TU Wien startet groß angelegte Studie zur Zukunft der heimischen Produktionswirtschaft
Nur die Hälfte der Unternehmen bewertet ihre Lage positiv. Neue Panelstudie soll bis 2026 Lösungsansätze für die Industrie aufzeigen.
Die österreichische Produktionswirtschaft steht unter enormem Druck. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des "Made in Austria IndustriePANEL", einer umfassenden Studie der TU Wien und ihrer Kooperationspartner. Nur rund die Hälfte der befragten Unternehmen bewertete ihre aktuelle Geschäftslage als positiv – der niedrigste Wert seit Studienbeginn 2019.
Besonders alarmierend: Mehr als 85 Prozent der befragten Unternehmen sehen eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Österreich in den vergangenen fünf Jahren. Steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Wettbewerbsnachteile belasten viele Betriebe erheblich.
"Die Ergebnisse verdeutlichen die enormen Herausforderungen für die heimische Industrie", erklärt Sebastian Schlund, Leiter des Forschungsbereichs Industrial Engineering am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien und Geschäftsführer von Fraunhofer Austria. "Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sind viele Unternehmen bereit, den industriellen Wandel aktiv zu gestalten und neue Technologien in ihre Produktionsprozesse zu integrieren."
Um diese kritische Entwicklung genauer zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln, haben die TU Wien, Fraunhofer Austria, die FHWien der WKW, EIT Manufacturing East und der Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) eine neue Runde des "Made in Austria IndustriePANEL" gestartet. Bis zum 12. Juni 2026 sind Führungskräfte österreichischer Produktionsunternehmen eingeladen, ihre Einschätzungen zu teilen.
Die Studie erhebt systematisch Daten zur Lage der Unternehmen, zum Marktumfeld, zur Wettbewerbsfähigkeit sowie zum Stand der Digitalisierung. Dabei werden sowohl die aktuellen Bedürfnisse als auch die Erwartungen und Herausforderungen von Industrie und Gewerbe erfasst.
Das MiA-IndustriePANEL basiert auf einem standardisierten Fragenkatalog, der jährlich um aktuelle Schwerpunktthemen ergänzt wird. Im Jahr 2026 stehen insbesondere drei Bereiche im Fokus:
Trotz der angespannten Lage zeigt sich ein bemerkenswertes Phänomen: Viele Unternehmen investieren weiterhin aktiv in Innovation, Digitalisierung und nachhaltige Produktionsstrategien. Dies deutet auf eine hohe Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit der österreichischen Industrie hin.
Die Betriebe arbeiten verstärkt an zukunftsfähigen Lösungen, etwa durch Investitionen in künstliche Intelligenz, Automatisierung und Assistenzsysteme. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Unternehmen nach Wegen suchen, Ressourcen effizienter zu nutzen und nachhaltiger zu produzieren.
Das MiA-IndustriePANEL, an dem sich jährlich mehr als 100 Vertreter österreichischer Produktionsunternehmen beteiligen, liefert eine wichtige empirische Grundlage für Industrie, Forschung und Politik. Die seit 2019 regelmäßig durchgeführte Studie ermöglicht es, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Handlungsspielräume für die Zukunft der Produktionsarbeit in Österreich aufzuzeigen.
Ziel der kontinuierlichen Erhebung ist es, den Status quo sowie die Zukunftserwartungen der österreichischen Produktionsunternehmen methodisch fundiert abzubilden. Durch die regelmäßige Wiederholung werden Entwicklungen im Zeitverlauf sichtbar und können evidenzbasierte Impulse für strategische Entscheidungen liefern.
Die Studie konzentriert sich auf mehrere Schlüsselbereiche, die für die Zukunft der österreichischen Produktion von entscheidender Bedeutung sind:
Die Spannung auf die Studienergebnisse ist groß. Am 19. Oktober 2026 werden die Resultate der achten Panelstudie im Rahmen des "Made in Austria IndustrieFORUM" im TUtheSky an der TU Wien präsentiert. Die Veranstaltung verspricht, ein wichtiger Termin für die österreichische Industrielandschaft zu werden.
Neben der Vorstellung der Studienergebnisse erwarten die Teilnehmer Vorträge und Diskussionen mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Der thematische Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf "Deep Tech" und den technologischen Perspektiven der industriellen Entwicklung – ein Thema, das angesichts der aktuellen Herausforderungen besondere Relevanz hat.
Alle Teilnehmer des MiA-IndustriePANEL 2026 sind eingeladen, die Veranstaltung kostenlos zu besuchen. Dies bietet eine wertvolle Gelegenheit zum Austausch mit Vertretern aus Industrie und Forschung über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsfragen der Produktionsarbeit in Österreich.
Die Ergebnisse des IndustriePANEL haben bereits in der Vergangenheit wichtige Impulse für die österreichische Wirtschafts- und Industriepolitik geliefert. Angesichts der aktuell schwierigen Lage der Produktionswirtschaft dürften die kommenden Studienergebnisse besondere Aufmerksamkeit bei politischen Entscheidungsträgern finden.
Die Studie könnte wichtige Hinweise darauf geben, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich zu stärken und die Deindustrialisierung zu stoppen. Dabei stehen sowohl kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen als auch langfristige strukturelle Reformen zur Diskussion.
Trotz der aktuell schwierigen Situation zeigt die hohe Bereitschaft der Unternehmen zur Teilnahme an der Studie und zu Investitionen in Innovation, dass die österreichische Produktionswirtschaft nicht resigniert hat. Vielmehr sucht sie aktiv nach Wegen, die Herausforderungen zu meistern und sich für die Zukunft zu positionieren.
Die kontinuierliche Erhebung von Daten und Trends durch das MiA-IndustriePANEL wird dabei eine wichtige Rolle spielen, um die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen und die österreichische Industrie zukunftsfähig zu gestalten.
Weitere Informationen zur Teilnahme sowie die Ergebnisse der bisherigen Studien sind auf der Projektwebsite unter https://www.tuwien.at/mwbw/im/made-in-austria verfügbar.