichung der österreichischen Energieziele dar.
Besonders beeindruckend ist das langfristige Investitionsprogramm: Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren. Diese Summe verdeutlicht das Ausmaß der Transformation, die das österreichische Stromnetz durchlaufen muss, um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden.
Die umfangreichen Investitionen der APG haben nicht nur energiepolitische, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Sie schaffen Arbeitsplätze in der Bauindustrie, bei Zulieferern und in verwandten Branchen. Zudem stärken sie den Technologiestandort Österreich und tragen zur Entwicklung innovativer Lösungen im Energiebereich bei.
Die Energiewende stellt die Netzbetreiber vor erhebliche technische und organisatorische Herausforderungen. Die Integration erneuerbarer Energien erfordert nicht nur den Ausbau der Netzkapazitäten, sondern auch deren intelligente Steuerung. Wind- und Solarenergie sind wetterabhängig und schwanken in ihrer Erzeugung, was neue Anforderungen an die Netzstabilität stellt.
Gleichzeitig nimmt die Elektrifizierung in allen Lebensbereichen zu. Elektroautos, Wärmepumpen und die zunehmende Digitalisierung führen zu einem steigenden Strombedarf. Das Netz muss daher nicht nur mehr erneuerbare Energie aufnehmen können, sondern auch eine wachsende Nachfrage bedienen.
Eine zuverlässige und kostengünstige Energieversorgung ist ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen. Gerade energieintensive Industrien sind auf stabile Strompreise und eine sichere Versorgung angewiesen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der entsprechenden Netzinfrastruktur trägt dazu bei, die Energiekosten langfristig zu stabilisieren und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren.
Die Verabschiedung des EABG könnte einen Wendepunkt für den Ausbau der österreichischen Energieinfrastruktur darstellen. Wenn es gelingt, die Genehmigungsverfahren tatsächlich zu beschleunigen, könnten viele der geplanten Projekte schneller realisiert werden. Dies würde nicht nur der APG helfen, ihre Investitionspläne umzusetzen, sondern auch anderen Energieunternehmen und Projektentwicklern zugutekommen.
Allerdings wird der Erfolg des Gesetzes auch davon abhängen, wie gut die praktische Umsetzung gelingt. Die von Christiner geforderte bessere Behördenausstattung und der erleichterte Zugriff auf Sachverständige werden entscheidend dafür sein, ob die angestrebten Beschleunigungen tatsächlich erreicht werden können.
Die österreichische Energiewende steht vor entscheidenden Jahren. Mit dem EABG und den geplanten Investitionen der APG könnten wichtige Weichen für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung gestellt werden. Ob diese Pläne aufgehen, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell und effektiv die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen umgesetzt werden können.