Kunsthistorikerin aus Bern übernimmt 2027 die Leitung des renommierten Wiener Museums
Die Direktorin des Kunstmuseums Bern wird ab Januar 2027 das Belvedere führen. Wolfgang Bergmann bleibt wirtschaftlicher Geschäftsführer.
Die Österreichische Galerie Belvedere bekommt eine neue Führung: Ab 16. Januar 2027 übernimmt Nina Zimmer die Leitung des renommierten Wiener Museums. Die 52-jährige Kunsthistorikerin und derzeitige Direktorin des Kunstmuseums Bern und Zentrum Paul Klee wurde von Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler zur wissenschaftlichen Geschäftsführerin ernannt.
Gemeinsam mit Wolfgang Bergmann, der als wirtschaftlicher Geschäftsführer wiederbestellt wurde, wird Zimmer für eine Funktionsperiode von fünf Jahren die Geschicke eines der bedeutendsten Museen Österreichs lenken. "Mit Nina Zimmer und Wolfgang Bergmann tritt ein Führungsduo an, das dem Leitbild der Österreichischen Galerie Belvedere – a museum that matters – gerecht wird", betonte Kulturminister Babler bei der Bekanntgabe.
Die Entscheidung fiel nach einem strukturierten Auswahlverfahren, das vom Bundesministerium für Kunst und Kultur durchgeführt wurde. Eine hochkarätig besetzte Findungskommission empfahl Zimmer als bestgeeignete Kandidatin aus insgesamt 27 Bewerbungen für die wissenschaftliche Geschäftsführung.
Nina Zimmer bringt umfangreiche Führungserfahrung im internationalen Museumsbetrieb mit. Seit 2016 leitet sie das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee, wo sie eine strategische Neuausrichtung der beiden Häuser verantwortete. Unter ihrer Führung wurden internationale Kooperationen ausgebaut und umfassende Transformationsprozesse eingeleitet, darunter die Etablierung der Provenienzforschung und die Entwicklung digitaler Strategien.
Zuvor sammelte die gebürtige Münchnerin mit deutsch-schweizerischer Doppelbürgerschaft bereits von 2006 bis 2014 Erfahrungen als Leiterin der Abteilung Kunst des 19. Jahrhunderts und der Moderne am Kunstmuseum Basel. Von 2014 bis 2016 fungierte sie dort als Vizedirektorin.
Zimmer hat sich durch zahlreiche international beachtete Ausstellungen einen Namen gemacht. Zu ihren bedeutendsten Projekten zählen Schauen zu Künstlern wie Chaim Soutine, Vincent van Gogh, Meret Oppenheim, El Anatsui, Anni Albers, Carol Rama, Isamu Noguchi, Ernst Ludwig Kirchner und Amy Sillman. Ihre wissenschaftliche Expertise wird durch ihre Mitgliedschaft in diversen Stiftungsräten und Fachgremien unterstrichen, unter anderem im Vorstand der Maria Lassnig Stiftung in Wien.
Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und Medienwissenschaft in Göttingen und Bordeaux promovierte sie 2001 an der Universität Göttingen. Zusätzlich zu ihrer Museumstätigkeit war sie als Gastprofessorin an der University of Chicago und der Korean National University of Art in Seoul tätig.
In ihrer Antrittsrede skizzierte Zimmer ihre Vision für das Belvedere: "Das Belvedere mit seinen verschiedenen Häusern verstehe ich als offene Wissenslandschaft – und als einen Ort des Vertrauens, der gleichermaßen für ein internationales Publikum wie auch für die Menschen vor Ort in Wien relevant ist, und an dem Kunst, Forschung und Öffentlichkeit in einen lebendigen Dialog treten."
Besonders betonte sie die gesellschaftliche Verantwortung von Museen in herausfordernden Zeiten: "Sie sind Räume der Auseinandersetzung, der Vielstimmigkeit und damit auch Orte der Demokratie." Zimmer zeigte sich von der Aufgabe begeistert und würdigte die Arbeit ihrer Vorgängerin Stella Rollig, an deren Erfolge sie anknüpfen möchte.
