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Energiewende braucht Milliarden-Investitionen in Infrastruktur

Forum Versorgungssicherheit fordert langfristige Planungssicherheit für Netzbetreiber

23. März 2026 um 11:31
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Österreichs Netzbetreiber planen bis 2030 Investitionen von 4,7 Milliarden Euro. Für die Energiewende brauchen sie jedoch klare politische Vorgaben.

Die Energiewende stellt Österreichs Infrastruktur vor gewaltige Herausforderungen. Bis 2030 wollen allein die fünf größten regionalen Netzbetreiber 4,7 Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Netze investieren. Doch für diese Mammutaufgabe benötigen sie vor allem eines: langfristige Planungssicherheit von der Politik.

Darauf verwies Thomas Angerer, Geschäftsführer der Wiener Netze, beim jüngsten Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit Ende März. "Die Netze sind Treiber der Energiewende, Rückgrat der Wirtschaft und überdies noch Wachstumsmotor", betonte Angerer. "Voraussetzung dafür ist aber langfristige Planungssicherheit."

Österreich punktet mit hoher Versorgungsqualität

Was die heimischen Netzbetreiber dabei zu erhalten gilt, ist das international herausragende Niveau der Versorgungssicherheit. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während europaweit Stromkunden statistisch alle 15 Monate mit einem ungeplanten Stromausfall rechnen müssen, passiert das Wienern nur alle vier Jahre. Im Jahr 2025 waren Wiener Haushalte ganze 18 Minuten ohne Strom - und das war bereits die Jahressumme aller kleineren Unterbrechungen.

"Das sind oft nur Sekunden dauernde Unterbrechungen, die wahrscheinlich die meisten gar nicht wahrgenommen haben", erklärt Angerer. Diese hohe Zuverlässigkeit macht sich in international gebräuchlichen Kennzahlen bemerkbar: Sowohl der ASIFI (Average System Interruption Frequency Index) als auch der ASIDI (Average System Interruption Duration Index) liegen in Österreich weit unter den europäischen Durchschnittswerten.

Integration verschiedener Energiesysteme wird zum Schlüssel

Die Energiewende bringt jedoch grundlegende Veränderungen mit sich. Strom, erneuerbare Gase sowie Wärme- und Kältenetze müssen künftig stärker miteinander verknüpft werden. "Wenn in einem Gebiet das Gasnetz stillgelegt werden soll, muss als Alternative entweder Fernwärme zur Verfügung stehen, oder die Haushalte stellen auf Wärmepumpen um, wodurch der Strombedarf steigt", veranschaulicht Angerer die Komplexität der Aufgabe.

Diese Sektorenkopplung erfordert eine völlig neue Herangehensweise an die Energieplanung. Der Aus- oder Umbau der verschiedenen Netze muss koordiniert erfolgen, um Synergien zu nutzen und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Gleichzeitig entstehen dadurch neue Möglichkeiten für technologische Innovationen, etwa bei der Integration klimafreundlicher Mobilität.

Rechtliche Rahmenbedingungen müssen angepasst werden

Ein zentrales Problem sieht Angerer in den bestehenden rechtlichen Vorgaben. "Derzeit gilt für die Netzbetreiber noch eine Anschlussverpflichtung für Gas, wir müssen also auf Wunsch jeden neuen Gaskunden auch versorgen", erklärt er. Hier brauche es klare politische Vorgaben, wo in Zukunft fossiles Gas durch andere Energieträger ersetzt werden soll.

Diese Unsicherheit betrifft auch den möglichen Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Obwohl die Rolle von Wasserstoff noch in den Anfängen stecke, seien "frühzeitige strategische Entscheidungen" nötig, so Angerer. Zwei derzeit in Diskussion befindliche Gesetze - das Gaswirtschaftsgesetz (GWG) und das Erneuerbare-Gase-Gesetz (EGG) - sollen hier Klarheit schaffen.

