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AK OÖ: Frauen leiden unter Ärztemangel in der Gynäkologie

Zwölf gynäkologische Kassenarztstellen in Oberösterreich unbesetzt

25. März 2026 um 10:11
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771.102 Frauen leben in OÖ, doch gynäkologische Kassenordinationen werden immer seltener. AK fordert rasche Verbesserungen im Gesundheitssystem.

Oberösterreich hat ein Problem: Während mehr als die Hälfte der 1,5 Millionen Einwohner weiblich ist, verschlechtert sich die gynäkologische Versorgung dramatisch. Die Arbeiterkammer Oberösterreich schlägt Alarm und fordert von Land und Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) rasche Verbesserungen.

Dramatischer Ärztemangel in der Frauenheilkunde

Die Zahlen sind alarmierend: Mit Stichtag 1. Jänner 2026 waren in Oberösterreich zwölf gynäkologische Kassenarztstellen unbesetzt. In fast allen Bezirken des Bundeslandes herrscht akuter Mangel an Kassenpraxen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Gleichzeitig steigt die Zahl der Wahlordinationen kontinuierlich an.

"Lange Wartezeiten und fehlende Kassenordinationen sind ein grundlegendes Problem im Gesundheitssystem. Frauen spüren die Folgen besonders deutlich, etwa wenn es um die gynäkologische Versorgung geht. Gesundheit darf weder vom Wohnort noch vom Einkommen abhängen", kritisiert AK-Präsident Andreas Stangl die Entwicklung.

Frauen zunehmend unzufrieden mit Gesundheitssystem

Eine aktuelle Befragung des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) zur Gesundheitsversorgung in Oberösterreich bestätigt die wachsende Problematik. 29 Prozent der Frauen zeigen sich mit dem Gesundheitssystem unzufrieden – bei den Männern sind es nur 25 Prozent.

Besonders besorgniserregend ist der Trend: Seit der letzten Erhebung ist die Unzufriedenheit bei Frauen um 7 Prozentpunkte gestiegen, bei Männern lediglich um 5 Prozentpunkte. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmenden Schwierigkeiten wider, mit denen Frauen bei der Suche nach gynäkologischer Versorgung konfrontiert sind.

Weite Wege und hohe Kosten belasten Frauen

Für viele oberösterreichische Frauen ist der Weg zur nächsten gynäkologischen Kassenpraxis mittlerweile weit und schwer bewältigbar. Besonders betroffen sind Frauen ohne eigenes Fahrzeug oder mit Betreuungspflichten, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Die Konsequenzen dieser Unterversorgung sind für die betroffenen Frauen sowohl praktisch als auch finanziell spürbar. Viele sehen sich gezwungen, auf teure Wahl- und Privatärztinnen auszuweichen, um überhaupt eine gynäkologische Versorgung zu erhalten.

Ausweichen auf Privatordinationen wird zur Regel

Die IFES-Befragung zeigt deutlich, warum sich Frauen für Wahl- oder Privatordinationen entscheiden. Die Gründe sind vielfältig und verdeutlichen die strukturellen Defizite im kassenärztlichen Bereich:

  • 56 Prozent der weiblichen AK-Mitglieder geben an, in Wahlordinationen schneller einen Termin erhalten zu haben
  • 46 Prozent erwarten dort eine bessere Behandlungsqualität
  • 32 Prozent konnten keinen Termin in einer Kassenordination bekommen
  • 25 Prozent fanden keine entsprechende Kassenordination in ihrer Umgebung

Diese Zahlen verdeutlichen ein systemisches Problem: Die kassenärztliche Versorgung kann den Bedarf nicht decken, was zu einer Zwei-Klassen-Medizin führt.

Finanzielle Mehrbelastung für Patientinnen

Die Folgen dieser Entwicklung sind für Frauen nicht nur praktisch, sondern auch finanziell spürbar. Während Kassenpatientinnen ihre gynäkologische Versorgung über die Sozialversicherung abgewickelt bekommen, müssen Patientinnen von Wahl- und Privatärzten die Kosten zunächst selbst tragen.

