High-Level-Gespräch bringt zehn Großstädte mit dem Bund zusammen
Das Innovationsministerium und zehn österreichische Städte arbeiten gemeinsam an der Klimawende - ein exklusiver Einblick in die Mission.
Die Klimawende beginnt in den Städten: Rund 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf urbane Räume, zugleich entstehen dort etwa drei Viertel der globalen CO₂-Emissionen. Österreich geht diese Herausforderung strategisch an und setzt auf eine enge Kooperation zwischen Bund und Städten. Beim Bund-Pionierstadt-Gespräch am 23. März 2026 kamen die politischen Vertreter der zehn österreichischen Pioniergroßstädte mit Sektionschefin Henriette Spyra vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur zusammen.
Mit der "Mission Klimaneutrale Stadt" unterstützen das Innovationsministerium und der Klima- und Energiefonds österreichische Städte dabei, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Die Initiative fördert technische, sozial-ökologische und wirtschaftliche Innovationen, die Städte im Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität und zur Anpassung an den Klimawandel entscheidend voranbringen.
Die zehn österreichischen Pioniergroßstädte Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Villach, St. Pölten, Dornbirn und Wiener Neustadt stehen im Zentrum dieser Entwicklung. Sie repräsentieren die Interessen und Bedürfnisse von mehr als einem Drittel der österreichischen Bevölkerung und entwickeln Lösungen, von denen langfristig alle Städte und Gemeinden profitieren können.
Das High-Level-Gespräch ermöglichte einen Austausch auf höchster Ebene zwischen Bund und Städten über zentrale Rahmenbedingungen, konkrete Herausforderungen und umsetzungsorientierte Lösungen für die nachhaltige Entwicklung der österreichischen Städte. Im Mittelpunkt standen Themen wie klimaneutrale Energieversorgung und Mobilität, regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit sowie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.
"Unsere Städte sind zentrale Partner auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die aktuellen Krisen zeigen erneut, wie wichtig eine sichere und unabhängige Energieversorgung ist", betont Innovationsminister Peter Hanke. "Die Pionierstädte leisten hier Pionierarbeit: Sie setzen auf erneuerbare Energie, stärken regionale Wertschöpfung und machen ihre Städte widerstandsfähiger gegenüber globalen Entwicklungen."
Sektionschefin Henriette Spyra zeigt sich beeindruckt von den Fortschritten: "Bei den gestrigen Gesprächen wurde eindrucksvoll deutlich, wie intensiv Österreichs Pioniergroßstädte für ihr Ziel, klimaneutral zu werden, arbeiten. Das beweist einmal mehr, dass der Transformationsprozess im vollen Gange ist und von den Städten aktiv gestaltet wird."
Die Pionierstädte haben eine Partnerschaft mit dem BMIMI geschlossen und richten ihre Verwaltungsstrukturen konsequent auf Klimaneutralität aus. Sie bauen Kapazitäten für die Umsetzung auf, entwickeln klimafitte Stadtquartiere und schaffen Lernumgebungen, von denen andere Gemeinden profitieren können.
St. Pölten hat durch den Pionierstadtprozess einen eigenen Geschäftsbereich für Klimaagenden gegründet. Eines der Herzstücke ist die Bürgerenergiegemeinschaft EnergieRegion St. Pölten, die mittlerweile das gesamte Stadtgebiet umfasst und auch Bürgern aus der Region eine aktive Teilnahme ermöglicht. "Mit dem Pionierstadtprozess wurden wichtige Schritte zur Beschleunigung der Energiewende gesetzt", erklärt Bürgermeister Matthias Stadler.
Die Finanzierungspartnerschaft ermöglicht der Stadt Graz, für fünf Jahre acht zusätzliche Mitarbeiter in der Verwaltung einzusetzen, um die Klimaarbeit gezielt zu verstärken. Damit wird der Grazer Klimaschutzplan mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 vorangetrieben. "Der Weg zur klimaneutralen Stadt ist eine gemeinsame Aufgabe", sagt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner.
Die Landeshauptstadt Klagenfurt verfolgt mit ihrer Smart City Klimastrategie das ambitionierte Ziel der bilanziellen Klimaneutralität bis 2030. Mit dem eigens eingerichteten Smart Climate Lab wird Partizipation und Teilhabe in Sachen Klimaschutz gefördert. "Besonders stolz sind wir auf die Aktivitäten in unserem lokalen Klimaschutznetzwerk", erklärt Vizebürgermeister Patrick Jonke.
