Österreich liegt bei Zirkularität über EU-Durchschnitt - Studie zeigt Potenzial für nachhaltiges Wachstum
Die österreichische Kreislaufwirtschaft zeigt beeindruckende Zahlen: 13.800 Unternehmen erwirtschaften 16,6 Milliarden Euro Umsatz jährlich.
Eine aktuelle Studie von PwC Österreich, die in Zusammenarbeit mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft der ARA durchgeführt wurde, beschreibt die ökonomische Relevanz des Sektors für die österreichische Volkswirtschaft.
Rund 13.800 Unternehmen mit etwa 50.900 Vollzeitäquivalenten erwirtschafteten zuletzt 16,6 Milliarden Euro Umsatz und eine Bruttowertschöpfung von 4,5 Milliarden Euro. Diese Kombination aus höherer Zirkularität, stabiler Beschäftigung und starker Wertschöpfung leistet einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Volkswirtschaft.
Die Studie nennt außerdem die Entwicklung der österreichischen Kreislaufquote: Sie ist seit 2012 um 75 % auf 15,2 % gestiegen und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 12,2 %. Umweltminister Norbert Totschnig wird in der Studie mit den Zielangaben zitiert: „Österreich zählt zu den führenden Standorten für Umwelttechnologie in der EU und hat das Potenzial, Vorreiter bei nachhaltiger Rohstoffpolitik zu sein. Unsere Kreislaufquote ist seit 2012 um 75 % auf 15,2 % gestiegen und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 12,2 %. Unser Ziel ist klar: Bis 2030 wollen wir sie auf 18 % erhöhen und die Kreislaufwirtschaft noch stärker in allen Bereichen verankern.“
Die Studie analysierte die Materialflüsse in Österreich: 2023 stammten etwa 31 Millionen Tonnen beziehungsweise 13,1 % des gesamten verarbeiteten Materials aus dem Recycling; 2021 lag dieser Wert bei 9,5 %.
Harald Hauke, Vorstandssprecher der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) und Koordinator des Senats der Kreislaufwirtschaft, wird in der Studie wie folgt zitiert: „Nach wie vor steht die heimische Wirtschaft vor großen ökonomischen Herausforderungen. Die aktuelle Studie von PwC und dem Senat der Kreislaufwirtschaft des ARA Vereins zeigt, dass Kreislaufwirtschaft auch in konjunkturschwachen Zeiten widerstandsfähig ist. Wir befinden uns auf einem guten Weg in eine zirkuläre Zukunft und sehen die Konkretisierung der Industriestrategie als zentrale Maßnahme, um diesen weiter voranzugehen. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen und rechtliche Vorgaben, damit sich Investitionen in Kreislaufwirtschaft langfristig lohnen.“
In Interviews mit Vertreter:innen aus Schlüsselsektoren wie Batterien & Fahrzeuge, Konstruktion & Gebäude, Kunststoffe, Abfallwirtschaft und Verpackungen werden zirkuläres Produktdesign und transparente Produktdaten als wesentliche Treiber der Kreislaufwirtschaft genannt. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass sich Akteur:innen, die sich nicht an Vorgaben wie die Extended Producer Responsibility halten, an den Kosten beteiligen müssen.
Agatha Kalandra, Vorstandsmitglied bei PwC Österreich, wird in der Studie mit der Einschätzung zitiert, dass der Rezyklatmarkt eine stärkere Nachfrage braucht, da günstigere Primärrohstoffpreise und hohe Qualitätsanforderungen den Sekundärrohstoffmarkt dämpfen. Erwähnt wird zudem der positive Effekt von Künstlicher Intelligenz und modernisierter Recycling-Infrastruktur auf Qualität und Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen.
Der Senat der Kreislaufwirtschaft betont in der Studie die Bedeutung eines klaren Bekenntnisses zu Kreislaufwirtschaft und Recycling in der Industriestrategie, einschließlich der geplanten Sicherung der Rohstoffsouveränität durch optimierte Ressourcennutzung und des Ziels, vermehrt nachhaltige Rohstoffe zu nutzen. Geplant ist außerdem, digitale Ressourcenplattformen mit Fokus auf den europäischen Handel von Sekundärrohstoffen und Rezyklaten an die öffentliche Beschaffung zu koppeln, um die Nachfrage nach zirkulären Materialien zu erhöhen.
Robert Nagele, BILLA Vorstand und Senator im Senat der Kreislaufwirtschaft, wird wie folgt zitiert: „Sekundärrohstoffe entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Faktor für die Industrie. Die Produktion und der Einsatz brauchen noch mehr Anreize, daher unterstützen wir es sehr, dass die Industriestrategie darauf abzielt.“
Die Studie verweist auf zahlreiche EU-Initiativen wie den Green Deal, den Clean Industrial Deal, den Circular Economy Act und die neue Verpackungsverordnung, die das Ziel verfolgen, mehr Rohstoffe nachhaltiger im Kreislauf zu führen. Die Studie thematisiert dabei die Rolle solcher Rahmenbedingungen für die Förderung der Kreislaufwirtschaft.
In der Studie wird abschließend hervorgehoben, dass klare Rahmenbedingungen und rechtliche Vorgaben notwendig sind, damit sich Investitionen in die Kreislaufwirtschaft langfristig lohnen, und dass die Konkretisierung der Industriestrategie als zentrale Maßnahme gesehen wird, um den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.