"Es kann nicht sein, dass Frauen für eine notwendige gynäkologische Versorgung immer öfter privat zahlen müssen. Wer schwanger oder krank ist oder Vorsorge braucht, muss rasch und ohne zusätzliche Kosten medizinische Leistungen bekommen", betont AK-Präsident Stangl die Dringlichkeit des Problems.

Besondere Herausforderungen in der Geburtshilfe

Besonders kritisch ist die Situation in der Geburtshilfe. Schwangere Frauen sind auf regelmäßige Kontrollen angewiesen und können nicht beliebig lange auf Termine warten. Der Mangel an gynäkologischen Kassenordinationen bedeutet für werdende Mütter oft zusätzlichen Stress und finanzielle Belastungen in einer ohnehin sensiblen Lebensphase.

Auch bei der Nachsorge nach der Geburt oder bei gynäkologischen Problemen können lange Wartezeiten gesundheitliche Risiken bedeuten. Präventionsuntersuchungen, die für die Früherkennung von Krankheiten essentiell sind, werden aufgrund der schlechten Verfügbarkeit oft aufgeschoben.

Forderungen der Arbeiterkammer

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat einen umfassenden Forderungskatalog an das Land Oberösterreich und die Österreichische Gesundheitskasse formuliert. Im Zentrum steht die Forderung nach einer gerechten und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung für alle Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher.

Konkrete Verbesserungsmaßnahmen

Die AK fordert einen flächendeckenden Zugang zu leistbaren Gesundheitsangeboten und -informationen. Besonders wichtig ist dabei mehr Tempo bei der Besetzung aller offenen Kassenstellen sowie die Schaffung zusätzlicher Stellen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.

Als innovative Lösungsansätze sieht die Arbeiterkammer die Initiierung und den Ausbau von Primärversorgungszentren. Diese können durch ihre multidisziplinäre Ausrichtung eine bessere Versorgung gewährleisten und Synergien zwischen verschiedenen medizinischen Fachbereichen schaffen.

Übergangslösung für Betroffene

Für die Zeit bis zur Verbesserung der kassenärztlichen Versorgung fordert die AK eine pragmatische Übergangslösung: Solange eine kassenärztliche Unterversorgung besteht, müssen Versicherte den vollen Kassenarzttarif ersetzt bekommen, wenn sie auf Wahlärzte ausweichen müssen.

Diese Maßnahme würde die finanzielle Belastung für betroffene Frauen reduzieren und gleichzeitig ein Zeichen setzen, dass die Gesundheitsversorgung nicht vom Einkommen abhängen darf.

Österreichweites Problem

Die Situation in Oberösterreich ist kein Einzelfall. Auch in anderen österreichischen Bundesländern kämpft das Gesundheitssystem mit ähnlichen Herausforderungen. Der Ärztemangel, insbesondere in ländlichen Gebieten, und die unattraktiven Bedingungen für Kassenärzte führen österreichweit zu einer Verschlechterung der Versorgungssituation.

Die demografische Entwicklung verschärft das Problem zusätzlich: Eine alternde Gesellschaft benötigt mehr medizinische Versorgung, während gleichzeitig viele Ärzte in den Ruhestand gehen und zu wenig Nachwuchs vorhanden ist.

Ausblick und politische Verantwortung

Die Arbeiterkammer Oberösterreich macht deutlich, dass rasches politisches Handeln erforderlich ist. Die Gesundheitsversorgung ist eine staatliche Aufgabe, und es liegt in der Verantwortung von Land und Sozialversicherung, für eine ausreichende kassenärztliche Versorgung zu sorgen.

Ohne entsprechende Maßnahmen droht eine weitere Verschlechterung der Situation. Besonders Frauen mit geringem Einkommen oder aus ländlichen Gebieten wären dann noch stärker benachteiligt. Die Forderungen der Arbeiterkammer zielen darauf ab, eine Zwei-Klassen-Medizin zu verhindern und allen Menschen in Oberösterreich eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu garantieren.

Die 771.102 Frauen in Oberösterreich haben ein Recht auf eine angemessene gynäkologische Versorgung – unabhängig von ihrem Wohnort oder Einkommen. Es liegt nun an den politischen Entscheidungsträgern, die notwendigen Schritte zu setzen.

Schlagworte

#Frauengesundheit#Arbeiterkammer#Oberösterreich#Ärztemangel#Gynäkologie

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