"Mit dem Wiener Klimagesetz 2025 setzt die Stadt Wien ein klares Zeichen und übernimmt auf dem Weg zur Klimaneutralität eine wichtige Vorbildrolle", betont Klima-Stadtrat Jürgen Czernohorszky. Im Fokus stehen jene Bereiche, in denen die Stadt direkt handeln kann und Maßnahmen sofort Wirkung zeigen.
Dornbirn arbeitet intensiv an konkreten Lösungen für eine klimafitte Stadtentwicklung. Schwerpunkte liegen auf Kreislaufwirtschaft sowie der schrittweisen Umstellung kommunaler Mobilitätssysteme auf emissionsfreie Antriebe – etwa beim Stadtbus oder bei kommunalen Servicefahrzeugen.
Linz stärkt die Zusammenarbeit von Magistrat, GWG und LINZ AG auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. Mit dem Aufbau eines gesamtstädtischen Treibhausgasmonitorings wurde eine zentrale Grundlage geschaffen. "Wir setzen in Linz konkrete Maßnahmen für eine klimaneutrale Zukunft und treiben die Umsetzung konsequent voran", betont Bürgermeister Dietmar Prammer.
Die innovativen Umsetzungsmaßnahmen in den Pioniergroßstädten setzen neue Standards und erhöhen die lokale Innovationskraft. Sie treiben technologische Entwicklung voran und sichern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich. Gleichzeitig reduzieren sie ihre Abhängigkeit von Importen fossiler Energie, schaffen Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Branchen und steigern die heimische Wertschöpfung.
"Die Pionierstädte zeigen, wie der Umstieg auf erneuerbare Energieträger und die Anpassung an den Klimawandel in der Praxis funktionieren kann", erklärt Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds. "Sie testen neue Lösungen, bauen Wissen auf und schaffen Modelle, die auch für andere Städte nutzbar sind."
Salzburg übernimmt auch auf europäischer Ebene Verantwortung. Als Twin City stärkt die Stadt den internationalen Austausch und gestaltet aktiv den Weg zur Klimaneutralität. "Die Stadt Salzburg treibt im Rahmen der Pionierstadt-Initiative die Umsetzung ihres Klimafahrplans 2040 konsequent voran", bekräftigt Stadträtin Anna Schiester.
Villach verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: "Klimaschutz ist für uns kein Selbstzweck, sondern erhöht Gesundheit, Leistbarkeit und Zukunftschancen", so die Erste Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig. Integrierte, kooperative Projekte, die Energie, Raum und Natur zusammendenken, sind das Herzstück einer klimafitten Gestaltung.
Wiener Neustadt hat den gesamten Themenkomplex strukturell in der Stabsstelle Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt, Klima und Energie verankert. Gleichzeitig wird der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen und Freiflächen konsequent vorangetrieben.
Innsbruck setzt auf gezielte Expertise: "Das Pionierstadt-Team unterstützt die städtischen Dienststellen mit gezielter Expertise. Vor allem dort, wo spezifisches Fachwissen oder Koordination fehlen", erklärt Bürgermeister Johannes Anzengruber.
Das Bund-Pionierstadt-Gespräch dient als wirkungsvolles Instrument zur strategischen Weiterentwicklung urbaner Innovation auf höchster Entscheidungsebene. Das exklusive High-Level-Format bietet Bürgermeistern, Vizebürgermeistern sowie Stadträten der Pionierstädte die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den Verantwortlichen des Bundes.
Ein wesentliches Element des Treffens war auch der Austausch der Städte untereinander: Die Pionierstädte teilten Erfahrungen aus ihren Projekten, lernten voneinander und entwickelten gemeinsam Lösungen, die auch anderen Gemeinden zugutekommen können. Ergänzend zum persönlichen Austausch wurde ein auf Fachebene erarbeitetes Positionspapier der Städte an den Bund übergeben, das zentrale Anliegen bündelt.
Die Mission "Klimaneutrale Stadt" zeigt eindrucksvoll, wie durch koordinierte Zusammenarbeit zwischen Bund und Städten der Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität erfolgreich gestaltet werden kann. Die österreichischen Pionierstädte fungieren dabei als wichtige Impulsgeber und schaffen Modelle, die langfristig allen Gemeinden des Landes zugutekommen werden.