Milliarden-Investitionen als Wachstumsmotor

Die geplanten Investitionen haben beeindruckende Dimensionen: Die Wiener Netze allein wollen bis 2030 rund 2,2 Milliarden Euro investieren, das sind durchschnittlich 440 Millionen Euro pro Jahr. Rund zwei Drittel davon fließen in die Aufrüstung des Stromnetzes. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Forums Versorgungssicherheit - Netz Burgenland, Netz Niederösterreich, Netz Oberösterreich und Linz Netz - summieren sich die Ausbaupläne auf 4,7 Milliarden Euro.

Diese Investitionen wirken weit über den Energiesektor hinaus als Konjunkturmotor. Angerer verweist auf eine Studie der Boston Consulting Group: "Demnach zeigen Investitionen in die Energie-Infrastruktur eine besonders hohe indirekte Wachstumswirkung. Gerade in Zeiten schwacher Konjunktur liegt hier eine große Chance."

Klimaneutralität als Wirtschaftschance begreifen

Wien hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Angerer sieht den dafür nötigen Umbau des Energiesystems als Chance für wirtschaftliches Wachstum. "Der Ausbau der Energieinfrastruktur wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Deshalb dürfen wir nicht übersehen, dass wir vor einem grundlegenden Umbau des bestehenden Systems stehen."

Besonders deutlich wird dieser Wandel im Bereich der Raumwärme. Fernwärme wird künftig eine zentrale Rolle spielen, ergänzt durch Nahwärmelösungen, Geothermie und Wärmepumpen. Das Stromnetz wird zunehmend zum Rückgrat der Wärmewende, während fossiles Gas schrittweise ersetzt wird.

Gas auf dem Rückzug - aber nicht überall

"Gas befindet sich bereits auf dem Rückzug. In den letzten Jahren wurden pro Jahr etwa 10.000 Zählpunkte von Gasbeziehern abgemeldet", berichtet Angerer. Dennoch wird Gas nicht völlig verschwinden: Teile der bestehenden Gasinfrastruktur können künftig für klimaneutrale Gase genutzt werden. Für Gewerbe und Industrie bleibt Gas als Energieträger unverzichtbar - allerdings in Form von Biomethan oder Wasserstoff.

Energieraumplanung als Gebot der Stunde

Das optimale Zusammenspiel verschiedener Energieträger erfordert eine langfristige und umfassende Energieraumplanung. "Gerade weil der Ausbau der Infrastruktur teuer ist, müssen wir ihn so effizient wie möglich gestalten", betont Angerer. Es gelte, sowohl Doppelgleisigkeiten als auch "Stranded Costs" zu vermeiden - also Investitionen in Leitungen, die später nicht mehr benötigt werden.

Brigitte Ederer, Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, mahnt von den politischen Verantwortlichen vor allem Verlässlichkeit ein: "Beim Ausbau der Infrastruktur müssen Entscheidungen über Milliardeninvestitionen getroffen werden, die Auswirkungen auf Jahrzehnte hinaus haben. Eine Hü-hott-Politik mit ständigem Richtungswechsel wäre fatal."

Netzbetreiber als Partner der Politik

Die Netzbetreiber sehen sich dabei als konstruktive Partner in der Umsetzung der Energiewende. "Die Grundsatzentscheidungen darüber, welche Netzteile stillgelegt werden, wo eine alternative Versorgung aufgebaut werden muss, wo Biomethan zum Einsatz kommt - diese Vorgaben erwarten wir uns von der Politik", formuliert Angerer die Erwartungen der Branche.

Ein rechtssicherer Rahmen sei die Voraussetzung, um die nötigen Investitionsentscheidungen treffen zu können. Nur so könne Österreich seine führende Position bei der Versorgungssicherheit halten und gleichzeitig die Energiewende erfolgreich bewältigen.

Das Forum Versorgungssicherheit vertritt als gemeinsame Plattform fünf der größten regionalen Verteilernetzbetreiber Österreichs: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich. Zusammen versorgen sie Millionen von Kunden mit Strom, Gas und Fernwärme.

Schlagworte

#Energiewende#Infrastruktur#Netzbetreiber#Klimaschutz#Investitionen

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