Wolfgang Bergmann, der seit 2017 als wirtschaftlicher Geschäftsführer des Belvedere tätig ist, wird seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Der studierte Theologe und Buchautor kann auf eine beeindruckende Laufbahn in der Medien- und Kommunikationsbranche zurückblicken. Nach Stationen als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas und als Kommunikationschef der Erzdiözese Wien, wo er Radio Stephansdom gründete, übernahm er 2000 die Geschäftsführung der Tageszeitung "Der Standard" und war ab 2008 auch Vorstand der Standard Medien AG.
"Im Belvedere haben wir im letzten Jahrzehnt gezeigt, wie eine Kultureinrichtung Innovationsstärke mit Wachstum verbinden kann", resümierte Bergmann seine bisherige Tätigkeit. Unter seiner wirtschaftlichen Führung wurden zwei Großprojekte entwickelt: das Belvedere Salzburg und das Visitor Center des Oberen Belvedere.
Kulturminister Babler nutzte die Gelegenheit, um der scheidenden Generaldirektorin Stella Rollig für ihre langjährige erfolgreiche Tätigkeit zu danken. "Stella Rollig übergibt ein ausgezeichnet aufgestelltes Haus. Sie hat sich stets mit großem Engagement dafür eingesetzt, Künstlerinnen sowie unterrepräsentierte Positionen sichtbarer zu machen."
Unter Rolligs Führung wurden wichtige Maßnahmen erfolgreich initiiert und umgesetzt, darunter der Ausbau des Belvedere Research Center sowie zukunftsweisende Projekte wie das Belvedere Salzburg, die national wie international breite Anerkennung fanden.
Das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport hatte die Führungspositionen am 13. Dezember 2025 gemäß Stellenbesetzungsgesetz öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endete am 19. Januar 2026. Für die Besetzung wurde ein strukturiertes Verfahren mit zwei separaten Findungskommissionen gewählt.
Die Kommission für die wissenschaftliche Geschäftsführung setzte sich aus hochkarätigen Expertinnen zusammen: Marion Ackermann (Präsidentin Stiftung Preußischer Kulturbesitz), Ingrid Kapsch-Latzer (Vorsitzende des Kuratoriums Österreichische Galerie Belvedere), Raphael Rosenberg (Vorstand des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Wien), Bettina Steinbrügge (Direktorin MUDAM Luxemburg) und Theresia Niedermüller (Leiterin der BMWKMS-Kunst- und Kultursektion).
Das Interesse an der Position war beträchtlich: Für die wissenschaftliche Geschäftsführung gingen 27 Bewerbungen ein, davon 16 von Frauen und 11 von Männern. Sieben Personen (vier Frauen, drei Männer) wurden für eine Longlist ausgewählt, sechs wurden schließlich zu einem strukturierten Hearing am 3. März 2026 eingeladen.
Für die wirtschaftliche Geschäftsführung bewarben sich sieben Personen (zwei Frauen, fünf Männer), von denen drei zu einem Hearing am 4. März 2026 eingeladen wurden. Das gesamte Auswahlverfahren wurde vom renommierten Beratungsunternehmen Egon Zehnder professionell begleitet.
Mit Nina Zimmer und Wolfgang Bergmann übernimmt ein erfahrenes Team die Führung des Belvedere in einer Zeit, in der Museen vor vielfältigen Herausforderungen stehen. Die Digitalisierung, nachhaltige Strategien, gesellschaftliche Relevanz und internationale Vernetzung sind nur einige der Themen, die das neue Führungsduo angehen wird.
Das Belvedere, das zu den meistbesuchten Museen Österreichs zählt und weltberühmt für seine Sammlung österreichischer Kunst ist – insbesondere die Werke von Gustav Klimt –, steht vor der Aufgabe, seine Position als international bedeutendes Museum weiter zu stärken und gleichzeitig als gesellschaftlich relevante Institution zu wirken.
Die Ernennung von Nina Zimmer signalisiert einen Aufbruch: Mit ihrer internationalen Erfahrung, ihrer Expertise in Transformationsprozessen und ihrer Vision von Museen als "Orte der Demokratie" bringt sie frische Impulse mit. Gemeinsam mit Wolfgang Bergmanns bewährter wirtschaftlicher Expertise scheint das Belvedere gut aufgestellt zu sein, um auch in den kommenden fünf Jahren seine Rolle als eines der führenden Kunstmuseen Europas zu festigen und auszubauen.