MedUni Wien führt internationale Initiative für personalisierte RA-Behandlung
Europäische Experten entwickeln unter Wiener Leitung neue Empfehlungen für die Behandlung von rheumatoider Arthritis.
Eine internationale Expertengruppe unter der Leitung der Medizinischen Universität Wien hat aktualisierte Therapie-Empfehlungen für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) veröffentlicht. Die Leitlinien des europäischen Dachverbands rheumatologischer Fachgesellschaften (EULAR) wurden in den Annals of the Rheumatic Diseases publiziert und sollen Patient:innen eine wirksamere, sicherere und individuellere Behandlung ermöglichen.
Die Empfehlungen wurden von einer internationalen Arbeitsgruppe aus 50 Expert:innen unter der Leitung von Josef Smolen (Klinische Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) entwickelt. "Mit diesem Update wollen wir klare, evidenzbasierte Leitlinien bereitstellen, die sowohl den Fortschritt bei den verfügbaren Therapien als auch die Komplexität der heutigen Behandlung von rheumatoider Arthritis widerspiegeln," sagt Smolen.
Die wissenschaftliche Grundlage bildeten systematische Übersichtsarbeiten zur aktuellen Evidenz, die von Victoria Konzett (MedUni Wien) und Faidra Laskou (University of Southampton) durchgeführt wurden.
Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich die Gelenke befällt und weltweit rund 18 Millionen Menschen betrifft. Trotz medizinischer Fortschritte bleiben verschiedene Herausforderungen bestehen, darunter das unterschiedliche Ansprechen der Patient:innen auf verfügbare Therapien und die seltene Möglichkeit einer vollständigen Heilung.
Die neuen Leitlinien verschieben den Fokus von der Auswahl einzelner Wirkstoffe hin zur Optimierung von Behandlungsstrategien. Das Spektrum der verfügbaren Therapien umfasst konventionelle synthetische, biologische und zielgerichtete synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs).
Ein Kernprinzip bleibt der zielgerichtete (Treat-to-Target-) Ansatz, der Remission oder zumindest eine geringe Krankheitsaktivität anstrebt. Die Behandlung sollte früh begonnen und bei Nichterreichen definierter Ziele angepasst werden.
Die Leitlinien betonen, dass bei Behandlungsentscheidungen neben Wirksamkeit und Sicherheitsaspekten auch die individuellen Merkmale, Präferenzen und Begleiterkrankungen der Patient:innen berücksichtigt werden sollten.
Methotrexat (MTX) bleibt der Eckpfeiler der Erstlinientherapie, und Glukokortikoide werden als kurzfristige Überbrückungstherapie genannt. Bei unzureichendem Ansprechen auf die Erstlinientherapie werden biologische DMARDs empfohlen; JAK-Inhibitoren können nach sorgfältiger Risikobewertung in Betracht gezogen werden.
Die Leitlinien bevorzugen bei anhaltender Remission eine Dosisreduktion gegenüber einem vollständigen Abbruch der Medikation, um einem erneuten Auftreten von Krankheitsschüben vorzubeugen, so die Autoren.
Daniel Aletaha, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der MedUni Wien, betont den Treat-to-Target-Ansatz und die gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) als zentrale Elemente der Leitlinie.
Die MedUni Wien war an der Entwicklung der neuen Empfehlungen maßgeblich beteiligt. Die Publikation stellt nach Angaben der Autor:innen einen Schritt hin zu einer präziseren, wirksameren und personalisierten Versorgung dar.