Humanitäre Organisation warnt vor katastrophaler Wasserversorgung
Trotz Waffenstillstand bleibt die humanitäre Lage in Gaza dramatisch. CARE unterstützt mit EU-Hilfe über 100.000 Menschen.
Während das Waffenstillstandsabkommen in Gaza der Bevölkerung eine dringend benötigte Atempause verschafft, bleibt die humanitäre Situation in der Region katastrophal. CARE Österreich berichtet über die anhaltend schwierigen Lebensbedingungen und erbringt Nothilfe.
Über 80 Prozent der Gebäude im Gazastreifen sind zerstört oder beschädigt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind nach wie vor vertrieben und leben unter schwierigen Bedingungen. Familien, die in ihre Wohnorte zurückgekehrt sind, finden Trümmer vor – zerstörte Häuser, nicht funktionsfähige Schulen und Krankenhäuser.
"Familien hausen in überfüllten Notunterkünften, in Zelten oder in Gebäuden, die mehr Ruinen als Wohnhäusern gleichen – ohne Zugang zu Essen, sauberem Wasser oder funktionierender Sanitärversorgung, ohne Schutz vor Kälte und Wind, ohne ein Stück Privatsphäre", erklärt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.
Die vergangenen Wintermonate haben die ohnehin dramatische Situation weiter verschärft. Starkregen und Stürme überfluteten provisorische Zeltlager und richteten Schäden an den notdürftigen Unterkünften an. Überlaufende Abwasserkanäle, fehlender Zugang zu sauberem Wasser und schlechte Hygienebedingungen ließen Krankheitsfälle steigen.
Die Geschichte von Aya aus dem Flüchtlingscamp Al-Maghazi in Zentral-Gaza verdeutlicht die prekären Lebensumstände: "Als der Regen kam, war unser Zelt komplett überflutet. Wir haben keine Toilette, kein Badezimmer. Unser Leben ist kein richtiges Leben."
CARE und seine lokalen Partnerorganisationen konzentrieren sich auf die Bereitstellung lebensnotwendiger Grundversorgung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau der Sanitärversorgung durch mobile Toilettenanlagen, neu gebaute oder reparierte Latrinen sowie Systeme zur Abfallentsorgung.
Um nachhaltige Lösungen zu schaffen, bildet CARE lokale Wartungskomitees aus, die den laufenden Betrieb der Sanitäranlagen eigenständig sicherstellen können.
In Gebieten, wo sauberes Trinkwasser kaum verfügbar ist, stellen CARE und seine Partner Wassertanks auf und installieren kompakte Entsalzungsanlagen in Sammelunterkünften. Parallel dazu werden Grundwasserbrunnen saniert sowie Wasserleitungsnetze verlegt und instandgehalten.
Neben der Bereitstellung von Infrastruktur setzt CARE auf Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Bewohnerinnen und Bewohner überfüllter Unterkünfte werden über Hygienemaßnahmen informiert, und Hygienepakete mit lebensnotwendigen Artikeln werden verteilt.
Familien erhalten zudem Matratzen, Schlafmatten und Decken. Wo es die Sicherheitslage erlaubt, werden auch leichte Gebäudeschäden behoben, um zumindest einen grundlegenden Schutz vor Witterungseinflüssen zu bieten.
Das Hilfsprojekt wird durch die finanzielle Unterstützung der Europäischen Union ermöglicht. CARE arbeitet dabei mit den Partnerorganisationen PARC und MA'AN zusammen. Insgesamt unterstützt das Projekt mehr als 100.000 Menschen in Gaza und der Westbank – rund die Hälfte davon sind Frauen und Mädchen.
Trotz des Waffenstillstands bleibt der Zugang für Hilfsorganisationen aufgrund der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten schwierig. In Teilen des Gazastreifens kommt es immer wieder zu Angriffen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Überschwemmungen und Wetterextreme zwingen Menschen erneut zur Flucht und verschärfen die Lage.
CARE Österreich betont, dass sich die Organisation ausschließlich am humanitären Mandat und den Menschenrechten orientiert. Die Organisation verurteilt den Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober sowie jegliche Gewalt gegen Zivilbevölkerungen.
CARE fordert weiterhin die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie den ungehinderten Zugang humanitärer Hilfe.