Vienna Soil Dialogue thematisiert Bedeutung gesunder Böden für Europas Zukunft
Der Lebensmittelkonzern AGRANA organisierte erstmals den Vienna Soil Dialogue, um Boden als strategische Ressource für Ernährungssicherheit zu etablieren.
Der österreichische Lebensmittel- und Industriekonzern AGRANA hat mit dem ersten "Vienna Soil Dialogue" eine neue Plattform geschaffen, die den Boden nicht nur als landwirtschaftliche Grundlage, sondern als strategische Ressource für Europas Zukunft betrachtet. Die Konferenz, die in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Raiffeisenverband, FAS Research und dem IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis) organisiert wurde, stellte eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Welche Rolle spielen gesunde Böden für eine resiliente Landwirtschaft und unabhängige Produktionsketten?
AGRANA-CEO Stephan Büttner erläuterte die Motivation hinter der Veranstaltung: "Gesunde Böden sind kein abstraktes Umweltthema, sondern bilden das Fundament für Ernten, Qualität und Sicherheit der Lebensmittelversorgung." Für AGRANA als Verarbeiter landwirtschaftlicher Rohstoffe beginne die Stabilität bereits auf den Feldern und nicht erst in den Verarbeitungsbetrieben.
Besonders in Zeiten geopolitischer Umwälzungen seien globale Versorgungssysteme extrem verwundbar geworden, wie ein Blick auf die Straße von Hormuz verdeutliche. "Deshalb ist es so wichtig, unsere eigene Rohstoffbasis und damit die Produktivität unseres eigenen Agrarsektors zu sichern", betonte Büttner.
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verleihen der Diskussion eine zusätzliche brisante Dimension. Der Krieg im Iran und die Schließung der Straße von Hormuz, durch die etwa ein Drittel aller Düngemittel transportiert wird, bedroht weltweit die Versorgung mit wichtigen Bodennährstoffen. Diese Situation unterstreicht die Bedeutung regionaler Produktionsketten und der Unabhängigkeit von kritischen Importen.
Erwin Hameseder, Präsident des Österreichischen Raiffeisenverbands, unterstrich: "Unsere Böden sind weit mehr als nur die Produktionsgrundlage für die Landwirtschaft. Besonders in der neuen geoökonomischen Realität sind sie die Schlüsselvoraussetzung für die strategische Stärke Österreichs und Europas als Ganzes."
Harald Katzmair, Direktor von FAS Research, betonte die strategische Bedeutung: "Boden, Wasser und Energie stehen wieder im Mittelpunkt strategischer Fragen. Für uns bedeutet Bodensicherheit die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre Nahrungs- und Industriebasis zu sichern, ohne ihre biologischen Grundlagen zu untergraben oder sich kritischen Abhängigkeiten auszusetzen."
Brian Fath, Principal Research Scholar am IIASA, ergänzte eine ökologische Sichtweise: "Wenn wir Böden nur als Produktionsfaktor betrachten, übersehen wir ihre wahre ökologische Funktion: Böden sind komplexe, adaptive lebende Systeme. Nachhaltige Landwirtschaft entsteht nicht durch die Maximierung einzelner Erträge, sondern durch das Gleichgewicht von Wachstum, Entwicklung und Erneuerung."
Bei der Abendpaneldiskussion betonten hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft die Bedeutung des Bodenschutzes. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erklärte: "In Niederösterreich zeigen wir, dass Wirtschaftswachstum und ein klares Bekenntnis zum Bodenschutz kein Widerspruch sind. Wir haben bewusst alte Vorstellungen verlassen, wonach mehr Flächenverbrauch automatisch mehr Wachstum bedeutet."
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hob hervor, dass "hochwertige Bodenschutz" ein zentraler Baustein der Ernährungssicherheit sei. Die österreichische Landwirtschaft fördere eine Kreislaufwirtschaft und werde regional ausgerichtet bewirtschaftet. Um diese Stärken zu sichern, müsse die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau, Erosionsschutz und Fruchtfolgenvielfalt erhalten und weiter verbessert werden.
Im Rahmen der eintägigen Konferenz diskutierten Meinungsführer aus Wissenschaft, Forschung und Landwirtschaft verschiedene Aspekte:
Mit dem Vienna Soil Dialogue hat AGRANA einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Debatte über die strategische Bedeutung der landwirtschaftlichen Grundproduktion geleistet. Das Unternehmen macht deutlich, dass Boden nicht nur ein Umwelt- oder Landwirtschaftsthema ist, sondern ein Schlüsselfaktor für Europas wirtschaftliche und soziale Resilienz.
AGRANA, 1988 gegründet und mit rund 9.000 Mitarbeitern an 50 Produktionsstandorten weltweit tätig, erwirtschaftet einen jährlichen Konzernumsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen und ein führender Hersteller von Apfel- und Beerensaftkonzentraten. Zudem ist AGRANA das führende Zuckerunternehmen in Zentral- und Osteuropa und ein bedeutender Produzent maßgeschneiderter Stärkeprodukte aus Kartoffeln, Mais und Weizen sowie von Bioethanol.
Die Veranstaltung unterstreicht einen wichtigen Paradigmenwechsel: Boden wird zunehmend als kritische Infrastruktur und strategische Ressource erkannt, die für Europas Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit von entscheidender Bedeutung ist. In einer Zeit globaler Unsicherheiten und Lieferkettenprobleme gewinnt die Stärkung regionaler Produktionskapazitäten und der Schutz der natürlichen Ressourcenbasis an strategischer Bedeutung.